Alan Wake 2
Der Titel bekommt von mir eine absolute Empfehlung, obwohl ich der Meinung bin, dass es ein schlechtes Spiel ist. Klingt unlogisch..? Ich versuche mich an einer kurzen Erklärung...
Ich hatte in der Vergangenheit schon öfters betont, dass ich Spiele mag, die sich was trauen und Dinge anders machen, und in der Hinsicht verdient sich auch
Alan Wake 2 meinen höchsten Respekt.
Gleichzeitig habe ich in einem Post vor ein paar Tagen geschrieben, dass das Spiel für mich eine herbe Enttäuschung ist und mich dabei vor allem an den Gameplay-Elementen gestoßen. An der Grundmeinung hat sich auch nichts mehr geändert.
Auf der einen Seite ist es wirklich erstaunlich, was Remedy hier gezaubert hat. Ich liebe die ganze Lore (man kann da wirklich nach eigenem Gusto beliebig tief ins Rabbit Hole hinabsteigen), das Worldbuilding, das Design der Umgebungen - im Großen wie auch in den kleinen Details, die Art des Storytellings mit seiner Verschränkung verschiedener Medien und Stile, den wieder mal großartigen Soundtrack und die beeindruckende Grafik. Man ist da teilweise sowohl was Story als auch Technik angeht so detailverliebt, zum Dahinschmelzen... Nur leider war es zumindest bei mir so, dass immer wenn
Alan Wake 2 zwischendurch eingefallen ist, dass es eigentlich ja ein Spiel sein möchte und ein wenig auf die Gameplay-Tube gedrückt hat, das Kartenhaus ziemlich schnell zusammen gefallen ist.
Besonders als Fan von
Alan Wake 1, das sich für immer einen Platz in meinem Herzen reserviert hat, machen mich manche Änderungen in Teil 2 beinahe wütend.
Ein herausragendes und bis heute einzigartiges Feature von AW1 war die große Bedeutung von Licht und die taktischen Einsatzmöglichkeiten. Licht bedeutete Leben. Man konnte - ja, musste, im höchsten Schwierigkeitsgrad - durch klugen Einsatz und Haushalten seiner verschiedenen Lichtressourcen immer spontan entscheiden, Gegner zu bekämpfen oder taktisch auf Abstand zu halten, bspw durch strategische Platzierung von Flares, und zum nächsten Lichthof zu gelangen. Jeder Encounter hatte eine Choreographie und eine schöne Dynamik, clever eingesetzte Slow-Downs und eine intelligente Kamera, die an genau den richtigen Stellen rausgezoomt hat. Das Kampfsystem war natürlich bei weitem nicht perfekt, aber den oft geäußerten Vorwurf von stupidem "Anleuchten, Abknallen" hab ich nie verstanden...
GENAU DAS liefert nun aber
Alan Wake 2!!

Als Fan von Teil 1 hätte ich bei einem Nachfolger erwartet, dass die ganze Licht/Dunkel Thematik wieder genauso Front&Center steht, leider verkommt das aber beinahe zu einer Randnotiz.
Die Encounter wirken nicht mehr choreographiert, es werden einfach random ab und an zwei, drei Gegner reingeladen, taktischer Einsatz von Licht nicht mehr nötig bzw. im Fall der Taschenlampe gar nicht mehr möglich, da man hier jetzt - mir unverständlich - eine One-Click-Automatik draus gemacht hat... Ganz schlimm fand ich die Wölfe, man bleibe bitte bei denen einfach mal stehen und schaue zu, was die da so treiben, es ist wirklich tragisch... Erinnert sich noch wer an diese komischen Werwolf-Encounter bei
Order 1886? Das ist hier exakt dasselbe und genau so schlecht...
Und über die unmögliche Kamera im Kampf hatte ich ja vor ein paar Tagen schon gemotzt, da spar ich mir weitere Worte... Ebenso zum Mind Place, der für mich in der Kategorie "gute Idee, unbefriedigende Ausführung" landet.
Positiv erwähnt sei noch, dass das Spiel einem nicht ständig an die Hand nimmt, es gibt keine direkten Questmarker, es wird Mitdenken und bewusste Wahrnehmung der Umgebung erwartet, sehr schön!
Noch kurz zu den beiden DLCs:
Night Springs - naja, hat mich jetzt nicht so abgeholt, die erste Episode mit Rose ist zumindest recht witzig, die anderen beiden mit Jesse und dem Sheriff fand ich aber sehr belanglos. Kann man mal spielen, bleibt aber nix hängen.
The Lake House fand ich allerdings sehr gut und beinahe besser als das Hauptspiel, hier kommt auch endlich einmal so was wie Suspense und Survival Horror "light" auf, da man es auch mal mit Gegnern zu tun bekommt, gegen die man anfangs nichts ausrichten kann, außerdem sind die Schauplätze schön creepy.
Und so bleibt für mich am Ende die Erkenntnis, dass für mich
Alan Wake 1 das deutlich bessere Spiel ist, ich
Alan Wake 2 - obwohl es mich als Nachfolger enttäuscht - aber trotzdem jedem empfehlen möchte, denn sowas wie hier sieht man in der Form und vor allem mit diesem Produktionsbudget in keinem anderen Spiel.
Ach ja - und wer meinte, mit dem Aschenbecherlabyrinth bereits die Speerspitze von Remedy's Schaffen gesehen zu haben, hier gibt es einen ähnlichen Level für die Geschichtsbücher!
Immerhin hat das Spiel meinen Remedy-Nerv so weit gekitzelt, dass ich mir jetzt noch mal
Control reingetan habe

Auch das hat klare Schwächen v.a. in Sachen Hauptstory, Charaktere und Dialoge, bleibt für mich aber bisher Remedy's "Magnum Opus"

Auch schon wieder vier Jahre her, dass ich das gespielt habe...