Krule
Frührentner
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Cronos: The New Dawn
Ich hätte nicht gedacht, dass Bloober so gute Horror-Action inszenieren kann. Cronos orientiert sich stilistisch stark an Dead Space, doch außer bei der Optik, der Stampfattacke und vielleicht beim (linearen) Leveldesign, erinnert es mich eher an das Silent Hill 2 Remake oder an Resident Evil 4 und Co. Allerdings setzt Cronos im Gegensatz zu einigen der genannten Spiele bewusst auf ein ziemlich langsames Spieltempo, an das ich mich erstmal gewöhnen musste. Das langsame Spieltempo ist nicht zu verwechseln mit einem schlechten Pacing, denn Letzteres stimmt eigentlich. Ich kann Cronos trotzdem nicht jedem Action-Horror-Fan bedingungslos empfehlen, weil das Spiel ziemlich lang ist und dadurch teilweise etwas gestreckt wirkt. Habe nun schon häufiger gelesen, dass Spieler gelangweilt waren, weil es ihnen mit der Zeit zu repetitiv wurde. Das liegt sicher auch daran, dass das Encounter-Design zwar grundsätzlich gut ist, aber ziemlich gleichbleibend. Den Kämpfen mangelt es etwas an Varianz - kein Vergleich zu solchen Spielen wie Resi 4 oder The Evil Within, bei denen man fast in jedem Kampf irgendetwas anderes beachten muss.
Trotzdem hatte ich persönlich eine sehr gute Zeit mit Cronos. Ich mag den Gameplay-Loop aus Erkunden und Ballern sehr gerne. Die Waffen fühlen sich wuchtig an und durch die Tatsache, dass alle Kugeln prinzipiell durch Gegner hindurch fliegen und mehrere Gegner treffen können, ist taktische Positionierung sehr wichtig, zb um Ressourcen zu sparen. Auch ist Cronos insgesamt ziemlich anspruchsvoll - während in ähnlichen Spielen Ressourcenmangel nur ein Gefühl für den Spieler sein soll und man häufig dynamisch schon immer genug Ressourcen findet, ist der Mangel in Cronos wirklich real - man kann alle Munition verbrauchen und dann nackt vor den Gegnern stehen. Vielen Spielern ist genau das mehrfach passiert, was natürlich zu Frust führen kann. Für mich hat es bedeutet, dass ich extrem sorgfältig, taktisch und langsam vorgegangen bin, um dieser schwebenden Gefahr auf keinen Fall zu begegnen. Für mich hat es das Spielgefühl also intensiviert. Meine Spielzeit liegt mit über 20h aber auch deutlich über den ~15h, die Howlongtobeat für Cronos angibt.
Die Prämisse des Spiels fand ich super interessant: Die Menschheit ist nach einer weltweiten Pandemie ausgestorben und wir versuchen in einzelnen Locations lokal in der Zeit zurückzureisen, um dort wichtige Persönlichkeiten zu retten, und so zu erfahren, was genau passiert ist und wie man es aufhalten kann. Die Motivation der eigenen Spielfigur, sowie aller anderen, bleibt dabei aber im dunkeln und die Erzählung bleibt lange Zeit kryptisch. Die Atmosphäre ist sehr dicht und zum schneiden - der Soundtrack unterstützt das intensive Spielerlebnis.
Nur leider - typisch Bloober - setzt man hin und wieder auf Effekthascherei. Es gibt zb einige Szenen, wo die eigene Spielfigur plötzlich im Dunkeln ihre Taschenlampe auschaltet, nur um einen Gegner, der irgendwo im Raum mit eigener Lichtkomposition auftauchen soll, besser von der Regie einfangen zu können. Mit eigener Lichtquelle wäre die Wirkung einer solchen Einstellung nicht mehr so stark gewesen, also entreißt Bloober dem Spieler die Kontrolle, um diese Situation künstlich zu erzeugen. Solche Elemente reißen mich aber eher aus der Immersion und nerven - glücklicherweise kommt das nicht all zu oft vor...
Summa Summarum ist Cronos The New Dawn für mich ein großartiges Horror-Actionspiel geworden, das aber nicht ganz an die großen Vorbilder heranreicht. Durch das langsame Spieltempo und den Ressourcenmangel ist es sicherlich nicht für jeden Spielertyp geeignet. Ich persönlich finde es aber sehr gut und es kämpft bei mir in meiner Liste der Spiele des Jahres 2025 mit einigen anderen starken Titeln in der Spitzengruppe um Platz 2 hinter Clair Obscur....
8/10

