Bin bei dem Hobby nicht besonders preissensibel und treffe meine Kaufentscheidung da selten politisch im Sinne, denen eins auswischen zu wollen...
Ich würde übereinstimmen, dass ein Verzicht auf den (frühen) Kauf durchaus eine "politische Entscheidung" zu einem gewissen Grad ist, aber geht es dabei doch eigentlich nicht wirklich darum, "denen eins auszuwischen".
Vielmehr geht es doch darum, als Kunde für seine Interessen einzutreten.
Man kann die ganzen Preiserhöhungen der letzten Jahre einfach durchwinken, weil man selber immer noch in einer Situation ist, in der man sagen kann, dass das zwar alles ärgerlich ist, man es sich aber immer noch leisten kann und es für einen selber ja relativ egal ist, ob Märkte wie Brasilien, Argentinien oder die Türkei hier rausgepreist werden.
Das ist aber eine ziemlich kurzsichtige Betrachtung der Dinge, denn indem man die Preissteigerungen einfach so schluckt, signalisiert man den Unternehmen eben auch, dass es okay ist, was sie da machen. Und das wird ganz sicher nicht damit enden, dass sie damit plötzlich aufhören, weil sie genug haben. Denn bekanntermaßen gilt grade bei den Aktienunternehmen, dass die Linie immer nach oben zeigen muss. Und wenn diese Preissteigerungen jetzt in naher Zukunft dazu führen, dass die Gewinne bei Nintendo größer werden, resultiert das nur darin, dass die Gewinne von Nintendo ferner Zukunft noch größer werden müssen, damit die Linie weiter nach oben zeigt.
Und wenn sie den Markt schon nicht wachsen lassen können, weil die Preiserhöhungen immer mehr bisherige Käufergruppen ganz oder teilweise (indem sie z.B. immer noch Spiele kaufen, aber weniger Spiele kaufen) vom Markt ausschließen, endet das darin, dass die verbliebenen Käufergruppen immer stärker geschröpft werden müssen, damit bei stagnierenden oder rückläufigen Verkaufszahlen immer noch die gleichen bzw. höhere Gewinne erzielt werden können.
Und da wird irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem man selber auch plötzlich zu der Gruppe gehört, die sich in Bezug auf Spiele- oder Hardwarekäufe entweder einschränken oder ganz verzichten muss.
Nehmen wir doch einfach mal Mario Kart als Beispiel. Das neue Mario Kart ist 50% teurer als der direkte Vorgänger. Wenn sich das neue MK weiterhin prima verkauft, sendet der Markt das Signal, dass die Preissteigerung akzeptabel ist. Und das wird die Entscheider bei Nintendo dazu motivieren, beim nächsten Mario Kart oder beim Mario Kart der nächsten Generation die Preise ebenfalls zu wiederholen. Und wenn eine Preissteigerung von 50%, die wir so vorher noch nicht erlebt haben, einfach mal so akzeptiert wird, was hält Nintendo davon ab, den Preis beim nächsten Mal ebenso stark zu erhöhen? Und dann möchte ich gerne mal sehen, wieviele Leute, die ein 90€-Mario Kart noch akzeptabel fanden, auch ein 135€-Mario Kart noch akzeptabel finden.
Den Entscheidern in den Unternehmen ist das alles relativ egal. Die werden vielleicht erstmal damit kämpfen müssen, dass der Spielemarkt stagniert oder schrumpft. Und so manches Unternehmen mag auf diesem Weg sogar ganz vor die Hunde gehen. Aber die verbliebenen Unternehmen werden sich anpassen. Und sollte es irgendwann drauf hinauslaufen, dass Gaming nur noch eine extreme Luxusaktivität ist, bei der sich eine sehr kleine, elitäre Gruppe, die sich das aber leisten kann, von sehr, sehr teuren Spielen unterhalten lässt, wird es den Unternehmen auch egal sein, solange sie immer noch üppige Gewinne damit einfahren.
Das ist jetzt ein Extrembeispiel, das so sicher nicht eintreten, aber man muss sich den Weg dahin einfach nur mal ausmalen. Denn je mehr Leute aus dem Hobby rausgepreist werden, desto mehr werden auch die Leute, die sich das immer noch leisten können, darunter "leiden".
Denn je kleiner der Markt wird, desto weniger Spiele werden auch gebraucht. Das wird dann nicht nur darin resultieren, dass jede Menge Leute entlassen werden, sondern auch dass die Vielfalt leidet. Gewisse Arten von Spielen, gewisse Genres werden einfach aussterben, weil einfach nicht mehr genug breite Masse da ist, um diese Arten von Spielen überhaupt zu unterstützen.
Und allgemein wird auch die Qualität immer weiter sinken. Denn wie die letzten Jahre gezeigt haben, werden vor allem 2 Arten von Entwicklern entlassen: Die, die grade erst eingestiegen sind und daher am einfachsten entlassen werden können. Und diejenigen, die am längsten dabei sind, weil diese durch Gehälter und andere Leistungen am meisten Kosten verursachen. Und hier entstehen dann Brain Drain und der Verlust von institutionellem Wissen. Die Leute mit viel Berufserfahrung, die die ganzen Erfahrungen in die Entwicklung der Spiele mit einbringen können, die Wissen über Lore der Spielewelten haben, die die besten Kenntnisse über Engines, Produktion, künstlerisches Design haben, werden ersetzt durch Leute, die zwar keine kompletten Neueinsteiger sind, aber dennoch in vielen Bereichen un- oder nur mäßig erfahren sind, was zwangweise darin resultiert, dass die Resultate schlechter werden.
Das wird zwar jetzt schon versucht dadurch zu kompensieren, dass man von spezialisierten Engines und Prozessen auf so Allzweck-Lösungen wie Unreal Engine umsteigt. Aber da sich immer weniger Entwickler tief in die Engine-Entwicklung einarbeiten oder gar hochspezialisierte Engines entwickeln müssen, sehen wir auch immer häufiger Spiele, die teilweise in einem erschreckenden Zustand erscheinen. Weil eben das institutionelle Wissen, das solche Fehler verhinden oder verringern kann, durch Entlassungen immer weiter abgebaut wurde.
Und deshalb ist es auch für uns Kunden so wichtig, dass wir nicht jede Preissteigerung durchwinken, selbst wenn wir sie uns zähneknirschend immer noch leisten können. Denn es geht nicht nur um unseren Geldbeutel, sondern auch um die Qualität und Vielfalt dessen, was wir zukünftig kaufen werden können.
Ein günstiger Zugang zu dem Hobby ermöglicht einen größeren Absatzmarkt, der wiederum eine größere Anzahl und eine größere Vielfalt an Spielerfahrungen unterstützen kann, was wiederum für uns bedeutet, dass wir nicht nur weniger (oder zumindest weniger "mehr") zahlen müssen, sondern potenziell auch mehr Auswahl und Quaität geboten bekommen.
Und in einem funktionierenden Markt ist das genau die Rolle, die wir als Käufer einnehmen müssen, weil die Verkäufer exakt die gegenläufigen Ziele haben. Für die ist nämlich eine Monopol-Stellung, in der sie nur die geringstmöglichen Einsatz für den höchstmöglichen Ertrag erbringen müssen, die absolute Idealvorstellung. Deshalb schießen wir uns als Kunden/Käufer/Konsumenten langfristig nur selber ins Knie, wenn wir die Werkzeuge, die uns der Markt zur Verfügung stellt, leichtfertig aus der Hand geben. Und unser wichtigstes Werkzeug ist eben unser Geldbeutel, über den wir sehr viel Einfluss ausüben können. Nicht unbedingt als Individuum, aber eben schon als eine Gruppe, die sich einig ist und das gleiche Ziel hat.
Dass man "denen eins auswischt" ist letztlich nur ein Nebenprodukt einer starken Konsumentenhaltung, die vor allem die eigenen Interessen im Sinn hat. Was übrigens in einem funktionierenden Markt aus Angebot und Nachfrage auch für die Gegenseite gilt, weshalb es eben so wichtig ist, dass letztlich eine Übereinkunft gefunden wird, mit der beide Seiten leben können, aber idealerweise auch keine der beiden Seiten übervorteilt wird, da das ganze System dann aus den Fugen gerät.