Doom: The Dark Ages kann das Niveau des Vorgängers halten, ihn stellenwesie sogar übertreffen, wirkt gelegentlich aber etwas unausgegoren.
Die Spielbarkeit und das Spielgefühl bleiben unübertroffen; id zeigen hier wieder eindrucksvoll, dass sie in ihrer eigenen Liga spielen.
Der Doom Slayer fühlt sich an wie eine Mischung aus Panzer und Hochgeschwindigkeitszug; eine Kampfmaschine die nach jedem Sprung ein Erdbeben erzeugt. Die Kämpfe fühlen sich noch brachialer und druckvoller an; TDA fällt zwar weniger komplex und fordernd aus als
Eternal - statt "Battle Chess" auf Crack gibt es Blutrausch im Berserker-Modus -, aber der Flow ist ähnlich erfüllend und suchterzeugend.
Wer den Vorgänger zu verkopft und hektisch fand, wird sich hier wahrscheinlich wohler fühlen.
Es wird auch deutlich weniger gehüpft, was ich zwar etwas schade fand, aber zum Glück hat man diesen Aspekt nicht komplett gestrichen.
Die Inszenierung ist stimmungsvoll, die Musik gelungen und die abwechslungsreichen Landschaften sehen besser denn je aus; das Studio hat meiner Meinung nach noch nie eine glaubhaftere und immersivere Welt kreiert. Tatsächlich habe ich zum ersten Mal in einem Doom-Spiel Screenschots gemacht.

Das Level-Layout weiß ebenfalls zu gefallen. Die linearen, kleinen und mittelgroßen Level sind so gut designt wie in den Vorgängern, bieten Erkundungsanreize und werden nicht langweilig. Die weitläufigeren Areale konnten mich aber nicht durchweg überzeugen - sie fühlen sich etwas zu ähnlich an. Klar, es sollen keine klassischen Shooter-Arenas sein, sondern (passend zum Setting) Schlachtfelder, auf denen die Dämonen Gefechtsformationen einnehmen. Aber etwas mehr Abwechslung in diesem Bereich hätte ich mir schon gewünscht. In Anbetracht der vielen Level und der relativ langen Spielzeit ist das aber verschmerzbar.
Von der Story hatte ich mir nach den ersten Spielstunden etwas mehr versprochen. Zu Beginn bekommt man noch einen simplen aber kurzweiligen Sci-Fi-Schinken à la
Star Wars geboten und das Pacing ist gut, aber ab der Mitte wird die Geschichte überraschend zurückgefahren und mehrere Level lang tut sich eigentlich gar nichts, bevor es dann im letzten Viertel vorhersehbar und cheesy weitergeht.
Ist jetzt kein Dealbreaker, zumal das Spiel in den Story-armen Segmenten immer wieder inszenatorische Hype-Momente und sogar ein paar Lacher liefert, aber der Mittelteil wirkt erzählerisch auffällig leer und einfallslos.
Ganz im Gegensatz zu den Einstellungsmöglichkeiten; hier lässt das Spiel dann wieder keine Wünsche offen.
Besonders hervorheben möchte ich die zusätzlichen Difficulty-Settings, mit denen man unabhängig des gewählten Schwierigkeitsgrads gesonderte Werte für bestimmte Spielelemente wie gegnerische Geschossgeschwindigkeit und Parry-Zeitfenster einstellen kann. Man kann sogar die Spielgeschwindigkeit einstellen. Wer also wieder mehr vom taktischen Chaos eines
Eternal haben will, kann das entsprechend einstellen.

Das ist auch deswegen gut, weil das Spiel alles in allem leichter ausfällt als sein Vorgänger.
Doom: The Dark Ages ist trotz der (wieder mal) anderen Ausrichtung ein erstklassiges Action-Spiel geworden; das ist Handwerkskunst auf allerhöchstem Niveau.
Nicht jede Veränderung mag vollkommen aufgehen, aber ich bin dankbar dafür, dass sich id Software nicht einfach auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern den Klassiker unter der Regie von Hugo Martin mit jedem Spiel neu denken ... und dabei jedes Mal ein höllisch guter Titel herauskommt.
