Heute geht’s weiter mit der nächsten verspäteten Review. Mein kleiner Nostalgietrip durch einige der ikonischsten Spielereihen aller Zeiten führte mich diesmal zu
Bioshock 2 Remastered.
Zwischen der
Bioshock-Reihe und mir war es keine Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte zwar zu PS3-Zeiten den ersten Teil gespielt, Teil 2 aber damals ausgelassen. So richtig „gefunkt“ hat es erst mit
Bioshock Infinite, das mich damals völlig begeistert hat. Seitdem habe ich über die Jahre immer wieder mit wachsender Faszination verschiedene Versionen von Teil 1 und Infinite gespielt – ich kenne in beiden Spielen inzwischen wahrscheinlich jeden Stein. Heute würde ich sagen: Die Reihe gehört zu meinen
absoluten Favoriten. Nur
Bioshock 2 hatte ich nie angerührt. Warum eigentlich..?
So genau kann ich das gar nicht sagen. Das Word-of-Mouth war damals eher verhalten, der (damals typische) unnötig angeflanschte Multiplayer hat mich abgeschreckt… Vielleicht hatte ich auch einfach Angst, dass Teil 2 mir den ersten irgendwie „madig macht“. Wie dem auch sei – jetzt habe ich es endlich nachgeholt.
Vorab: super-einfaches Spiel – selbst auf „Hard“. Ich war etwas erstaunt, da Teil 1 auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad durchaus fordernde Passagen hatte. Bioshock 2 hingegen lässt sich locker an zwei Abenden durchspielen.
Und wow – da habe ich wirklich etwas verpasst. Was sofort positiv auffällt, ist die klare Weiterentwicklung im Gameplay: Das gleichzeitige Nutzen von Waffen und Plasmiden, das überarbeitete Hacking-System (das „Pipemania“-Minispiel aus Teil 1 war die ersten paar Male ganz nett, danach eher nervig…) und die insgesamt dynamischeren Kämpfe sorgen für ein deutlich flüssigeres und runderes Spielgefühl.
Besonders beeindruckt hat mich aber die überraschend intime, emotionale Erzählweise. Während Teil 1 vor allem durch seinen ikonischen Twist und den philosophischen Unterbau glänzt, geht Bioshock 2 einen persönlicheren Weg. Man ist nicht einfach ein stummer Protagonist, sondern eine Vaterfigur – mit Vergangenheit, Bindung und einem Ziel, das weit über das bloße Überleben hinausgeht. Die Beziehung zu den Little Sisters – und insbesondere zu Eleanor Lamb – bildet das emotionale Zentrum des Spiels. Ein besonders starker Moment ist der Perspektivwechsel, bei dem man die Welt für kurze Zeit durch die Augen einer Little Sister erlebt. Rapture erscheint in dieser Szene fast märchenhaft – ein starker Kontrast, der die Tragik der Welt und ihrer Bewohner umso eindrücklicher macht.
Auch Nebenhandlungen wie die Geschichte von Mark Meltzer – einem Vater, der seine entführte Tochter sucht – sind wie auch schon in Teil 1 hervorragend erzählt, sofern man sich beim Spielen die Zeit nimmt, sie zu entdecken.
Die Antagonistin Sofia Lamb hat mich hingegen nicht ganz überzeugt. Zwar ist der ideologische Kontrast zu Andrew Ryan (Kollektivismus vs. Individualismus) durchaus spannend und clever gedacht, aber als Figur bleibt sie über weite Strecken blass. Ihre Motivation wirkt stellenweise konstruiert und nicht immer nachvollziehbar.
Am Ende bleibt für mich ein emotionales, atmosphärisch dichtes Erlebnis, das völlig zu Unrecht im Schatten des ersten Teils steht. Bioshock 2 ist ein würdiger Nachfolger – ein Spiel, das Herz, Verstand und spielerische Finesse vereint. Und eines, das mich nachhaltig beeindruckt hat.
… Und morgen geht es dann weiter mit „Minerva’s Den“
