Manchmal hilft es auch, sich einfach mal ein bisschen breiter zu informieren.
Apple z.B. hat vor nicht allzu langer Zeit grade erst einen Abo-Dienst für Spiele ins Leben gerufen, damit "Premium"-Spiele, die nicht Free2Play sind, auf der Plattform eine bessere Chance haben. Also wollen sie mit "ihrem Game Pass" genau dem entgegenwirken, was Du jetzt als Problem für den Game Pass ausmachst.
Letztlich kommt es vor allem auf die Kunden an. Auf Mobilgeräten hatten Bezahlspiele schon immer schlechte Chancen, weil die Kundschaft von Anfang an klar signalisiert hat, dass sie in der großen Masse nicht bereit ist, für Spiele/Inhalte Geld auf den Tisch zu legen. Dadurch ist der Free2Play-Markt auf Mobilgeräten erst entstanden. Letztlich haben es die Kunden den Entwickler so leicht gemacht, immer aggressive Monetarisierungsmodelle zu erfinden, weil das Grundprinzip auf den Mobilgeräen halt funktioniert.
Das ist letztlich die gleiche Nummer wie mit den DLCs/Inhaltsupdates auf Konsolen: Wenn die Kunden nicht zahlen wollen, aber gleichzeitig mehr Inhalte wollen, sucht man sich alternative Monetarisierungsoptionen, die für den einzelnen Kunden, der darauf zurückgreift, immer teurer werden, weil die Minderheit, die zahlt, eben alle anderen, die nicht zahlen, ausgleichen muss.
Der Lesezirkel (kennt wahrscheinlich jeder, weil die Zeitschriften bei vielen Ärzten ausliegen) ist so ein Beispiel. Aus verlegerischer Sicht, ergibt der Lesezirkel erstmal wenig Sinn, da man dort diverse Zeitschriften-Abos zu einem Preis erhält, der deutlich unter denen von Einzel-Abos liegt. Aber es gibt nunmal eine Kundschaft, denen mehrere Einzel-Abos einfach zu teuer sind und die normalerweise gar keine Kunden wären. Diese erreicht man über den Lesezirkel aber trotzdem. Und ähnlich wie bei Spielen, die sich heutzutage auch über Zusatzleistungen (DLCs, MTX...) finanzieren, ergeben sich hier auch zusätzliche Einnahmequellen abseits des Lesezirkel-Abos. Einerseits kann man es so schaffen, Kunden doch von einem Einzel-Abo zu überzeugen (so wie man bei Game Pass-Spielen Leute dazu bringen kann, dass sie sie dauerhaft besitzen wollen), andererseits schaffen die Lesezirkel-Exemplare ähnlich wie Bordexemplare oder verbilligte Studenten-Abos aber auch zusätzlich Reichweite, die man an Werbetreibende vermarkten kann. Das ist quasi das Gegenstück zu DLCs und MTX. Insofern generiert man mit Kunden, denen der Basispreis zu hoch ist, zusätzliche Einnahmen.
Und Abo-Modelle könnten durchaus eines der Werkzeuge sein, die eine Alternative zu MTX darstellen, weil sie eben eine kalkulierbare, stetige Einnahmequelle bieten können. Zudem bieten sie eben auch die Chance, dass kleinere, riskantere oder nischigere Projekte durch die Attraktivität, die große Blockbuster in den Abo-Diensten erzielen, querfinanziert werden können.
Und dafür gibt es durchaus einige Vorbilder, die bewiesen haben, dass das funktionieren kann. Viele Verlage haben sich vor allem in den Hoch-Zeiten von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern Prestige-Objekte geleistet, die nicht sonderlich hohe Auflagen erzielt haben, aber für das Image des Verlages gut sind oder sich um Hobbies der Verleger gekümmert haben. Ein Hochglanz-Angel-Magazin z.B. bedient nur eine Nische und ist trotz eines hohen Heftpreises möglicherweise nicht sonderlich profitabel. Aber wenn man halt nebenbei noch ein auflagenstarkes Magazin oder eine auflagenstarke Zeitung hat, kann man solche Projekte querfinanzieren. Genauso können verkaufsstarke Roman-Hits Fachbücher aus der Nische oder Werke neuer, noch unbekannter Autoren querfinanzieren.
Letztlich braucht man zum langfristigen Erfolg ein gemischtes Portfolio, das nicht nur aus einer Art Produkt besteht, weil es immer wieder passiert, dass komplette Märkte innerhalb kurzer Zeit komplett wegbrechen. Die Musikspiele mit Plastikinstrumenten sind da ein gutes Beispiel. Das war ein absoluter Hit-Markt, der dann innerhalb von 1-2 Jahren komplett an Relevanz verloren hat. Insofern würde ich als Aktionär bei Activision Blizzard auch mit Sorge betrachten, dass mittlerweile fast alle Studios auf der Activision-Seite an Call Of Duty arbeiten. Bricht der Markt für Militär-Shooter mal zusammen, hat Activision ein echtes Problem. Von daher würde ich in der Rolle als Investor, der auch was zu sagen hat, durchaus darauf drängen, dass man den Weg mit Alternativprodukten wie Crash Bandicoot und Tony Hawk, die ja für ihre Verhältnisse durchaus erfolgreich waren, weitergeht, um zumindest noch weitere Standbeine zu haben.
Von daher schadet es halt wirklich nicht, manchmal auch über den Tellerrrand zu schauen, um sich anzusehen, wie andere Branchen so agieren. Auch als Kunde kann man da einiges lernen und vorschnelle Urteile vermeiden. Mag sein, dass es der Game Pass am Ende für uns Kunden eher negativ ist, aber es gibt halt auch etablierte Geschäftsmodelle, die genau das Gegenteil beweisen.
Aber abseits finde ich es schon interessant, dass der Game Pass vor ein paar Wochen noch ein total tolles Angebot für Dich war und Du bei einigen Spielen sogar nachgefragt hattest, ob und wann die in den Game Pass kommen, weil das "Einmal bezahlen, fertig"-Modell für Dich in diesen Fällen anscheinend nicht interessant genug war, der Game Pass jetzt aber plötzlich der Teufel ist, der die ganze Spieleindustrie zerstören wird.
Entweder ist der ganze Thread hier nur Trollerei, um Konsolenkriegsdiskussionen anzufachen, oder Du solltest so langsam mal mit Dir selbst ins Reine kommen und Dich für EINE Richtung entscheiden, die für Dich die richtige ist. Denn dieses ewige Fähnlein heute mal in diesen Wind, morgen mal in jenen Wind zu hängen, wird so langsam echt anstrengend.