Mouse: P.I. for Hire
Ich würde MOUSE PI wirklich gerne mögen. Allein die Optik ist großartig: Dieser konsequente Schwarz-Weiß-Cartoon-Stil, angelehnt an die Mickey-Mouse-Ästhetik der 30er, ist extrem eigenständig und hat zusammen mit der hervorragenden Musik schon ordentlich Charme.
Leider kollidiert genau diese ästhetische Entscheidung für mich an mehreren Stellen mit dem eigentlichen Gameplay, insbesondere mit der Lesbarkeit. Vor allem beim Gunplay fehlt mir schlicht das Feedback. Wenn ich auf einen Gegner schieße, fühlt sich der Treffer einfach nicht besonders wuchtig an. Die Gegner zucken teilweise nur kurz und fallen anschließend immer auf dieselbe, gezeichnete, recht langsame Art um. Der genaue Moment ihres Ablebens ist daher schwer wahrzunehmen. Das klingt nach einem kleinen Detail, hat mich aber tatsächlich massiv gestört: Ich musste bei manchen Gegnertypen irgendwann auswendig lernen, wie viele Schüsse sie brauchen, weil ich sonst nie sicher auf einen Blick ablesen konnte, ob sie jetzt wirklich tot sind. Also habe ich meine Schüsse abgezählt, um keine Munition verschwenden: 1, 2, 3 - okay, nächster Gegner. So etwas hatte ich tatsächlich noch nie.
Dadurch leidet für mich das gesamte Gunplay. Dazu kommt, dass auch die Angriffe der Gegner und Bosse teilweise nicht sauber genug telegraphiert werden. Mehrmals wusste ich schlicht nicht, welcher Angriff mich gerade getroffen hat oder woher irgendwelche Effekte wie Gift oder Feuer überhaupt kamen. Gerade in einem Shooter ist das natürlich problematisch, weil gutes visuelles Feedback eigentlich die Grundlage dafür ist, auf Angriffe zu reagieren.
Auch das Encounterdesign selbst ist sehr retro - und zwar teilweise im positiven, teilweise im negativen Sinne. Die KI wirkt tatsächlich wie aus den 90ern. Gegner verhalten sich sehr eindimensional, wodurch unterschiedliche Gegnerzusammenstellungen am Ende oft gar keine so unterschiedlichen Situationen erzeugen. Meistens hat man ein paar Nahkämpfer, die auf einen zustürmen, dazu Schildträger und einige Fernkämpfer.
Die Kämpfe laufen deshalb bei mir auch sehr häufig nach demselben Muster ab: rückwärts laufen, Distanz halten und dabei mit der stärksten Waffe auf die Gegner schießen. Das gibt es natürlich auch in anderen Shootern, aber MOUSE PI setzt für meinen Geschmack zu stark darauf. Dazu kommen die klassischen Kampfarenen mit mehreren Gegnerwellen, bei denen Gegner teilweise einfach aus Türen auftauchen, die gleichzeitig als Levelbegrenzung dienen. Dadurch kann man Situationen schlecht antizipieren und wird relativ häufig plötzlich von hinten oder von der Seite angegriffen.
Als Boomer-Shooter funktioniert das für mich deshalb nur bedingt. Ich weiß auch, dass ein Teil dieser Limitationen ganz bewusst zum Retro-Charme gehören. Das kann ich nachvollziehen - mich stört es trotzdem. Vielleicht ist es also tatsächlich einfach das Genre, das mir nicht mehr liegt.
Und trotzdem hat MOUSE PI einige Dinge, die mir wirklich gefallen haben. Das Leveldesign finde ich überraschend gut, gerade die Erkundung hat mir Spaß gemacht. Im späteren Spielverlauf kommen außerdem einige interessante neue Fähigkeiten und Movement-Optionen hinzu, wodurch das Spiel zunehmend vertikaler wird und sogar etwas Platforming bekommt. Das wertet das Gameplay für mich spürbar auf. Auch die Detektivarbeit ist zumindest ganz nett.
Dazu kommt eine erstaunlich große Waffenvielfalt. Wirklich relevant wird die allerdings nur bedingt, weil es eigentlich kaum Munitionsknappheit gibt, wodurch ich fast immer mit meiner Lieblingswaffe herumgelaufen bin. Ich hätte mir hier etwas mehr Druck gewünscht, damit die Waffen tatsächlich unterschiedliche taktische Rollen bekommen.
Das Spiel ist insgesamt außerdem eher zu leicht. Es gibt viel zu viele Heilitems, das Schlösserknacken-Minispiel ist lächerlich einfach. Man kann darüber hinaus jeder Zeit per Knopfdruck den Weg zum nächsten Missionsziel angezeigt bekommen (Die Wolverine-Diskussion lässt grüßen).
An die simplen, eindimensionalen Kämpfe habe ich mich im späteren Verlauf aber tatsächlich ein bisschen gewöhnt, das Abzählen meiner Schüsse irgednwann eingestellt - und irgendwann hatte ich auch eine Waffe gefunden, mit der mir die Kämpfe zumindest ein wenig Spaß gemacht haben.
Auch die Dialoge und die Inszenierung sind nicht schlecht. Es gibt ziemlich viel Gequatsche, das hervorragend vertont und vermutlich auch gut geschrieben ist. Mich persönlich hat davon allerdings nur relativ wenig interessiert. Das ist dann wieder so eine Geschmackssache.
Leider hatte ich darüber hinaus einige Bugs: Teilweise liefen Quests nicht weiter oder bestimmte Fotos, die man aufnehmen musste, haben nicht korrekt getriggert. Das Problem dabei war insbesondere, dass ich zunächst gar nicht wusste, dass überhaupt ein Fehler vorlag und deshalb erst einmal dachte, ich hätte irgendetwas übersehen.
Das klingt jetzt alles extrem negativ - und trotzdem bin ich im späteren Spielverlauf durchaus noch reingekommen und habe das Spiel am Ende sogar in einem Rutsch durchgespielt. Ganz so furchtbar, wie ich es im anderen Thread nach ein paar Stunden bezeichnet hatte, war es also definitiv nicht. Ich denke, Fans dieser Art von Boomer-Shooter werden mit MOUSE PI wahrscheinlich deutlich mehr anfangen können als ich. Ich habe das Genre schon sehr lange nicht mehr gespielt und nehme aus meiner Erfahrung mit dem Spiel vor allem mit, dass diese Art von Shooter einfach nicht mehr wirklich mein Ding ist.
Und das tut mir bei einem so charmanten Indie-Spiel fast ein bisschen leid. Denn ich sehe durchaus, was andere daran mögen können: großartige Musik, eine wirklich einzigartige Ästhetik, gutes Leveldesign, viel Waffen- und später auch Movement-Vielfalt. Ich persönlich kann es trotzdem nicht so sehr wertschätzen, wie ich es eigentlich gerne würde.
5 bis 6/10