Hier stellt sich halt wirklich die Kernfrage: Wie sehr RPG-Liebhaber bist Du?
Danke erst mal für die ausführliche Antwort!
Früher hätte ich Dir gesagt, dass RPGs mit Abstand mein bevorzugtes Genre sind. Das hat sich mittlerweile zumindest insofern geändert, als dass ich nun auch andere Genres gerne spiele.
Bei modernen RPGs sehe ich für mich ganz einfach das Problem, dass ich mit der Entwicklung, die dieses Genre scheinbar mehrheitlich genommen hat, nicht einverstanden bin. Ich will weder einen höheren Actionanteil, noch möchte ich einen Rückgang bei der Spieltiefe. Ganz im Gegenteil: früher habe ich immer gehofft, dass mit leistungsstarken Komponenten zwangsläufig auch die Komplexität zunimmt, aktuell scheint aber das Gegenteil einzutreten.
Und ja, du hast recht, ich habe in den letzten 5 Jahren viel verpasst. RPGs machen mir einfach nicht mehr so viel Spass wie früher. Das ist aber eine Entwicklung, die nicht erst in den letzten 5 Jahren eingetreten ist.
Von der Komplexität eines Ultima VII, von der Stimmung eines Dungeon Master, von der fesselnden Story eines System Shock, von der Spieltiefe eines Baldurs Gate, von der bedrückenden und aussichtslosen Atmosphäre eines Underworld II sind m.E. alle modernen RPGs meilenweit entfernt. Ab und zu gibt es mal Titel, die mich mitreißen (Fallout 3, Mass Effect), auf die Stufe der alten Klassiker würde ich die - auch bei aller nostalgischen Verklärtheit - trotzdem nicht heben.
Gothic I & II kam an dieses alte Spielgefühl noch am ehesten dran, weil Piranha Bytes es geschafft hat, eine komplexe und glaubwürdige Welt zu simulieren. Risen mag das ebenso können, das Piratensetting - ob nun karibisch oder mediterran - stößt mich aber zu sehr ab.
Sich in ein RPG richtig einzuarbeiten? Gerne! Aber dann muss es auch wert sein, dass ich diese Zeit investiere. Eine komplexe Hintergrundgeschichte der Welt, Dutzende von Zaubersprüchen, deren Bedeutung man im besten Fall noch selber herausfinden muss, vielleicht ein eigenes Alphabet, Dungeons, bei denen man wieder das Karopapier zur Hand nehmen muss, Rätsel, die sich nicht auf das Verschieben von Kisten oder das Ziehen von Hebeln beschränken, unzählige potentielle Partymember mit eigener Geschichte, Religion, Vorlieben, Antipathien, mehrere Berufe, Interaktionsmöglichkeiten mit den meisten Gegenständen, realistische Tagesabläufe der NPCs, keine zufallsgenerierten Dungeons, Monster, die auch wirklich Schrecken verbreiten... GERNE!