Frage : wo ist euer Problem ? Ist es nicht "normal" mehr Geld zu verlangen für mehr Arbeit ? Sony hatte doch kommuniziert das Spiele aus dem Hause Sony für die PS5 mehr kostet als für die PS4 !!
Das mit der Mehrarbeit müsste erstmal belegt werden. Wenn man ein bereits erschienenes Spiel auf eine neue Plattform portiert, entsteht dabei natürlich Mehrarbeit, aber diese beiden Versionen des gleichen Spiels werden derzeit gleichzeitig entwickelt, was es relativ schwierig macht, zu bestimmen, welche Version jetzt tatsächlich mehr Arbeit macht.
Ist es die PS5-Version, weil man die mit besseren Features aufblasen muss? Oder ist es nicht eher die PS4-Version, bei der man viel stärker optmieren muss, damit sie auf der alten Hardware läuft.
Wenn man Sony glauben darf (
"While these three games were designed to take advantage of PS5 and its unique next-gen features like the ultra-high-speed SSD and DualSense controller, PS4 owners will also be able to enjoy these experiences when they launch.") ist Forbidden West für die PS5 designed, kann aber auch auf der PS4 gespielt werden. Das bedeutet im Umkehrschluß, dass es letztlich die PS4-Version ist, die mehr Arbeit produziert, weil man Features zurückbauen muss, damit das Spiel auch auf der PS4 laufen wird. Müsste dann also nicht eigentlich die PS4-Version teurer sein als die PS5-Version?
Und das Argument mit der Mehrarbeit wird halt auch um einiges schwächer, wenn man Sonys eigene Historie betrachtet. Natürlich gibt es da Sachen wie die Uncharted Collection oder TLOU Remastered, die für die PS4 umgesetzt wurden und für die weit mehr verlangt wurde als für die Deluxe Edition von Forbidden West. Aber es gibt halt auch andere Beispiel wie Sound Shapes, Flower oder Journey, die auf die PS4 umgesetzt wurden, nachdem sie bereits auf zwei Plattformen, die sowohl untereinander als auch von der PS4 von der Prozessor- und Speicherarchitektur sehr stark unterschieden haben (und das waren auch weit größere Unterschiede als zwischen PS4 und PS5), die vollständig Cross-Buy waren. Und das heisst, dass man diese Spiele nicht nur für 2 Plattformen, sondern sogar für 3 Plattformen zu einem Preis bekommen hat, der durch neue Portierungen auch nicht gestiegen ist. Zu dem Zeitpunkt war es Sony anscheinend ziemlich egal, ob die Portierungen Mehrarbeit erzeugt haben, da man für die PS4-Versionen nicht nochmal Geld verlangt hat, obwohl die PS4-Versionen deutlich nach den anderen beiden Versionen kamen.
Und die PC-Version von Zero Dawn war, obwohl sie ebenfalls Mehrarbeit erzeugt hat, jetzt auch nicht teurer als die PS4-Version zu einem vergleichbaren Zeitpunkt. Letztlich war sie sogar günstiger, weil Sony sich bewusst war, dass man auf dem PC mit Konsolenspielepreisen keinen Blumentopf gewinnen kann.
Ebenso muss man die Frage stellen, warum andere Entwickler in der Lage sind, ihre Spiele über Jahre hinweg mit Feature-Updates zu versehen, ohne einen einzigen Cent dafür zu verlangen. Klar, einige Entwickler refinanzieren das über DLC und Miktrotransaktionen, aber es gibt eben auch Fälle wie No Man's Sky, das seit 5(!) Jahren riesige Updates und sogar ein Next-Gen-Upgrade bekommt, ohne das zusätzlich zu monetarisieren.
Müsste dieses Studio nicht längst vollkommen pleite sein? Wenn man der normalen "Mehrarbeit kostet Geld und das muss der Kunde zahlen"-Argumentation folgt, müsste dies tatsächlich der Fall sein. Aber diese Argumentation lässt halt vollkommen außer acht, dass diese kostenlose Updates und Upgrades jedesmal für positive Schlagzeilen sorgt, die wiederum die Verkäufe wieder ankurbeln, weil mehr Spieler auf das Spiel und den vorbildlichen Support aufmerksam werden. Genau diesen Mechanismus nutzen derzeit viele Entwickler und Publisher, indem sie kostenlose New-Gen-Upgrades anbieten. Es ist gibt also durchaus Alternativen zu kostenpflichtigen Upgrades oder "Dual Entitlements", die man nur durch teurere Deluxe- oder Kombi-Versionen erhält.
Ich finde schon, dass auch unsere Aufgabe als mündige Kunden ist, die Argumente der Spieleindustrie nicht einfach zu schlucken und wiederzukäuen, sondern sie auch aktiv zu hinterfragen. Geschickte Geschäftsleute werden IMMER irgendein Argument finden, warum irgendwas entweder teurer werden oder zum gleichen Preis weniger Gegenwert bieten muss. Aber wenn man sich dem einfach hingibt, ohne die Marktsituation oder Alternativen zu recherchieren und Gegenargumente zu liefern, wird es am Ende nur ein Weg geben. Nämlich: Immer mehr (Geld) für immer weniger (Gegenwert).
Und wo genau jetzt das Problem ist? Ein Verkäufer wie Sony ist auf Gewinnmaximierung aus, in dem sie zu den möglichst geringsten Kosten produzieren und den höchstmöglichen Preisen verkaufen wollen. Ich als Kunde wiederum habe genau das gegenteilige Ansinnen. Ich möchte den höchstmöglichen Gegenwert für den geringsten Preis wie möglich erhalten. Idealerweise trifft man sich dann irgendwo in der Mitte und erreicht einen Punkt, an dem beide Seiten einigermaßen zufrieden sind. Jedoch sind Videospiele halt eine wesentlich emotionalere Angelegenheit als z.B. ein Haushaltsgerät oder ein Alltagshilfsmittel, weshalb dieses Verhältnis schon mal grundsätzlich eher zugunsten der Publisher und Entwickler ausfällt, weil die halt ihre Marken oder Charaktere, die die Kunden gerne wiedersehen würden, hinter ihrem Geschäftsgebahren in Geiselhaft nehmen können. Und wenn wir als Kunden nicht langfristig komplett überteilt werden wollen, müssen wir halt auch drauf achten, dass wir nicht jedes noch so fadenscheinige Argument einfach hinnehmen und nicht hinterfragen, nur um unsere Lieblingsmarken- oder charaktere wiedersehen zu können.
PS: Und ja, ich bin mir bewusst, dass Sony hier nicht das einige Unternehmen ist, dass Cross-Gen so handhabt. Bis auf die Sony-spezifischen Punkte kann man Sony hier auch durch EA, Activision, THQ Nordic oder Nacon ersetzen. Ist letztlich in fast allen genannten Fällen die gleiche Schiene.