Wie ist es denn jetzt was die open world angeht? Eher alles vollgepackt wie die üblichen AC oder eher etwas zurückgenommen wie bei Outlaws zuletzt?
Die Beschäftigungstherapie wurde drastisch zurückgefahren. In
Valhalla und
Odyssey hat man noch alle 5 Meter Materialien gesammelt, Tiere gejagt oder Dörfler beklaut - in
Shadows tut man nichts davon: Ressourcen liegen nicht einfach so in der Gegend rum, Tiere greifen nicht an und können nicht getötet werden, und in den Hütten gibt es nichts zu stehlen. Dadurch entsteht ein deutlich anderer Spielfluss, der die Welt "atmen lässt".
Man kann auch nicht mehr überall raufklettern. So können zum Beispiel Berge nicht mehr auf magische Weise erklommen werden, die Heldin rutscht nämlich beim Versuch ab. Dadurch entsteht besonders in den ersten Spielstunden ein lineareres Spielerlebnis, welches nebenbei recht gut inszeniert ist, denn auf den Wegen zu den nächsten Hauptmissionen sind Meditationsorte platziert, die sich als spielbare Flashbacks entpuppen, in denen man mehr über die Vorgeschichte der Protagonistin erfährt. (Man kann sie natürlich auch ignorieren und später aufsuchen.)
Die Welt von
Shadows fühlt sich realistischer und nachvollziehbarer an, sie weist - entgegen dem Trend vieler modernen Open World-Spiele - Grenzen auf, sie ist aber auch dynamischer, was immer wieder für überraschende Momente sorgt.
Ich habe zum Beispiel an einer Stelle im Spiel einen ausgeschalteten Gegner im Gebüsch versteckt und kurz darauf aus Versehen die Angriffs-Taste gedrückt.. und der Busch war weg.

Der Gegner lag also da, für jeden in der Umgebung gut sichtbar, und ich musste mir was anderes einfallen lassen.

An einer anderen Stelle (im Winter) bin ich an einem Gebäude hochgeklettert, und plötzlich hatte ich die Aufmerksamkeit eines Soldaten auf mich gezogen. Warum? Ich hatte beim Klettern einen Eiszapfen abgebrochen, der auf den Boden gestürzt ist.

In den meisten anderen Spielen wäre das bloß ein Grafikdetail, hier ist es eine Spielmechanik. Übrigens eine, die man auch zu seinen eigenen Gunsten nutzen kann: zum einen natürlich zur Ablenkung, zum anderen aber auch als Waffe.
Die unterschiedlichen Gameplaydynamiken die aus den Jahres- und Tageszeiten entstehen, sind meiner Meinung nach eine der größten Stärken des Spiels. Und die Spielwelt, die "entspannter" und nicht mehr so stark auf "Busywork" ausgelegt ist, ist eine angenehme Überraschung, die wir in den nächsten Jahren hoffentlich öfter sehen werden.