Nun hat es doch noch ein Videospiel geschafft, mir graue Haare wachsen zu lassen. Endlich in Ney York, dachte ich mir, aber es begann mit einer ungeliebten Schleichmission...
Ich bin jetzt an dieser Stelle auch angekommen und muss sagen, dass das miese Gamedesign bis zum Anschlag ist. Eine 100%-Nebenziel einzubauen, dass Du 100% auf dem Zufall basiert... Ich hab keinen Schimmer, was die Designer da geritten hat. Es spricht nichts gegen herausfordernde Nebenziele, aber die Faktoren Zufall in Kombination mit der - wie sich grade dort rausstellt - armseligen Steuerung. Das geht einfach zu weit. Am liebsten würde ich die Spieledisk kilometerweit aus dem Fenster pfeffern.
Also mit dem Ende bin ich jetzt grad spontan intellektuell etwas überfordert.
Auf Eurogamer.net gibt es einen Artikel, der das Ende analysiert. Ich weiss aber nicht, ob der Erleuchtung bringt, da ich nur die Überschrift gelesen und den Link für später gebookmarkt habe.
Hab heute mit erschrecken festgestellt, dass ich die Hauptstory nur weiterspiele, um neue Nebenquests zu bekommen.
Das drumherum ist einfach ne Spur zu heftig, als das man den Faden der Hauptstory findet.
Das geht mir mittlerweile (Anfang Sequenz 8) genauso. Die Story-Struktur ist einfach nur wirr, unvollständig und hektisch. Einerseits setzt einem das Spiel ein je nach Spielweise 5-8-stündiges Tutorial (Sequenzen 1-4) vor, nur um einem dann auch noch die Hälfte nicht mal zu erkären und geht dabei auch noch so denkbar ungeschickt vor, dass es riskiert, dass der Spieler bereits vor dem erstmaligen Spielen des echt Hauptcharakters eine Biege macht. Das eigentliche Tutorial hätte in den ersten Connor-Sequenzen (wie in ACII) stattfinden müssen, um gleich eine Bindung aufzubauen. So hat man zwar einen schönen Twist, aber die Bindung zum Spiel passiert erst viel zu spät.
Aber letztlich geht das im gesamten Spiel so unstrukturiert und undurchdacht weiter. Das Spiel setzt viel zu sehr drauf, dass es einen an jedem entscheidenden Moment und jeder Schlacht dieses Zeitalters teilhaben lassen will, dass es total gehetzt wirkt und sich nicht wirklich die Zeit nimmt, zwischen diesen einzelnen Ereignissen klare und vielleicht auch mal ruhigere Verbindungen herzustellen. Stattdessen werden einem in den Story-Missionen im Minutentakt neue Charaktere vor die Füsse geworden, nur damit sie 5 Minuten später schon wieder komplett obsolet sind. Wer nicht entweder die amerikanische Geschichte auswendig kennt oder jeden einzelnen Datenbank-Eintrag liest (selbst dann bleiben noch Lücken), ist irgendwann komplett überfordert. Zumal Connor zwar bei allen entscheidenden Momenten dabei ist, aber auch meist nur als Statist agiert und die Motive, warum er überhaupt überall dabei ist, einfach nicht detailliert genug ausgearbeitet sind. Letztlich wirkt vieles in der Story nur wie ein Baugerüst rund um ein nicht fertiggestelltes Haus. Kommt noch hinzu, dass die Missionen zwar abwechlungsreiches Gameplay bieten, dies aber auch zu oft auf offensive Aktionen setzt, so dass das Assassinengefühl mangels Assassinen-taktischer Optionen oft verloren geht. Viele empfanden die Bomben-Bauerei in Revelations als komplett überflüssig, aber die Bomben boten einfach eine Fülle an taktischen Optionen, die auch mit verdecktem Vorgehen gut einhergehen. Und solche Elemente vermisse ich hier wirklich.
Seine wahre Brillianz zeigt das Spiel eigentlich nur in den eigentlich komplett optionalen Nebenmissionen. Allen voran der Aufbau der Siedlung, der wirklich großartig inszeniert ist. Aber auch der Rest, egal ob Herausforderungen, Truhen, Federn oder Jagd- und Abenteuer-Missionen ist weitaus interessanter als die Story-Missionen. Egal, ob es nun daran liegt, dass die schlüssiger inszeniert sind (Nebenmissionen) oder einfach mehr taktische Optionen bieten (Forts befreien, Konvois überfallen, etc.). In den ganzen Nebenaktivitäten fühlt sich das Spiel auch viel mehr nach einem Assassin's Creed an. Dumm nur, dass das Spiel fast 10 Stunden verschenkt, bis man diese wirklich in ihrer vollen Bandbreite erleben kann. Und auch dumm, dass man den ganzen guten Kram verpassen kann, wenn man nur der Hauptstory folgen kann.
Ich habe mich in den letzten Tagen während der Sequenzen 6 und 7 ausführlich mit den ganzen Nebenaktivitäten verloren und bis auf die Seefahrten alles erledigt, was es zu erledigen gab und hatte währenddessen wirklich das Gefühl, dass ich hier was ganz, ganz Großartiges spiele, dass sich vielleicht nicht 100%ig nach AC angefühlt hat, aber trotzdem hochmotivierend war, nur um dann wieder auf den Boden der konfusen Tatsachen zurückgeholt zu werden, als ich die Story weitergespielt habe, um mehr Nebenaktivitäten freizuschalten. Selten habe ich es in einem Spiel erlebt, dass es sich in einem Moment so mittelmäßig, unfertig und undurchdacht anfühlt und im anderen Moment so herausragend, vielfältig und mitreißend.