Ich weiß wirklich nicht, was ich von diesem Spiel halten soll. Als Spiel an sich ist es durchaus gelungen. Grafisch gesehen ist es von den Problem wie dem Nebel, diversen Popups und Clippingfehlern durchaus ansprechend und bietet in seinen besten Momenten absolut wunderschöne Örtlichkeiten. Die Story ist durchaus sehr gut erzählt, wenn auch bisher (Anfang Sequenz 6/10 Stunden Spielzeit) nur leidlich spannend, weil sie Ihre Ziele oftmals nur sehr schwammig formuliert. Und das Gameplay ist extrem facettenreich.
Aber mit einem Assassin's Creed hat das Spiel wirklich nur noch den Namen sowie den übergreifenden Storybogen rund um Desmand gemein. Über weite Strecken wirkt das Spiel eher, als wäre es eine Art spielbarer Jack London-Roman. Dass man Teil eines Jahrhunderte währenden Konflikts zweier Parteien ist, schimmert nur selten durch, weil dies meist unter der Unmenge an unterschiedlichen Gameplay-Systemen (z.B. Jagen, Schifffahrt) begraben wird, die auch im Gegensatz zu den Vorgängern vollkommen lostgelöst von den Kernzielen wirken.
Dass diese Assassin's Creed-Flamme von ACIII zwar immer wieder mit Funken (diverse serientypische Gameplay-Systeme sind ja immer noch vorhanden) genährt wird, aber sich meist nur selten zu voller Pracht entwickeln kann, bevor sie großteils wieder erstickt wird, liegt an zu vielen Brüchen mit dem, was die Serie ausmacht.
Ob man das Szenario an sich nun interessant findet oder nicht, mag Geschmackssache sein, der gewählte historische Hintergrund bedingt jedoch eine Kulisse, die dem Spiel eines der markantesten Spielelemente überhaupt beraubt: Die Parcours- und Kletterei-Elemente sind AC3 einfach nur unspektakulär. Nur selten lässen sich lange und spannende Kombo-Läufe wie in den Vorgängern aufbauen. Das Erklettern von maximal 4 Etagen hohen Gebäuden, Kraxeln durch Bäume und auf Felsformationen bietet einfach nicht den gleichen majestätischen Triumph, den das Erreichen der Spitze einer Kathedrale oder des Kolloseums bietet.
Zudem fehlt es der Kulisse auch an dem Gefühl, sich durch eine wirklich bedeutende Stätte zu bewegen. Natürlich sind die Ortschaften von historischer Bedeutung, jedoch ist die eine Bedeutung, die grade erst dabei ist wirklich geschrieben zu werden, während die Städte in den Vorgängern vor Mystik und Geschichte nur so trieften, weil in vielen, vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor dort schon entscheidene Dinge passierten, die sowohl bekannt sind, aber auch immer noch genug Geheimnisse bieten. Die Umgebungen in ACIII hingegen sind zwar toll und oft auch wunderschön designt, vermitteln aber einfach nicht dieses Gefühl von Tiefe.
Und dass dann bei Synchronisieren eines Aussichtspunkts nicht mal die typische Melodie oder eine klar erkennbare Variation derer ertönt, ist dann noch das kleine Tüpfelchen auf dem i.
Ein weiterer, für viele vielleicht gar komplett irrelevanter, Faktor schließt dort eigentlich direkt an. Dem Spiel fehlt es komplett an dem für die Serie so typischen Jesper Kyd-Soundtrack. Das deutete sich zwar in Revelations schon an, wo auch schon die Hälfte der Tracks aus der Feder von Lorne Balfe stammten, schlägt sich aber hier erst richtig nieder. Man mag die Musik von Jesper Kyd Synthie-Sequenzen und Effektspielereien mögen oder auch nicht, aber sie hat einfach einen ziemlich unverwechselbaren Stil, der diese Serie geprägt hat. Lorne Balfe hingegen hat mit dem ACIII-Soundtrack leider nur einen recht beliebigen Orchester-Soundtrack geschaffen, der vollkommen losgelöst von der Serie wirkt. Dass mich der Darksiders II-Soundtrack von Jesper Kyd stärker an die AC-Serie erinnert als der ACIII-Soundtrack ist eigentlich schon ziemlich bitter.
Und dass ACIII so losgelöst vom Rest der Serie wirkt, liegt auch daran, dass das Spiel (bisher?) keinen roten Faden, keine fundierte Verbindung zwischen Altair, Ezio und Connor schafft. Connor wirkt wie jemand, der einfach in die Ereignisse und die Bruderschaft hineinstolpert, obwohl der Serienmythologie nach eine verwandschaftliche Verbindung bestehen müsste. Diese klärt das Spiel jedoch bis Sequenz 6 nicht auf und sollte die Klärung später noch erfolgen, so kommt sie dann eigentlich zu spät. Dass es dann für Connor auch nicht einmal eine passende Zeremonie gibt, ist eigentlich das Sinnbild für diesen Mangel und die allgemeine Haltung, dass man diesmal unbedingt viele Dinge anders machen muss, die ACIII so sehr prägt.
Man könnte jetzt noch auf diverse andere Brüche (kein Puppenspieler-System mehr, keine ausfürlichen Kletterpassagen wie in den Assassinengräbern mehr usw.) eingehen, aber damit der Post hier nicht seitenlang wird, beschränke ich mich mal auf die für mich entscheidendsten Faktoren, die ich oben genannt habe.
ACIII ist ein gutes, über viele Strecken sogar sehr gutes, wenn auch überladenes und im Erklären von Spielmechaniken eher mangelhaftes, Action-Adventure, wird dem Erbe der Serie jedoch fast nie gerecht und ist somit zwar meiner Meinung nach ein gutes Spiel, aber als Assassins's Creed-Spiel ein Totalausfall.