Bei Gamesindustry.biz gibt es übrigens noch einen etwas ausführlicheren Artikel über die Aussagen von Shawn Layden:
Er spricht im Grunde genau das an, weswegen ich bisher Next-Gen-Skeptiker bin und aus Kundensicht den ganzen Next-Gen-Hype-Train sehr kritisch sehe. Bisher deutet alles darauf hin, dass die Next-Gen vor allem durch noch aufwändigere und detaillierte Grafik angetrieben wird, die durch hochwertigere Assets, mehr Motion- Performance-Capturing etc. die Kostenschraube noch weiter nach oben drehen wird.
Da die Spieleindustrie sich seit Jahren an den 60-Dollar-Preis klammert, weil sie genau wissen, dass es nicht genug Kunden mitmachen, wenn die Basisspiele so viel kosten, wie sie eigentlich kosten müssen, wird das meiner Meinung nach dazu führen, dass die alternativen Monetarisierungsmechanismen (DLC, Season Pässe, Battle Pässe, Mikrotransaktionen usw.) künftig noch aggressiver verfolgt werden und die Preise so indirekt immer weiter steigen werden.
Wir haben in dieser Generation schon erleben müssen, dass immer mehr Elemente abseits des Basisspiels monetarisiert werden, während gleichzeitig auch die Preise bereits existierener Elemente wie DLC und Season Pässe dramatisch angestiegen sind. Teilweise sind die Preise von DLCs und Season Pässen gar verdoppelt worden.
Und ich kann mir irgendwie kein Szenario vorstellen, dass diesen Preisantieg ausbremsen wird, solange die Spiele technisch immer aufwändiger werden.
Ich glaube auch nicht, dass eine Reduzierung der Spielzeit von auf 12-15 Stunden für AAA-Spiele die Lösung ist. Für viele Spieler sind 70 Euro für unter 20 Stunden Spielzeit einfach zu teuer. Und das betrifft sowohl Gelegenheitsspieler als Hardcore-Gamer.
Die für mich offensichtlichste Lösung, aus dieser Spirale rauszukommen, wäre, dass sich dass sich die Publisher darauf konzentieren, ihr Portfolio zu erweitern und weniger AAA-Spiele zu produzieren und stattdessen eine breitere Palette an Mid-Budget-Titeln anzubieten, die weit weniger Kosten verschlingen und dadurch kreativer sein können, weil das Risiko eines finanziellen Misserfolgs minimiert werden kann.
Eines der größten Probleme der Spieleindustrie in den letzten Jahren ist es meiner Meinung nach, dass einfach zu viele Studios und Publisher dem Ideal nachhetzen, wie Hollywood sein zu wollen und riesige Blockbuster produzieren zu wollen, über die alle Welt redet. Und das führt halt nicht nur dazu, dass die Kosten immer weiter explodieren, sondern auch dazu, dass sich - wie auch in Hollywood - mehr und mehr der großen Produktionen alle gleich anfühlen.
Ich denke, dass große Teile der Branche, aber vor allem die AAA-Publisher und -Entwickler eine komplette Neuausrichtung brauchen und man sich mal wieder darauf besinnen sollte, worin die Stärken von Spielen wirklich liegen. Liegt die Zukunft des Mediums langfristig darin, dass Spiele immer mehr wie Hollywood-Filme sind? Oder wäre man auch finanziell nicht besser damit bedient, sich auf die Elmente zu konzentrieren, die Spiele nur Spiele bieten können, aber eben nicht Hollywood-Filme, Serien von Streamingdiensten oder Bücher? Denn für viele dieser Dinge braucht man nicht unbedingt ein ein immens teures Technikgerüst.