Inazuma Eleven Victory Road
Nach 63 Stunden mal ein "Zwischenfazit": Es ist auch weiterhin eine Art Hassliebe. In alter Fußball-Weisheit sagt man "Wichtig ist auf dem Platz" und da überzeugt das Spiel, die virtuellen Taktik-Fussballspiele mit Anime-Powermoves die man in bester JRPG-Manier in 1 vs. 1 Duellen oder vor dem Tor auswählt machen unheimlich Spaß. Alles andere neben dem Platz ist aber furchtbar frustrierend und eine Enttäuschung.
Der Story-Modus:
Fangen wir hier an. Für den Story-Modus habe ich etwa 45 Stunden gebraucht und er handelt von einem Jungen der nicht mehr Fussballspielen kann und deshalb bewusst an eine Schule wechselt, die keinen Fussballclub besitzt. Soweit.. so blöd. Denn allein diese Story-Ausgangslage sorgt dafür dass man in dem Modi lange Zeit überhaupt nicht auf dem Platz steht, erst nach mehreren Stunden wird der Fussballclub wiederbelebt, man startet mit 5 vs. 5 Spielen und nach 8 Stunden darf man dann endlich richtig auf den Platz. Bis sich die Welt soweit öffnet dass man regelmässig Spiele spielen darf und Spieler rekrutieren dauert es noch länger.
Statt dessen vertreibt man sich die Zeit vor allem in Dialogen, rennt von A nach B um stupide Nebenquests zu erledigen die an der Schule oder in der Stadt spielen und bekämpft Schüler, Straßengängster oder auch einfach nur Passanten in Stein-Schere und Papier Duellen. Wirklich Stein-Schere-Papier Duellen, das ist keine Metapher für Pokemon, Fire Emblem oder sonst etwas.
Irgendwann wird dann auch Fussball gespielt. Ja doch. Die Storymatches sind meist gescriptet und man muss diverse Aufgaben erfüllen während der Spielzeit. Auch hat man gelegentlich mal selbst oder der Gegner Plot Armor. Damit man aber überhaupt in den Spielen antreten darf muss man erst mal grinden und aufleveln. Das geht durch stumpfe, recht stupide und schnell nervige Minispiele in denen man trainiert indem man bspw. als Geist seine Mitspieler motiviert wenn die lieber auffem Handy spielen oder Treppen rauf und runter rennt wobei man die Intention auf Tastendruck steuert. Am Spaßigsten fand ich da noch das Reifenschießen das richtiges Timing verlangte. Alternativ kann man auch leveln indem man Trainingsspiele absolviert, das macht dann auch deutlich mehr Spaß, da man hier einfach ungescriptet kickt.
Wenn man mit dem Storymodus durch ist, darf man in der Re-Story noch mal das Gleiche als Game Plus erleben oder in der Extended Story noch ein abschließendes Spiel gegen eine Level 60 Mannschaft absolvieren. Das habe ich später gemacht nachdem meine Mannschaft ausreichend gelevelt war. Mehr kommt da dann nicht mehr.
Der Chronical Modus:
Weit Spaßiger als der Storymodus, und eher so das Herzstück des Spiels, ist die Zeitreise durch die Geschichte der Videospielreihe. Hier spielt man einfach nur Fussball: Das erste Spiel immer in der OG-Version des Story-Arcs, diese Matches sind dann auch gescriptet. Anschließend darf man gegen die gleiche Mannschaft aber auch ungescriptet mit seiner eigenen Mannschaft ran, bevor es weiter geht. Allein die erste Route hat schon 13 Mannschaften, die zweite Route danach kommt schon auf über 20 und es gibt noch viele weitere.
^ so sieht die Karte bspw. aus auf der man sich bewegt, jede Station ist eben ein (doppeltes) Spiel. Im Anschluss kann man aber auch noch weiter grinden und sich Trikotsätze, Währungsitems, oder Spieler zu verdienen. Denn so schön die Zeitreise auch sein mag, am Ende will man aber natürlich mit seiner eigenen Mannschaft spielen und diese aufbauen...
Und der ganze Rest:
... und hier kommt dann die Gacha-Mechanik und der massive Grind ins Spiel. Es gibt über 4.500 Spieler, die man theoretisch sammeln kann und die kommen in diversen Stufen daher, von Common zu Growing zu Top Stars, Heros, Legendary oder gar Faible. Diese sogenannten Spirits droppen als Belohnung nach dem Spiel oder man kann sie in den "Sternzeichen"-Bannern ziehen. Wer Gacha-Spiele gespielt hat, kennt das. Und da kommt halt auch der Frust: Viel Glück deinen Wunsch-Hero mit einer Chance von 0,5% zu ziehen, haha.. ha. Es ist also viel Grind dabei die Spirits zu farmen.

Pity-Pulls gibt es alle 1.000 Ziehungen oder so. Dann liegt die Chance aber immer noch bei 1 zu 4 pro Sternenbild den Wunsch-Hero zu bekommen.
Den Wunschspieler zu ziehen reicht aber noch nicht. Man muss ihn natürlich auch noch aufleveln, mit Ausrüstung und Skills versorgen. Ausrüstung und Wunschskills kosten natürlich, die Währung muss man ebenfalls ergrinden. Und auch diese kommen in unterschiedlichen Stärken daher.
Alternativ zum Chronical Modus kann man im Competition Modus auch Free Matches gegen Wunschteams abschließen. Hier spielt man ebenfalls seine eigene Mannschaft und jeder Gegner kommt in vier Schwierigkeitsstufen daher. Compete Online ist dann schließlich der Modus wo man seine Mannschaft gegen Spieler aus aller Welt antreten lassen kann.
Wie bewerte ich das jetzt? Das Spiel macht vieles falsch. Der Grind und das absurde Gacha fühlen sich wie ein F2P-Game an, der halbgare Storymodus kann auch so gar nicht überzeugen. Was Spaß macht ist der Chronical Modus, der nicht nur durch die Zeitreise für die Fans der Reihe überzeugt, hier entsteht dann auch schnell die Sogwirkung durch den Aufbau seiner eigenen Mannschaft und der Sammelleidenschaft sich hier sein eigenes perfektes Team heranzuzüchten und gegen immer stärkere Mannschaften aufs Feld zu führen. Überhaupt weiß das Spiel auf dem Fussballfeld zu überzeugen, man hat hier Lust neue Taktiken zu probieren, an der Aufstellung zu feilschen, Skills gegeneinander abzuwiegen und auszuprobieren. Aber ich kann das halt nicht so hoch bewerten, wenn das halbe Spiel enttäuscht und eben jener Sammelspaß in einem Meer aus der F2P-bekannten Flug von zig verschiedenen Währungen, von denen man nie genug hat, und absurd niedrigen Gacha-Pulls verwässert wird.
Deshalb am Ende eine
6/10