Der Titel des letzten youtube-Links hier trifft es sehr gut. Viel Skyrim, wenig MMO.
Aber von Anfang an. Insgesamt war es im Vergleich zum letzten Betawochenende wesentlich unflüssiger. Inzwischen habe ich aber erfahren, dass es für die Beta nur einen Megaserver gibt, der natürlich in den USA steht. Für's Release wird es getrennte Server für EU und NA geben. Damit sollten sich die Latenzprobleme wohl legen. Vor der Maintenance am Samstag Abend hatte ich stellenweise über 30 Minuten lange Ladescreens, das hatte ich vorher in diesem Maße auch noch nie erlebt. Und auf die obligatorischen verbuggten Quests gehe ich erst gar nicht ein, denn das gehört schließlich dazu. Ansonsten war /reloadui mein ständiger Begleiter und Reloggen hat bei so manchen anderen Questproblemen geholfen. Insgesamt hatte ich wesentlich mehr Probleme und Komplikationen als das Wochenende zuvor, und das sogar stellenweise an den gleichen Stellen.
Die Grafik an sich finde ich inzwischen sehr stimmig und sehr gut für ein MMO, wodurch man sich direkt von Anfang an wie in einem Elder Scrolls-Spiel fühlt. Nur die steife und vornübergebeugte Haltung der Charaktere beim Rennen geht mir etwas auf die Nerven. Trotzdem sieht das Spiel insgesamt gut aus und läuft flüssig, auch wenn viel auf dem Monitor los ist. Das ist ja leider bei vielen Spielen keine Selbstverständlichkeit. ESO hingegen läuft sogar auf meinem Laptop flüssig. Sieht zwar bescheiden aus, aber es läuft flüssig!
Zum Thema Phasing noch ein eigener Satz: hat es jemand wirklich deutlich gespürt? Rein theoretisch sieht man immer nur eine handvoll anderer Spieler, wodurch das Lösen eigener Quests unkomplizierter voran gehen soll. Allerdings gibt es dann an den jeweiligen Stellen trotzdem genau die Art von Spieler, die versucht schneller zu klicken, um den eigenen Fortschritt voranzutreiben. Typisches MMO-Verhalten

Ansonsten ist mir das Phasing nur dann aufgefallen, wenn andere Spieler mit irgendetwas agiert haben, das in meiner Phase nicht zu sehen war. Dadurch sieht man manchmal interessantes Schattenboxen und andere witzige Aktionen.
Wenn man mal davon absieht, dass sich die ersten Level zäh und träge hinziehen, muss ich aber die Questabwechslung loben. Kein einziges Mal hatte ich: "Kill 10 Wolves" oder "Besorge 10 irgendwas, wofür du 40 Viecher killen musst". Allerdings war und ist die Mainquest immer noch nicht weiterspielbar, wodurch man letztendlich irgendwann nach dem ersten Dungeon bei einem Charakter die Lust verliert. Vor allem aber gefällt mir, dass auch hier beim Questprinzip wieder das Skyrimgefühl aufkommt. Es gibt keine Questhubs, die man abarbeitet um dann weiterzugehen zum nächsten Questhub. Stattdessen ist man darauf angewiesen, die Karte aufzudecken um neue Quests und Questreihen zu entdecken. Passenderweise geben einem z.B viele bedeutungslose NPCs in Kneipen Markierungen auf der Karte, wo etwas los sein könnte. Und es lohnt sich wirklich, alles Markierungen abzuarbeiten und auch die vielen Skyshards aufzuspüren - auf die es übrigens Hinweise in der Achievementliste gibt, das macht's einfacher. Wenn man einfach nur die Mainquest so schnell wie möglich durchzieht, sieht man sich bald zu starken Gegnern gegenüber. Witzigerweise habe ich mehrfach im Chat gelesen, wie sich Spieler ausgerechnet darüber beschwert haben: wie, man muss sich aussuchen, was man wann und wo macht? Wieso nimmt mich hier keiner an die Hand und führt mich linear durch die Zone?
Insgesamt erinnert mich das Spiel immer stärker an SWTOR. Hier sind es drei Fraktionen, die um den Emerald Throne in Cyrodiil kämpfen und nebenbei noch den privaten Kampf gegen Molag Bal austragen. Das gesamte Hochleveln ist durchsetzt mit Dialogen und Entscheidungsmöglichkeiten, wenn auch nicht so tiefgehend wie in SWTOR. Oder in anderen Worten, es ist ein sehr gutes Singleplayerspiel bis zum Maxlevel. Das denke ich ist eine garantierte und sichere Aussage. Man fühlt sich stellenweise richtig in die Welt hineingezogen. Zwar nicht so stark wie in Skyrim, aber trotzdem deutlich mehr als in jedem anderen MMO der letzten Jahre. Zum Vergleich mit SWTOR aber später noch mehr. Ich bin zwar nicht sehr bewandert in der Elder Scrolls Geschichte, aber bis ein gewisser Tiber Septime auftaucht und alles vereint, scheinen ja noch ein paar Jahrhunderte ins Land zu ziehen, von daher wird dieser Rahmen wohl endlos weitergeführt werden. Aber nach Molag Bal kann wohl problemlos das nächste Übel bekämpft werden.
Die Kampfmechanik finde ich immer noch unrund. Klar, vielleicht liegt es am NA Server und der massiven Überbelastung. Aber es fühlt sich gerade als Nahkämpfer einfach nicht rund und flüssig an. Und es nervt wirklich, wenn man mal wieder irgendwohin gehauen hat, nur dass einem der Server dann sagt: hey, dein Gegner steht eigentlich hinter dir. Besonders genervt hat mich das immer wieder beim Ansturm mit einer 2H. Stellenweise war es ein Glücksspiel, wo der Gegner danach auftaucht

Als Fernmämpfer hatte ich das Problem wesentlich seltener. Die Ausweichrolle und das Interrupten sind meiner Meinung nach sehr gute Mechaniken, die sich aber meistens einfach nicht passend anfühlen oder schlicht und ergreifend nicht gebraucht werden im normalen Levelprozess. Denn meistens zeigen die Gegner ihre Mechaniken so deutlich, dass man auch einfach einen Schritt zur Seite laufen kann. Bei mehreren Gegner wird es hingegen schon interessanter.
Mein persönliches Highlight: Der Charakter! Es gibt noch keine Guides und Richtlinien, keine Orientierungen, was mit 50 gut und was absolut unbrauchbar sein wird. Es ist alles noch reines Ausprobieren und Testen. Für einen Tüftler und Minmaxer wie mich der Himmel. Soviel zu bereden und diskutieren, einfach herrlich. Die ersten zehn Level sind eigentlich nur ein einziges großes Tutorial. Aber wenn man dann mal Zugriff auf viele Skills (Klassen, Waffen, Rasse, Gilden) hat, fängt es an: Was benutze ich? Welche Fähigkeiten arbeiten gut mit anderen zusammen? Welches Ultimate bietet sich an? In welchen Situationen muss ich Skills in der Hotkeyleiste umbelegen und anpassen? Die Beschränkung auf fünf Skills ist gemein, denn fünf ist wirklich nicht viel. Ebenso bin ich gespannt, in welche Richtungen sich das Morphen der Skills entwickelt und wie letztendlich der große Masterplan für einen Charakter aussehen wird. Zudem haben einige Skills Synergien, soll heißen, wenn man einen bestimmten Skill benutzt, können die Mitspieler etwas auslösen... sooooo viel zum Tüfteln :sithlord:
Allerdings ist es gleichzeitig auch etwas wenig. Wo sind die anderen Gilden? Wo sind mehr Klassen? Sparen die jetzt schon Content auf für teure Expansions? :nana:
RvR ist auch ein Highlight. Auch wenn es stellenweise gar nicht ging und es dann wieder Queues von über einer Stunde gab: es ist gut und macht Spaß. Letztes Wochenende hatte ich nicht sehr viel Zeit damit verbracht, aber nach diesem Wochenende traue ich mich zu sagen: Ja, es lohnt sich und seit DAOC habe ich zum ersten Mal wieder das Gefühl, es könnte wirklich was werden. Das Gesamtpaket wirkt insgesamt überzeugender als es Spiele wie Guild Wars 2 und Warhammer wohl je erreichen werden können.
Nachdem ich die wohl wesentlichen Punkte angesprochen habe, kommt mein kleines Fazit :fettes Grinsen:
SWTOR hat es vorgemacht, wie man mit dem Hochleveln des ersten Charakters viel Spaß haben kann. Ähnliches scheint für ESO zu gelten. Der Weg hin zu Level 50 wird unterhaltsam und vor allem nicht übertreiben schnell sein. Natürlich ist es ein MMO, und natürlich wird es immer Spieler geben, die am Tag 18 Stunden zocken. Aber das sollte nicht der Maßstab sein. Vielmehr finde ich es gut, dass es wieder ein Spiel geben wird, dass den Weg zu mehr als einer leidlichen Pflichtaufgabe verkommen lässt. Allerdings hatte SWTOR mit Erreichen des Maxlevels rasant abgebaut. Hatte man das Maxlevel erreicht, machte man Battleground-PVP (das war aber sehr gut!!!), komische Dungeons und verbuggte Raids. Dadurch waren nach acht Wochen die Spieler weg. Hier sehe ich bei ESO ein ähnliches Problem aber auch geichzeitig Potential. Wenn das RvR wirklich so einschlägt, wie meine zweiten Eindrücke vermuten lassen, dann steckt hier sehr viel mehr Langzeitmotivation drin als in einem unausgereiften PVE-Endgame. Denn seien wir ehrlich: Wenn ich PVE spielen und Raiden will, dann installiere ich WOW. Vielleicht es gerade die Chance von ESO, sich eine andere Nische zu sichern. Viele Spiele haben vorgemacht, wie es nicht geht. Letztendlich wird niemandem in WOW im PVE-Bereich Wasser abgraben.
Allerdings sollten sich auch verstärkt die Spieler hinterfragen. Nein, es wird kein neues Spiel rauskommen, das einen ähnlichen Content bieten kann wie der 10 Jahre alte Branchenprimus. Wie soll das auch gehen? Trotzdem scheint es eine große Mehrheit von Spieler vorauszusetzen. Das muss und kann ich einfach nicht verstehen...
Genau so sollten sich aber auch die Unternehmen hinterfragen. Denn ist es auch nur im Ansatz realistisch, ein neues Spiel zu veröffentlichen und damit 10 Millionen Kunden an sich zu binden? Allerdings scheint mir, dass viele genau davon träumen :shame:
Das in Kombination führt wieder zu meinem vorher aufgeführten Punkt: Lieber ein Nischenprodukt für ein bestimmtes Klientel veröffentlichen als den übermächtigen WOW-Killer - und sich dann aber auch damit zufriedengeben. Ein Spiel wie FF14 hat es vorgemacht und sich auf einem Level eingependelt, welches das Spiel im Moment mit Abos am Leben hält. ESO könnte diesen Weg auch gehen.
Damit komme ich aber zu meinem wichtigsten Punkt. Gefällt mir das Spiel? Ja. Werde ich es mir kaufen? Inzwischen auch ein Ja. Finde ich den Preis angemessen? NEIN! Das Gesamtpaket passt einfach nicht. Objektiv betrachtet werde ich mit dem Spiel locker 100 Stunden zubringen ohne mit der Wimper zu zucken, das ist mit der PC-Anschaffungspreis von 55€ locker wert. 70€ für eine Konsolenversion lesen sich aber dann wieder sehr knackig. Durch meine langjährige MMO-Vergangenheit habe ich auch kein Problem mit monatlichen Gebühren, denn meistens zahlt man für Qualität, einen ansatzweise vernünftigen Support und eine mehr oder weniger cheaterfreie Spielerzone. Allerdings bin ich mir hier schon unschlüssig, ob und was das Spiel nach dem Freimonat zu bieten hat. Wie gesagt, es gibt fast keine bessere Langzeitmotivation als RvR - wenn es denn dann gut läuft und funktioniert. Aber dazu kann man im Moment einfach nichts sagen, da die Betawochenenden einem eigentlich nur bis Level 20 tragen. Über das Leben mit 50 lassen sich nur Vermutungen anstellen.
Aber letztendlich wird ESO für viele Spieler das allererste MMO sein und viele werden im Sog von Skyrim in die Onlinewelt gezogen. Und nach den Eindrücken dieses Wochenendes kann man damit nichts falsch machen. Wer Skyrim mochte, wird auch hier seinen Spaß haben und viel Zeit damit verbringen.