Ich glaube du unterschätzt sehr stark, wie unterschiedlich Spiele-Entwicklung in den 90igern im Vergleich zu heute war. Diese Leute wollen auch entsprechend aktueller Standards bezahlt werden. Und niemand möchte heute noch unterm Tisch im Büro schlafen, wenn es mal eng wird.
Oben drauf ist der Griff hin zu den 90igern nicht förderlich für dein Argument. Snes und N64 hatten erstaunlich hohe Produktionskosten. Module waren anders als optische Medien eben nicht "unrelevant" für die Berechnung der Gewinnspanne. Da passt es einfach nicht kosten für die Spiele"Produktion" als fix kosten zu betrachten.
Ich stimme zu, dass ich in dem Punkt vielleicht nicht präzise genug war bzw. stärker hätte abgrenzen müssen.
Bei dem ganzen Teil mit den Fixkosten bzw. den Kosten pro Einheit bezieht sich meine Betrachtung tatsächlich nur auf das Heute bzw. die letzten 10-15 Jahre und nicht auch noch auf die 90er. Wahrscheinlich hätte ich da einfach einen Zwischenstrich in den Post einarbeiten sollen, um die beiden Elemente stärker voneinander abzugrenzen.
Es ist in der Tat so, dass die Module damals viel teurer waren und einen enormen Anteil an der Produktion hatten. Da ich in dem Punkt aber, wie eben erwähnt, vor allem heute bzw. die letzten 10-15 Jahre gedacht habe, ist mir hier sicherlich ein kleiner Fehler unterlaufen, weil Spiele für mich immer nur auf Disc (bzw. auch noch auf Disketten) existiert haben.
Das liegt schlicht und einfach daran, dass ich bis 2007 nur auf Heimcomputern (Atari ST) und PC unterwegs war und schlicht und einfach keinen Kontakt zu Konsolen hatte. Tatsächlich war die Xbox 360 die erste Konsole, die überhaupt genutzt habe. Also nicht nur meine erste Konsole, sondern mein Kontakt zu Konsolen überhaupt.
Aber hier sehe ich tatsächlich auch einen Punkt, der meine Ausführung eher stützt als sie gänzlich zu wiederlegen: Wenn die hohen Modulpreise nicht gewesen wären, dann wären die Spiele nicht so teuer gewesen. Als damaliger PCler habe ich nie Preise über 100 DM pro Spiel gezahlt. Das hat sich damals eher in der Region von 60-80 DM für die Spiele und 30-40 DM für Addons abgespielt.
Insofern habe ich in meinem Spielerleben auch schon diverse Preissteigerungen mitgemacht. Alleine der Umstieg von PC auf Konsole war damals schon ein ziemlicher Preisschock, wenn es rein um die Spiele ging. Allerdings war die Situation damals eben so, dass die Hardwareentwicklung auf dem PC-Markt immer noch so rasant war, dass die niedrigeren Spielepreise das irgendwann nicht kompensiert haben, was eben meinen Wechsel ausgelöst hat, da ich wusste, dass ich mit einer Konsole in Bezug auf die Hardware erstmal ein paar Jahre Ruhe habe.
Nichtsdesto wird meine grundsätzliche Aussage, dass heutzutage mit vielen Spielen (so sie denn Break Even erreichen) viel mehr verdient wird als früher, meiner Meinung nach durch diese mangelnde Präzision meinerseits nicht wiederlegt. Mario Kart 8 hat in allen Versionen zusammen geschätzte Einnahmen von 4,28 Mrd. generiert, während es bei den SNES- und N64-Spielen geschätzte Einnahmen von 670 Mio. waren.
Selbst wenn wir hier die wesentlich höheren Entwicklungskosten, Quer- und Vorfinanzierung von anderen Projekte und die Produktionskosten von Modulen usw. berücksichtigen, bleibt es doch dabei, dass der deutlich gewachsene Absatzmarkt dazu führt, dass man wesentlich höhere Einnahmen generiert als damals, was wiederum ermöglicht hat, dass man die Preise weitestgehend stabil halten bzw. auf drastische Preissteigerungen verzichten konnte. Und diese weitestgehende Preisstabilität hat es eben auch ermöglicht, dass der Markt überhaupt in diesem Maße wachsen konnte.
Es war also durchaus auch im eigenen Interesse der Spielefirm, die Preise möglichst niedrig zu halten, um dieses Wachstum überhaupt zu ermöglichen. Und die jetzt kommenden Preiserhöhungen haben eben Potenzal, diese Entwicklung auszubremsen, anzuhalten oder gar umzukehren, weil ein Teil des Marktes, den man in den letzten 20-30 Jahren erschlossen hat, nicht in der Lage oder nicht Willens sein wird, diese Entwicklung mitzugehen. Und das wir Konsequenzen haben.
Insofern Danke für den Hinweis, dass ich diesen Teil des Posts hätte besser ausarbeiten müssen. Allerdings denke ich, dass die grundsätzliche Argumentation immer noch richtig ist.
Weiterhin betrachtest du bei deiner Rechnung stark einzelne Spiele. Ein Spiel muss sich tragen und dann ist gut. Alles andere sei Gier der Verantwortlichen.
Dies stimmt aber so nicht. Speziell Nintendo investiert auch gerne in Projekte, die sich nicht zwingend selbst tragen ganz bewusst. Und ich bin gewaltiger Fan davon.
Zu Wii Zeiten hab ich gerne rumgespasst: die Wii-sports crowed, bezahlte mir quasi mein xenoblade und im voraus auch bayonetta 2 und wonderfull 101.
Soll heißen: querfinanzierung ermöglicht Projekte, die nicht knallhart auf den Massengeschmack ausgerichtet sind. Projekte, die nicht "by the numbers" entwickelt werden.
Auch ermöglichen diese finanziellen Polster eben, dass auch mal ein Flopp dabei ist, ohne dass direkt ein Studio geschlossen wird.
Es ermöglicht eine Entwicklung bei der auch mal gegen die Wand gerannt wird.
Bei anderen Publishern sieht man ja, was bei rum kommt: ein Flopp oder ein nicht mega Erfolgreiches Spiel... Und das Studio wird dich gemacht.
... Bei Nintendo hörst du solche Nachrichten eher selten...
Ja Nintendo macht wirklich extrem guten Profit. Aber sie machen daraus auch was.
Somit sollte man es als win win sehen und ihnen nicht vorrechnen, dass sie Spiele gefälligst näher am Selbstkostenpreis orientieren sollen.
Also ich bin ja durchaus für Kritik offen und gebe gerne zu, wenn ich wirklich Fehler mache bzw. mich nicht gut genug ausdrücke, um meinen Punkt rüberzubringen.
Aber mit diesem Punkt hier habe ich ein massives Problem:
Weiterhin betrachtest du bei deiner Rechnung stark einzelne Spiele. Ein Spiel muss sich tragen und dann ist gut. Alles andere sei Gier der Verantwortlichen.
Das habe ich so nie geschrieben. Und die Formulierung "alles andere sei" legt irgendwie nahe, als hätte ich das getan.
Ich habe meine Ausbildung in einem Unternehmen gemacht, in dem solche "Brotobjekte", wie sie damals so genannt wurden, weil sie eben metaphorisch die Produkte sind, die das Brot auf den Tisch gebracht haben, von dem sich alle anderen ernähren können, eine entscheidende Rolle spielen.
Mir ist vollkommen bewusst, dass Unternehmen in gewissen Branchen so agieren, dass sie eben die großen, massenmarkttauglichen Umsatz- und Gewinnbringer auf den Markt bringen, die dann die kommerziell weniger rentablen Produkte querfinanzieren bzw. die Investition in riskantere Objekte ermöglichen.
Ich habe tatsächlich auch drüber nachgedacht, ob ich diese Büchse in meinem Post auch noch aufmache, habe mich dann aber aus 2 Gründen dagegen entschieden. Erstens, weil der Post eben schon zu sehr später Zeit entstanden ist und mir die Zeit fehlte. Und zweitens, weil ich ehrlich gesagt davon ausgegangen bin, dass jeder, der sich etwas tiefgründiger für dieses Hobby interessiert, diesen Schluß eigentlich selber ziehen kann.
Ich habe ganz ehrlich als gesetzt angesehen, dass die meisten Leute, die sich für das Hobby bzw. wirtschaftliche Zusammehänge interessieren, das der Gewinn bzw. die Gewinnmarge, die mit einem einzelnen Produkt/Projekt erzielt wird, nicht gleichzusetzen ist mit dem Gewinn, den am Ende das Unternehmen an seine Besitzer/Anteileigner ausgeschüttet wird, sondern dass dieser Gewinn bzw. je nach Höhe des Gewinns ein Teil davon pro Produkt/Projekt natürlich in Forschung, nachfolgende bzw. Nebenprojekte etc. reinvestiert wird.
Ich schreibe ja nicht umsonst, dass die Entwickler und Publisher bei einem Spiel in Vorleistung gehen, bevor der Break Even Point erreicht ist. Und natürlich besteht diese Vorleistung nicht immer (bzw. idealerweise nur beim ersten Projekt) aus Krediten oder dem Geld, dass die Besitzer und Investoren einbringen, sondern eben dann auch aus den Einnahmen bzw. Gewinnen, die ein Unternehmen über andere Produkte oder Projekte erzielt.
Ich wollte hier ehrlich eigentlich keine wissenschaftliche Abhandlung formulieren (wozu ich übrigens auch nicht geeignet wäre), sondern einfach mal die Unterschiede zwischen verschiedenen Produkttypen ausarbeiten.
Wie gesagt: Ich diskutiere gerne. Ich habe auch kein Problem damit, wenn ich auf Fehler oder Unvollständigkeiten hingewiesen werde. Ich weiß, dass das da gestern kurz vor der Bettzeit alles zusammengeschrieben wurde und nicht mal im Ansatz eine vollständige Betrachtung ist, weil ich gewisse Schlussfolgerungen bzw. ein Basiswissen einfach vorausgesetzt habe.
Von daher stelle ich mich gerne der Kritik, dass ich hier ausführlicher hätte schreiben können oder sollen. Aber ich habe ein echtes Problem damit, wenn impliziert wird, dass ich Sachen geschrieben hätte, die ich gar nicht geschrieben habe.
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Damit klinke ich mich in dieser Diskussion auch aus, weil ich das Gefühl habe, dass das, was ich hier schreibe, vollkommen falsch aufgefasst wird.
Ich hatte gestern schon das Gefühl, dass das der Fall ist, als hier ins Spiel gebracht wurde, dass mein Beitrag irgendwie politisch sei. Und dieses Zitat hat mir das nochmal vor Augen geführt.
Ja. Aber Thommysoft hat genau das Thema hoch gebracht. Nicht zwingend im belehrenden Sinne, von wegen, alle sollen das gefälligst auch so machen*, aber als primäre Begründung für seine Entscheidung.
Bei einigen Reaktionen auf meine Posts habe ich wirklich das Gefühl bekommen, als würde ich hier eine Art von Konsumverzicht oder eine polistische Agenda predigen.
Und ehrlich gesagt lag mir nichts ferner.
Ich bin allerdings der festen Überzeugung, dass wir für ein funktionierendes marktwirtschaftliches System, in dem Sinne, wie es mit Angebot und Nachfrage und der daraus entstehenden Preisbildung gedacht wr, sowohl starke Anbieter als auch starke Nachfrager brauchen. Und dass eben wichtig ist, dass auch die Nachfragenden, wie wir es sind, unsere Hebel nutzen müssen, damit das System nicht zu unseren Ungusten kippt.
Ich habe hier auch nur mitdiskutiert, weil ich das Thema an sich in Bezug auf die Preise, den Markt und die Entwicklungen in der Spieleindustrie interessant finde und ich mir wirklich Sorgen mache, was das alle für Konsequenzen haben wird. Eben auch in Bezug auf die Vielfalt an Spielen, die Preisentwicklung und die künftige Rolle regionaler Märkte im Gesamtmarkt.
Die Switch 2 und deren Spiele waren für mich nie ein Thema, egal wie die Preise aussehen, weswegen ich vielleicht mit meinem Ansatz für diese Diskussion hier an der falschen Stelle bin.
Ich habe für mich schon vor Jahren die Entscheidung getroffen, dass ich 80€-Spiele nicht unterstützten werde bzw. erst kaufen werde, wenn sie 60-80% Rabatt erreichen, weil es einfach nicht in meinem Interesse ist, einzelne Projekte in diesem hohen Maße zu unterstützen, anstatt das gleiche Geld auf mehrere Projekte zu verteilen, wo dann zwar jedes einzelne Projekt weniger vom Kuchen abbekommt, aber immerhin mehr, als wenn ich alles nur auf wenige Projekte verteile, die dann aber pro Projekt umso mehr abbekommen.
Das hat letztlich mit Konsumverzicht, "eins auswischen" oder irgendeiner politischen Agenda wenig zu tun, sondern auch damit, dass ich AA-Spiele, Indies und eine Vielfalt an unterschiedlichen Spielen für eine künftige gesunde Entwicklung der Spieleindustrie als wichtiger erachte als 80-90€-AAA-Projekte, die sowieso kaum noch meinem Spielegeschmack entsprechen.
Von daher ist das weit weniger Ideologie als purer Eigennutz, der ja, wie ich oben schon geschrieben hatte, in einem funktionierenden marktwirtschaftlichen System ein lebensnotwendiges Kernelement ist.
Damit soll es das dann auch von mir gewesen sein, weil ich das Gefühl habe, die Diskussion hier an der falschen Stelle ist.