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Moralität, Gewalt und Shooter

X30 Engerling

Aushilfe der Essenausgabe
Hier mal ein interessanter Diskussionsanstoß:

KulturSPIEGEL 9/2012 - Der letzte Schrei

Weitere Impulse:
  • Postal 2
  • Manhunt, Gears 3, etc

Was denkt ihr, in welche Richtung das geht? Der "schlechtfühl"-Shooter (z.B. Black Opst: The Line) ist zwar sehr interessant, aber wenn das die Zukunft der Shooter ist, dann wird man auch da irgendwann abstumpfen.

Ist es möglich, Gewalt in einem "Shooter"-Ähnlichen Spiel so einzudempfen dass es nicht mehr Tode gibt als in Die Hard I, um mal im Vergleich mit jedem COD-Titel sehr niedrig zu greifen. Ist "realistischer", aber auch Interessant. Bin gespannt auf eure Meinungen.

Michael
 

Chief Brody 01

Frührentner
Zuerst würde ich sagen, dass Spiele mit einer 18er Alterskennzeichnung heute echte "Erwachsenenunterhaltung" sind, wie Filme eben auch. Gerade was die Gewalt / Gewaltdarstellung angeht.
Da liegt es auch an der Gesellschaft (jedem Einzelnen) Kinder davon fern zu halten!!! Ich gebe zu, dass es Heute schwieriger ist, dass zu gewährleisten als in den Zeiten vor dem Internet. Früher wie Heute isr es aber immer noch so, dass die Sorge über die eigenen Kinder den Eltern obliegt.....ich weiß, sowas ist familienintern großes Konfliktmaterial, also anstrengend....

Ob sich das ein Erwachsener nun sowas zumutet oder nicht, bleibt ihm selbst überlassen. Es gibt viele Gründe warum oder weshalb man dieses oder jenes Spiel spielen möchte und man merkt ja für sich selbst ob das etwas ist, womit man klar kommt, oder etwas was man nicht möchte.... Wie bei Filmen auch, hat jeder Genre´s die er nicht mag, oder auf die er steht...

Ich bin der Meinung das es schon viele Spiele gegeben hat, die auch ohne Goreeffekte oder übertriebene Gewalt gut waren. Aber die Studio´s haben heute nicht mehr die Eier sowas zu finanzieren / produzieren, dafür braucht es ja dann viel Brainpower um den Spieler anderweitig zu unterhalten man....ist viel zu anspruchsvoll und risikoreich.

Solche kreativen Spiele kommen doch heute zu 99% als sogenannte "Indie-Spiele" auf den Markt.
 

crizzero

Rusty Loot Unit
Gewalt gehört im Shooter-Genre doch generell dazu. Sie muss natürlich nicht überall dabei sein und in den meisten Fällen ist sie leider auch mehr stümperhaftes Mittel zum Zweck als inhaltlich ausstraffierende Beilage, aber ich konzentriere mich hierbei auf die positiven Beispiele. Ein Gears of War oder Call of Duty ohne die entsprechenden Gewaltszenarien sind einfach nicht das Gleiche. Wenn ich jemandem den Kopf wegschieße, dann muss nunmal die rote Suppe spritzen. Dafür ist es erwachsene Unterhaltung, die man sich da reinpfeift.

Wenn ich in einen Horrorfilm gehe, will ich mich ja auch von gewissen Gewaltexzessen schockieren lassen (wobei es zu Gewalt nicht immer Blut braucht, wenn man mal an "The Blair Witch Project" und "Paranormal Activity" denkt). Von daher ist das einfach eine Geschmacksfrage. Ideenlosigkeit würde ich den Entwicklern daher nicht vorwerfen, zumal es mit Portal ja auch eine herausragende Ausnahme gibt. Solange solche Projekte auch von den Käufern unterstützt werden, wird es auch Nachfolger und weitere Spiele in diese gewaltlose Shooter-Richtung geben.

Ich möchte jedoch auch Brutalität und Gewalt im Shooter-Genre nicht verzichten. Wir sind ja alt genug, um zu wissen, was wir vertragen und wo es uns unter Umständen zu viel wird. Mit seinem Kaufverhalten kann man diesen Ansichten ja Ausdruck verleihen.
 

X30 Engerling

Aushilfe der Essenausgabe
Gewalt gehört im Shooter-Genre doch generell dazu. [...] Ich möchte jedoch auch Brutalität und Gewalt im Shooter-Genre nicht verzichten. Wir sind ja alt genug, um zu wissen, was wir vertragen und wo es uns unter Umständen zu viel wird.
Ic

h glaube ich hab nicht ganz klar gemacht um was es bei meinem Post ging. Klar, Gewaltdarstellung in beliebigem Maß muss sein dürfen (bin ja selber auch Splatter-Fan), aber die Frage ist in welche Richtung das geht.

Die Gamer von vor 25 Jahren (wir) sind erwachsen geworden, die Spiele aber hingegen nicht.
Wenn man sich mal die Shooter von heute ansieht bedienen die zu 90% immer noch die Ansprüche von 12-Jahrigen. Da fehlt es an Tiefe. Klar, Eis z.B. findet man mit 12 und 32 gleich geil, das gibt es auch, aber es gibt halt auch mehr als nur Eis.

Da wäre mein Wunsch nach mehr "erwachsenen" Spielen. Und ich mein nicht erwachsen nur weil die Suppe spritzt, sondern auch vom geistigen Anspruch.

Verglichen wäre das jetzt wenn ich "Commando" mit Schwarzenegger mit "Bourne Identität" vergleiche. Ähnlich viel Brutalität und Tode, aber auf einem Anderen Nivea, eine Interessantere Geschichte, ein Held mit Selbstzweifeln, der vor echten Dilemmaentscheidungen steht.

Harte Action im Film geht immer.

Harte Action in Spielen bedeutet immer: Töten am Fließband. Für COD BO1 wird man mit 200 Kills in der Kampagne wohl nicht hinkommen. Das hat, wenn man genau nachdenkt auch was pubertär-omnipotentes. Ist auch mal schön, aber doch bitte nicht immer!

Was sind jetzt die alternativen für die erwachsenen Gamer, deren Hobby im Gegensatz zu ihnen selbst nicht so wirklich erwachsen geworden ist?
 

crizzero

Rusty Loot Unit
Naja, es gibt auch heute schon anspruchsvolle Games wie L.A. Noire oder Assassin's Creed. Nicht spielerisch anspruchsvoll, aber intellektuell.

Ich schätze, dass sich in Richtung Anspruch mit der kommenden Konsolengeneration einiges ergeben wird. Man denke mal an die Präsentation von Watch Dogs, das sah schon sehr anspruchsvoll aus. Und mit den neuen technischen Möglichkeiten, könnte dann auch eine Serie wie CoD neue Facetten einbauen, die mehr erfordern als einen schnellen Abzugsfinger.
 

X30 Engerling

Aushilfe der Essenausgabe
Und mit den neuen technischen Möglichkeiten, könnte dann auch eine Serie wie CoD neue Facetten einbauen, die mehr erfordern als einen schnellen Abzugsfinger.

Seh ich ganz anders. Welche technischen Möglichkeiten sollen dass sein? Grafik ersetzt nicht Inhalt. Bioforge wirkt aus heutiger Sicht antiquiert, hatte aber eine extrem interessante Story mit empathischen Charakteren.

Und CoD wird nie mehr sein als der aktuellste Shooter, einen Genrewechsel werden wir da sicher nicht erleben. Oder eine Story mit Tiefe. Darum gehts ja bei dem Titel auch nicht. Das ist nicht der Grund warum Du und Ich das spielen.
 

crizzero

Rusty Loot Unit
Seh ich ganz anders. Welche technischen Möglichkeiten sollen dass sein?

Naja, den Einfluss den man bei Watch Dogs auf seine Umwelt nehmen kann, ist doch fantastisch. Sowas ging bislang nirgends. Das hängt auch mit technischen Fortschritten zusammen, die mit einer neuen Konsolengeneration gemacht werden. Solche vielen Lösungsmöglichkeiten muss ein Spiel erstmal bieten und authentisch einfließen lassen, dann kann man auch über seine Mission und die Herangehensweise nachdenken und sie dementsprechend angehen. Außerdem kann durch bessere Technik mehr Mimik und Gestik bei NPCs eingebaut werden, was ja schon L.A. Noire zu einem herausragenden Interaktionsereignis werden ließ.

Ich glaube, wir werden noch genug anspruchsvolle Erwachsenenunterhaltung in der kommenden Generation erleben.
 

simple smile

Frührentner
Find ich sehr überzeugend, deine These "Spieler sind erwachsen geworden, die Spiele aber nicht".
Es gibt ja auch nach wie vor keine echte Lobby, man kann auf ner Dinnerparty immer noch viel eher sagen "Ich bin Filmfan" als "Ich spiel gern Videospiele". Als Medium ist das nach wie vor nicht ernstgenommen, was sich natürlich im Kreis dreht: Es gibt viel echt tumbe Spiele, dadurch wird Videospielen als (erzählerisches) Medium nicht ernstgenommen, also gibt es weiter nur tumbe Spiele.

Aber die Hauptvideospielergeneration kommt ja auch erst so langsam in den Entscheiderpositionen an. Ich habe Hoffnung - die Anfänge des Unterhaltungsfilms haben ja sicher auch nicht gleich mit Anspruch geglänzt.

Tatsächlich sehe ich übrigens die Ouya da als große Chance. Die Industrie tut sich nämlich sehr schwer damit, mal was mutiges auszuprobieren (wobei es das auch gibt, Heavy Rain fand ich bspw ziemlich mutig, auch wenn es weder mein Genre noch meine Konsole ist), sondern natürlich gibt es dann ein Bulletstorm (pubertärer geht's eigentlich nicht) und kein Arthouse-Spiel. Aber wenn mehr unabhängige Entwickler sich mal was trauen können und für kleines Geld auf den Markt werfen, gibt's auch die Chance, dass Spieler das mögen und darin dann auch erst diese Seite des Geschmacks deutlich wird.

Ich will nämlich gern beide Seiten: Manchmal Fantasy-Schundliteratur und manchmal Juli Zeh. Manchmal in Borderlands 2 stupide ballern und manchmal bei Braid fast heulen. DANN wäre es ein erwachsenes Medium, das nicht sofort schon festlegt, wie es inhaltlich ist. Bücher, Filme und Musik gibt's ja auch in jeder Couleur, nur bei Spielen ist es oft noch eher jugendlich eingefärbt.
 

Tunnelblick

Pförtner des Altenheims
Naja, es gibt auch heute schon anspruchsvolle Games wie L.A. Noire…
Ich fand das Game spitze, aber das Entwicklerstudio ist pleite. So viel dazu ;-)

Ich schätze, dass sich in Richtung Anspruch mit der kommenden Konsolengeneration einiges ergeben wird.

Das hoffe ich zwar auch, fürchte aber das es wieder nur um grafische Feinheiten oder Casualzeugs wie Kinect geht. Ich finde nicht unbedingt, dass die Spiele auf der aktuellen Konsolengeneration mehr Tiefe besitzen als zum Beispiel PS2 Games. Das Neue an der aktuellen Generation ist für mich vor allem die Onlinevernetzung und das Belohnungssystem mit GS und Trophies. Online spielen konnte man zwar auf der alten Generation auch, aber allgemein durchgesetzt in der jetzigen Form hat es sich erst mit den aktuellen Konsolen.

Ich hoffe darum sehr, dass die Nextgeneration Konsolen nicht blos bessere Grafik bieten. Ehrlich gesagt erwarte ich aber nicht viel. Mir geht es sogar zu schnell mit der neuen Technik. Da sind die Spieledesigner wieder mit dem Ausreizen technischer Möglichkeiten beschäftigt anstatt neue Inhalte zu entwickeln.

Find ich sehr überzeugend, deine These "Spieler sind erwachsen geworden, die Spiele aber nicht".

Ja, ich auch! Deswegen werden mir die Spiele auch immer schneller langweilig. Selbst als revolutionär neu gefeierte Spielideen setzen sich häufig nur aus Elementen vergangener Spiele zusammen, die neu zusammengewürfelt wurden.

…man kann auf ner Dinnerparty immer noch viel eher sagen "Ich bin Filmfan" als "Ich spiel gern Videospiele".

Ich mach mir inzwischen einen Sport daraus und ziehe das konsequent durch. Ich stoße auf Unverständnis. Fast keiner meiner Freunde spielt Spiele am Computer oder gar an der Konsole.

Ist es möglich, Gewalt in einem "Shooter"-Ähnlichen Spiel so einzudempfen dass es nicht mehr Tode gibt als in Die Hard I, um mal im Vergleich mit jedem COD-Titel sehr niedrig zu greifen. Ist "realistischer", aber auch Interessant. Bin gespannt auf eure Meinungen.

Ich glaub schon, das das ginge, aber es ist halt kostengünstiger und wirtschaftlich sicherer, den nächsten "Baller alles Um" Teil zu entwickeln und dann ein paar "kontroverse" Details einzubauen, damit man Aufmerksamkeit bekommt. Die Gewalt ist überigens nicht das Problem dabei, sondern ne schlechte Inszenierung sozusagen. Ein "Di Hard" Spiel mit Schlauchleveln und Gegnerhorden ist bestimmt einfacher umzusetzen als ein Spiel, was dem cineastischen Erlebnis näher kommt und vielleicht noch die Möglichkeit bietet die Geschichte mehrfach auf verschiedene Art neu zu erleben.

Ich bin ja eigentlich ein Freund von Gewalt in Spielen, vor allem wenn sie konsequent drastisch und übertrieben dargestellt werden ;-b UND im Spiel Sinn machen. Ich nenn mal ein PS2 Beispiel. In "Shadow of Rome", was meiner Meinung nach übrigens zu den besten PS2 Spielen gehört, spielte man einen Gladiator und einen schwachen Jüngling. Der Jüngling musste sehr spannende Schleichmissionen bestehen und starb bei Zusammentreffen mit Bewaffneten sofort, es sei denn man konnte noch flüchten. Der Gladiator hingegen musste durch besonders krasse Gewalteinlagen die Menge begeistern sonst gingen die Daumen beim Pöbel runter. Das wurde durch sarkastische Ingame-Archivements noch gesteigert. man konnte zum Beispiel einem Gegner den Arm abschlagen, ihn damit verprügeln und das Körperteil anschließend ins tobende Publikum werfen. Dafür gab es das Archievement "Sadistenutopie".
Bei diesem Beispiel wurde auf kreative Art Gewalt thematisiert - nicht jedermanns Sache aber ich fands toll.

Was ich zum Beispiel nicht toll fand war die bekannte Flughafenszene bei CoD. Mal Ganz davon abgesehen, dass es langweilig ist alle umzubringen, (da hätte ich persönlich lieber einen der Zivilisten gespielt und versucht vor den Terroristen zu fliehen), ist das so ne 08/15-Gewalt wie man sie inzwischen ständig vorgesetzt bekommt und die mir inzwischen auf den Sack geht. Was für eine Idee steckt da eigentlich dahinter? Frag ich mich übrigens auch beim TV-Gucken, wenn ich so durch die Kanäle zappe. Wieso weis ich als Kriegsdienstverweigere eigentlich wie das Nachladen einer Waffe klingt? Fast jeder Gamer mag virtuelle Gewalt, aber die wenigsten Spiele thematisieren das gekonnt. Auch das im Artikel genannte "Spec Ops - the Line" hat mich in dieser Beziehung nicht nachhaltig berührt, nachdenklich gemacht oder sonstwie stimuliert. Weil es nämlich letztlich doch einfach ein Shooter mit "Antikriegsmarketing" ist.

Dead Space fand ich übrigens eins der wenigen Spiele, wo ich mich wirklich gegruselt und dabei sehr gut unterhalten habe. Weniger ist mehr - die Momente, wo man ewig durch die Gänge schleicht und die Nekromorph nur hört, aber nicht sieht sind zumindest wirklich nix für Kinder - und vor allem ist es keine 08/15 Gewalt :)
 

crizzero

Rusty Loot Unit
Es gibt ja auch nach wie vor keine echte Lobby, man kann auf ner Dinnerparty immer noch viel eher sagen "Ich bin Filmfan" als "Ich spiel gern Videospiele".

Das stimmt leider. Man ist der dumme Junge, der seine Zeit verschwendet, wenn man zockt. Aber andere, die Modellflugzeuge bauen und fliegen lassen, Angeln gehen oder vorm iPad sitzen, haben ordentliche Hobbies. :hirni:
 
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