Also ich bezeichne mich mal selbst als Fanboy des Jahres und habe mich ja bei jeder Kritik gerne mal "schützend" vor das Ganze gestellt, ne Wertung von 5/10 finde ich (sorry Thommysoft) immer noch abstrus und erinnert mich an ein gnatziges Kind, dem sein Lieblingsspielzeug kaputt gemacht wurde
Ich kann dazu stehen. Ich hab lange genug darüber nachgedacht, welche Zahl ich da hin stellen will. Aber diese Zahl reflektiert für mich das gesamte Spielerlebnis von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Für mich ganz persönlich ist ME3 einfach nur untere Durchschnittsware und genau das reflektiert eine 5/10 nach ganz klassischen Wertungsansätzen. Eine bockige Wertung wäre eine 1, 2 oder 3/10. Dass heutzutage Durchschnitt eher eine 7/10 bedeutet und 5/10 schon ein einem Komplettverriss gleichkommt, ist ehrlich gesagt nicht mein Problem.
Zumal diese 5/10 eine persönliche Wertung ist und keinerlei Anspruch auf Objektivität erhebt.
ME2 war ohne DLCs auch nicht länger und Teil 1 ebenfalls nicht, sofern man nicht mehr als notwendig Lebenszeit mit dem akribischen abfahren komplett leerer Planeten verschwendet hat.
Meine Spielzeit für Teil 2 liegt inkl. aller DLCs (die insg. max. 6-7 Stunden lang sind) bei fast 60 Stunden, so zumindest der Zeitstempel meines Import-Spielstandes. Bei ME3 bin ich inkl. Day1-DLC, der inkl. aller zu führenden Gespräche ca. 1 bis 1/2 Stunden addiert, klar unter der 40 Stunden-Marke geblieben. Und das, obwohl ich teilweise für das Abliefern einer einzigen Quest zurück auf die Citadel bin.
Für den Wegfall der Minispiele bin ich jedenfalls dankbar, denn die waren einfach nur einfalls- und anspruchslos und dadurch auf Dauer nur lästig. Und mit originellen Minispielen hatten sies ja noch nie, daher lieber weglassen, als wieder irgendwas uninspiriertes und letztendlich nur nerviges einzubauen.
Klar, kann man so sehen. Die Minispiele waren sicher auch nicht der Weisheit letzter Schluß. Aber immerhin haben sie das Gameplay aufgelockert. Und sie waren auf jeden Fall anspruchsvoller als sämtliche jener Nebenaufgaben in ME3, die kein Landen auf irgendeinem Planeten erfordern.
Von genau welchem Mass Effect-Teil sprichst du jetzt? 1, 2 oder 3?
Sehr guter Konter. Im Grund genommen betrifft das alle Teile, schon richtig.
Nur ist die Formel bei der dritten Nutzung halt ausgelutschter als noch vorher. Außerdem sind meinem Empfinden nach (und Geprächen mit anderen Spielern nach geht es nicht nur mir so) sämtliche Levels noch linearer und generischer geworden und das Gegneraufkommen ist im Gegenzug ordentlich aufgepumpt worden.
Für die 30 Sekunden Abspann mögen die ganzen Entscheidungen zwar keine Auswirkungen haben, für die vorherigen 40 Stunden aber schon, denn zumindest für mich macht es schon einen deutlichen Unterschied ob ich im Spielverlauf quasi *permanent* auf Leute treffe die ich aus den vorherigen Teilen kenne oder ob es sich dabei um austauschbare NPCs handelt zu denen ich überhaupt keinen Bezug habe
Das ist vollkommen richtig. Ich hatte ja auch geschrieben, dass Spiel vor großen finalen Mission nochmal richtig anzieht und ich dort einige der denkwürdigsten Momente in Teil 3 erlebt habe.
Welche mich vermutlich auch weitaus versöhnlicher mit dem Spiel gestimmt hätten, wäre nicht all das in den finalen Spielstunden volllkommen ad absurdum geführt worden, weil Bioware praktisch alles, was vorher passiert ist, das Klo runterspült, weil bis auf das grundsätzliche Event
alles andere vollkommen irrelevant wird.
Das ist ja letztendlich das Problem. Als (ehemals) fanatischer Fan fällt die Kritik natürlich deutlich vernichtender aus, weil man sich persönlich beleidigt/verraten/was auch immer fühlt und sich dann auch dementsprechend drüber aufregt. Sieht man bei WoW bspw. ganz hervorragend, das dort die fanatischsten Hasser genau die Leute sind, die das Spiel jahrelang 24/7 gezockt haben.
Ich kann man mich von diesem Vorwurf sicherlich nicht ganz freisprechen, dass ich bedingt durch meine Bioware-Vorgeschichte vielleicht besonders hart ins Gericht gehe. Dennoch sehe ich mich nicht als fanatischen Fan. Ich habe alle ME-Teile wie alle Bioware-Spiele im Grunde nur einmal richtig durchgespielt. Ich hab sie alle nochmal wieder angefangen, um zu sehen, was passiert, wenn dies oder jenes anders macht, aber richtig beendet habe ich sie eigentlich kein 2. Mal. Was auch an meiner generellen Haltung Rollenspielen gegenüber liegt, dass ich DEN einen Spieldurchgang mache, in dem ich alles so mache wie ich es will und dass dieser Spieldurchgang dann das sein soll, was sich für mich auf ewig als Erinnerung an dieses Spiel in mein Gehirn meißelt.
Insofern ist weder die ME-Serie noch Dragon Age noch die Baldur's Gate-Serie für mich etwas, für das ich einen Schrein aufgestellt habe, dem ich jeden Tag huldige. Trotzdem haben die Bioware-Spiele meine Spielehistorie durchaus maßgeblich geprägt, so dass meine Erwartungshaltung Bioware-Spielen bis vor einiger Zeit enorm hoch waren.
Meine Erwartungshaltung ME3 gegenüber war jedoch definitiv nicht allzu hoch, weil Bioware seit der Übernahme durch EA einen Weg eingeschlagen hat, der sie meiner Meinung nach immer weiter davon wegführt, was sie als Entwickler einmal stark gemacht hat. Ob die Gründe dafür nun in der Übernahme liegen ("Böse EA-Abzocker" - wie man ja in letzer Zeit häufiger lesen kann) oder ob der Trend schon vorher bei Bioware vorhanden war, kann ich nicht beurteilen. Das überlasse ich anderen.
Von diesem Trend war DA:Origins noch nicht so stark betroffen, weil das Ding schon 5 Jahre vorher begonnen wurde. Aber sowohl in ME2 als auch in DA2 waren die Züge schon recht klar zu erkennen. Die Story war immer noch gut bis klasse, aber spielerisch wurden die Games immer weniger komplex.
Dennoch: Selbst wenn ich versuche, die Mass Effect-Serie als isoliertes Produkt ohne all diese Umgebungsfaktoren zu betrachten, würde ich nicht anders urteilen. Selbst dann bleibt für mich der Punkt, dass Bioware mit den letzten Spielstunden so ziemlich alles zerstört, was sie in den weit über 100 Stunden vorher alles aufgebaut haben.
Das hat für mich mit enttäuschtem Fanboytum überhaupt nichts zu tun.