Ich steh jetzt mittlerweile in Kapitel 7 - Spielzeit ca. 20h - kurz nach der ersten Entscheidung mit Tragweite und dem ersten großen Kampf mit einem Drachen und kann inzwischen etwas genauer benennen, was mir an dem Spiel gut gefällt und was nicht.
Spoiler vorweg, bisher ist mein Eindruck immer noch ein ziemlich positiver! Das mag zum großen Teil an meiner Erwartungshaltung liegen, mit der ich in das Spiel gegangen bin und auch damit zu tun haben, dass mir aufgrund der in den letzten Monaten mitgekriegten Eindrücke Dritter von Anfang an recht klar war, was mich hier erwartet und was nicht.
Erwartet hatte ich ein super-poliertes "Feierabend"-Spiel ohne viel Anspruch, aber top Technik, ein Popcorn-Action-Adventure. Und genau das bekommt man hier imho. Und obwohl das Spiel sehr viel von dem hat, was ich vor kurzem u.a. in meiner Besprechung zu Tomb Raider Legend und Anniversary angeprangert habe - ständiger Zwang in die Menüs bspw., kann ich hier zu großen Teilen damit leben.
Mir ist aber inzwischen auch klar, wieso sich bei langjährigen Die-Hard-Dragon-Age Fans u.U. hier der Magen umdreht... Da mir die Franchise "Dragon Age" relativ egal ist bzw. ich damit keinerlei emotionale Verbundenheit verspüre, habe ich persönlich keine Probleme damit, was sie aus der Marke gemacht haben, kann aber gut verstehen, wenn das Fans anders sehen. Mir ging das ähnlich, als ich damals gesehen habe, was Disney in "The Last Jedi" aus Luke gemacht hat

In der Hinsicht kann ich auch ein Urteil wie bspw. die 0/10 eines Gebauers irgendwo verstehen.
Jetzt aber zu den einzelnen Punkten.
- Mega Polish. Ich weiss nicht, wann mir das letzte Mal so ein bugfreies Spiel untergekommen ist, und das dann noch von EA, die sich da in der jüngsten Vergangenheit nicht gerade hervorgetan haben. Dazu viele kleine gut durchdachte QoL Features, die einem beim Spielen vllt. gar nicht unbedingt auffallen, wie bspw. die Möglichkeit, einen neu gefundenen Gegenstand sofort mit dem Ausgerüsteten vergleichen und anziehen zu können, ohne ins Menü zu müssen. Hier hat man sich ziemlich viele - gute - Gedanken gemacht.
- Ich mag diese Semi-Open-World / sehr breiter Schlauch mit kleineren "Rätseln" und Dingen zum Freischalten Struktur sehr, sorgt dafür, dass man eigentlich ständig was zum Nachdenken / zu tun hat und finde das bisher sehr unterhaltsam. Erinnert mich ein wenig an das neue God-of-War in der Hinsicht (war so ziemlich der einzige Punkt, den ich an diesem unsäglichen Spiel damals gut fand).
- generell mag ich den Aufbau, den Detailreichtum, die Vertikalität der einzelnen Level bisher, sehr abwechslungsreich und optisch echt hübsch. Gestern bin ich in so ein Canyon-Gebiet gekommen, war bisher das optische Highlight, aber auch die beiden besuchten Städte und der Elfenwald sind kurzweilig, interessant, schön. Auch hier aber unter der Prämisse, dass mir klar war, dass das hier nur ein Theme Park ist und keine glaubhafte Welt abbilden will.
- der Kampf macht mir Spaß, *obwohl* es mich anfangs (immer noch?) ziemlich angekotzt hat, dass alle Gegner die eigenen Mitstreiter wie Luft komplett ignorieren und sich nur auf mich focussieren, ja diese nicht mal SCHADEN NEHMEN können!! Also das ist doch absoluter Mist, gerade am Anfang, wenn man einen Magier spielt, wieso kann ich da nicht jmd. zum Tanken vorschicken. Man ist da mehr mit Dodgen denn mit Schaden austeilen beschäftigt. Nachdem ich aber abzeptiert hatte, dass ich mich hier in Personalunion sowohl um Crowd Control als auch um Schaden zu kümmern habe - unabhängig der gewählten Klasse - fahre ich einen ultraoffensiven Orb/Dagger "Klingenmagier" superschnell über die Kampfarena, spielt sich so ein bisschen wie eine Mischung aus Schurke und Magier und fühlt sich sehr mächtig und wuchtig an. Die Begleiter-NPCs benutze ich nur als Primer/Detonator oder mal zum Heilen.
- Die Charaktere sind sicher auch "hit and miss", mir gefallen sie und ich finde auch sehr wohl, dass diese ganz gut ausgearbeitet und mit einer interessanten Backstory versehen wurden. Auch der Prozess des Bondings / Team-Aufbaus und die geführten Dialogen kommen mir bisher recht natürlich vor - sicher an ein junges Publikum angepasst und ich will nicht abstreiten, dass es den einen oder anderen Cringe-Moment gibt, manchmal Worte / Redewendungen verwendet werden, die out-of-context erscheinen bzw. die nicht so recht in diese Welt zu passen scheinen, sowie dem Ganzen eine gewisse Würze fehlt. Es ist halt recht glattpoliert, es sollen ja keine Konfilkte aufkommen und wenn doch werden die recht schnell von Rook wegmoderiert. Insgesamt finde ich bisher aber an jedem Charakter was, das ich mag
- das Spiel mag zwar sein "RP" im Gameplay und der Entscheidungsstruktur recht klein schreiben, ich habe aber andere RP-Elemente entdeckt, die mir ziemlich positiv aufgefallen sind. Das sind so Kleinigkeiten wie Deko-Elemente und damit einhergehend rudimentärem "Housing", ein recht gelungener Charakter-Editor und ein durchgehendes Transmog-System (ich LIEBE es generell in Spielen, mich ständig neu zu kleiden bzw. an meinem Look zu feilen). Aber auch so unwichtige Dinge wie ein umfangreicher Markt in den Städten oder dass ein in einer Cutscene bestellter Kaffee dann auch wirklich geliefert und genossen wird... Ich mag solche kleinen Details einfach
- Was die ganze Genderei angeht - ich bin kein Fan davon. Gerade im Deutschen liest sich das "hen/hem" und so Konstrukte wie "ders Kriegere" extrem holprig und hört sich gesprochen imho ziemlich bescheuert an - da geht das englische "they/them" deutlich besser runter... Ich kann aber durchaus verstehen und auch begrüssen, wenn Personen, die sich weder von der grammatikalisch männlichen als auch weiblichen Form repräsentiert fühlen, hier eine Ansprache finden. Was ich allerdings nicht verstehen kann und über's Ziel hinausgeschossen empfinde ist, dass das Spiel auch Charakteren, deren Geschlecht nicht bestimmbar ist, bzw. die gar keins haben (!!), EBENFALLS diese Ansprachen gibt - bestes Beispiel der Caretaker!! Das ist verdammt nochmal eine geschlechtslose Entität, der - es wird zwar nicht thematisiert, aber da bin ich mir sehr sicher - diese Thematik nicht egaler sein könnte. Ich bin mir nicht sicher, ob hier evtl. im Deutschen ein Fehler in der Übersetzung vorliegt. Aber für solche Fälle hätte ich im Deutschen einfach das grammatikale Neutrum (es) verwendet...
Soweit jetzt mal meine Eindrücke nach 20h und Level 21...