Nach ein bisschen mehr Spielzeit würde ich auf jeden Fall sagen, dass Leute, die sich nicht wirklich sicher sind, besser auf ein Angebot warten.
In bin mittlerweile in Teilen deutlich zweigespalten: Irgendwie ist es ein Dragon Age, aber irgendwie auch nicht. Das ist jetzt nichts Neues, da jeder Teil der Serie deutlich anders war als die Vorgänger, aber hier ist es doch an manchen Stellen ein deutlicherer Bruch als zuvor.
Das größte Problem, das sich für mich mittlerweile abzeichnet: Es ist nicht mehr wirklich ein RPG, sondern eher ein Action-Adventure.
Ich würde wahrscheinlich anders denken und sagen, dass es zumindest ein RPG Light ist, aber dafür hat das Spiel einfach zu viele Puzzles. Ich bin ja durchaus jemand, der es schätzt, wenn man ein bisschen erkunden muss und dafür dann auch belohnt wird. Aber gefühlt verbringt man mindestens ein Drittel der Spielzeit damit, Pfade zu suchen und Rätsel zu lösen, die auch alle nach einer oder zwei Handvoll Schemata verlaufen, um an Truhen zu kommen.. Und das Problem ist, dass der Großteil der Progression in Sachen Ausrüstung daraus besteht, dass man diese in eben jenen Truhen findet. Es gibt zwar ein paar Händler, die auch Ausrüstung haben, aber das steht in keinem Verhältnis zu der Menge, die man über Truhen/Erkundung findet. Und die Questbelohnungen sind auch eher mickrig.
Frustrierend ist auch, dass die Erkundung nach diesem "Metroidvania ultralight"-System funktioniert. Alle Geheimnisse einer Karte kann man erst nach mehreren Besuchen lüften, weil anfangs viele Bereiche vor allem dadurch versperrt sind, dass man noch nicht alle Partymitglieder und somit alle Erkundungsfähigkeiten zu Verfügung hat. Hat man diese dann aber irgendwann zusammen, sind immer noch Bereiche versperrt, weil man diese erst später in Quests betreten kann, die man noch gar nicht hat.
Wäre alles halb so schlimm, wenn die Levels nicht so verschachtelt wären und die Karte mehr taugen würde. An manchen Stellen gibt es Markierungen, wenn Bereiche noch nicht zugänglich (oder diese dann später freigeschaltet sind), an vielen Stellen aber auch nicht. Manchmal werden ungeöffnete Kisten schon früh auf der Karte angezeigt, manchmal nicht. Leider kann man auch keine eigenen Markierungen auf der Karte hinterlassen. Das ist alles irgendwie unbefriedigend.
Ich mag es ja durchaus, wenn man in einem Spiel erkunden kann und dafür kleine Geheimnisse, Geschichten oder einzigartige Belohnungen bekommt. Nicht umsonst gehören die klassischen Bethesda- und Piranha Bytes-Spiele zu meinen Favoriten. Aber hier ist es einfach nicht optional genug und es fühlt sich eher wie ein Tomb Raider an. Teilweise auch wie ein AC Valhalla, weil es einfach zu viele dieser Truhen und Puzzles gibt, hinter denen sich der Großteil der Ausrüstungsprogession und somit Build-Vielfalt versteckt.
Und da wären wir dann auch schon beim Kampfsystem, bei dem ich für mich auch mehr und mehr Risse erkennen kann. Auch wenn grundsätzlich Mass Effect mit Fantasy- statt SciFi-Waffen ist, kommt für mich hier einfach nicht der gleiche Flow auf. Das liegt vor allem daran, dass die Gegner (vor allem Bosse und Minibosse) praktisch keine Atempause machen, man selber aber gleichzeitig viel zu sehr Ressourcenmanagement betreiben muss, weil es a) zu wenige Skills gibt, die man im Kampf einsetzen kann, b) für die geringe Anzahl an Skills die Cooldowns bzw. die Ressourcenwiederherstellung zu lange dauert und c) diese Skills in Anbetracht dieser beiden Punkte auch noch zu wenig Schaden machen.
Klar, es gibt diverse Attacken, Kombos, Parieren und Blocken, aber irgendwie kommt mir hier kein guter Flow auf, was auch mit daran liegt, dass die Kämpfe allgemein zu effektgeladen und unübersichtlich sind. Gleichzeitig die Gegner im Auge zu behalten, aber dann auch noch auf den eigenen Charakter achten zu müssen, um die Anzeige über dem Kopf sehen, wann eine Parade möglich ist, ist teilweise echt mühselig. Vor allem, wenn man viele Gegner und Bosse hat, die die Attacken nur so auf einen einprasseln lassen.
Inquistion habe ich damals noch auf Albtraum durchgespielt, was bis auf zwei, drei bockharte Sellen eigentlich ganz gut zu managen war. Hier würde ich nicht mal auf die Idee kommen, das zu tun. Stattdessen bin ich von Normal runter auf einen angepassten Schwierigkeitsgrad, der u.a. die Aggressivität der Gegner reduziert, so dass ich das Gefühl habe, auch mal selber zum Zug zu kommen, anstatt zu sehr in Parieren/Ausweichen-Schleifen festzuhängen. Das ganze System würde weit besser funktionieren, wenn die Gegner sich nicht fast ausschließlich auf den eigenen Charakter fokussieren würde und teilweise ganz schöne Schadensschwämme wären.
An der Stelle ist auch eine ziemlich blöde Entscheidung, dass Quests keinen empfohlenen Level haben. Mir ist das jetzt schon dreimal passiert, dass ich selbst bei Nebenquests, die ich schon einige Stunden im Questlog hatte, Gegner vor mir hatte, die mir 5-10 Stufen überlegen waren. Das ist irgendwie ungünstig.
Mag sein, dass es Leute gibt, die daran Spaß haben, 10 Minuten oder länger auf einem Boss zurumzukloppen, der einem total überlegen ist. Aber ich gehöre nicht dazu.
Die veränderte Tonalität fällt auch auf, je länger man spielt. Ich störe mich da nicht zu sehr dran, weil ich einerseits die übertriebenen Blut auf den Klamotten in Origins auch ziemlich lächerlich fand und ich andererseits in den letzten Jahren kaum noch AAA-Blockbuster gespielt und noch viel länger Blockbuster-Filme (insbesondere Marvel) geschaut habe, die ja oft als Vergleich herangezogen werden. Aber auch wenn ich darüber hinwegsehen kann, ist der Vibe doch ein ganz anderer als in den anderen Spielen.
Ich habe immer noch Spaß an dem Spiel und werde es wahrscheinlich auch durchspielen, denn ingesamt würde ich es immer noch als gutes Spiel bezeichnen, aber ich schließe mich immer mehr der Meinung an, dass es kein gutes Dragon Age, ist auch wenn gewisse DA-Zutaten noch drin sind.
Und die Rückkehr von BioWare ist es auch nicht. Es keine Katastrophe wie Anthem. Und es ist ingesamt auch deutlich stimmiger als Mass Effect Andromeda, das ich ebenfalls nicht als wirklich schlechtes Spiel - aber auch kein gutes Mass Effect - bezeichnen würde.
Man merkt einfach schon, dass es aufgrund der gestiegenen Entwicklungzeiten und den daraus resultierenden irre langen Abständen zwischen den einzelnen Teilen einer Serie immer schwieriger wird, eine zusammenhänge Vision zu entwickeln, weil in vielen Studios einfach zu viel Fluktuation durch Abgänge und Entlassungen entsteht. Das wird künftig wohl und mehr Spielereihen so gehen, aber hier merkt man es schon deutlich, dass zwischen DAO und Inquisition 5 Jahre liegen und zwischen Inquisition und Veilguard 10.
Ich hoffe jetzt noch drauf, dass The Veilguard, wie mehrfach zu lesen war, den in 2 und Inquistition angefangenen Story-Strang noch zu Ende bringt. Und dann muss man sehen. An noch einem Dragon Age im Action-Adventure-Mantel mit einem kleinen RPG-Hütchen auf dem Kopf bin ich eher nicht interessiert. Das ist einfach nicht mein Genre, weshalb ich aus diesem Bereich auch fast nichts mehr kaufe.