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Für mich stellt sich nicht die Frage, ob ich das kaufe oder nicht. Die Frage ist: was darf ein Vollpreis - Spiel kosten und was muss enthalten sein? Und für wie lange sollte ein Vollpreis - Spiel alle Features enthalten OHNE DLC?
Die derzeitige Praxis der Fan - Melkerei sollte vom Grundsatz her boykottiert werden. Und damit man sich über solch ein Thema mal gemeinsam eine Meinung bildet, dafür ist dieses Forum ja wohl da
Die Sache mit dem DLC ist seit jeher ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Ich bin jemand, der erst 2007 mit der 360 zu seiner ersten Konsole gekommen ist, vorher war ich über 15 Jahre reiner PC-Gamer. Aus dieser Sicht heraus wäre für jeder DLC erstmal Abzocke. Und zwar aus 2 Gründen: Erstens einmal waren diese ganzen Mappacks, Autopacks und ähnliches früher Dinge, die es auf dem PC als reinen Fansupport in Patches komplett kostenlos gab. Selbst ganze Minikampagnen gab es früher als rein kostenlosen Content.
Trotzdem waren kostenpflichtige Zusatzinhalte für den PC seit jeher für den PC gang und gäbe, im Gegensatz zu den Konsolen, wo das eher selten der Fall war. Dennoch - und damit wären wir bei Zweitens - waren diese Zusatzinhalte früher im Gegensatz zu heute massive Pakete mit richtig viel Inhalt. Diese klassischen Addons bzw. Expansionpacks in der Preisregion von 30 bis 50 Mark bzw. später 20-30 Euro boten in der Regel ganze Kampagnen mit Spielzeiten von 20 bis 30 Stunden oder gar noch viel mehr. Diese Art Addon ist mittlerweile praktisch ausgestorben (letztes lebend gesichtetes Exemplar war vermutlich Dragon Age's Awakening) und günstigeren, aber auch deutlich kleineren DLCs gewichen. Einen nicht ganz unwichtigen Anteil an dieser Entwicklung hat definitiv der XBL-Marktplatz mit seinen Micropayments, der eine Addon-Strategie auf den Konsolen erst ermöglicht hat.
Sehe ich diese neue Form DLCs also als "das pure Böse" an? Nein, definitiv nicht. Denn ich bin auch Realist. Angesichts steigender Entwicklungskosten sowie der Gebrauchtspielproblematik (und in geringerem Maße auch angesichts der Importproblematik bzw. der Verramschung auf dem UK-Markt) sind diese kleineren, aber auch häufigeren DLCs für die Spieleindustrie einfach ein notwendiges Mittel geworden, um an den Spielen längerfristig Geld zu verdienen.
Das Problem an der Sache ist jedoch, dass die Hersteller bisher einfach noch keinen probaten Mittelweg gefunden haben, wie sie das Thema DLC handhaben wollen. Und das sowohl in Bezug auf die Terminierung als auch in Bezug auf die Preisgestaltung.
Gleiches gilt jedoch auf die Kunden, denn auch hier lässt sich noch keine klare Linie erkennen. Zumal sich das Thema auch ganz schwer auf einen eindeutigen Standpunkt zusammenfassen lässt, da hier einfach zu viele Faktoren wie persönliche Präferenzen eine Rolle spielen.
Bringen wir einfach mal ein paar (persönliche) Beispiele in Spiels...
Bsp1:
Ich halte mal so rein gar nichts von kompetetiven Multiplayer-Shootern, weshalb es mir absolut schleierhaft ist, warum Leute 1200 Punkte für die Map-Packs bei Call of Duty ausgeben. Zumal Map-Packs für andere Shooter in deutlich niedrigeren Regionen angesiedelt sind, wo ich die Anschaffung schon viel eher nachvollziehen kann.
Gegenbeispiel: Auto- und Streckenpakete für Rennspiele. Hier wäge ich zwar auch immer sehr stark ab, bin jedoch viel eher bereit, für ein gutes Angebot zu einem fairen Preis mal zuzuschlagen.
Bsp2:
Es gibt Bioshock 2 ein Multiplayer-Addon, das eine so auffällige Mini-Größe hat, dass sich schnell herausgestellt hat, dass dieser Inhalt bereits auf der Disc ist und der DLC ein reiner Freischalt-Code ist. Zudem kam das Addon bereits kurze Zeit nach Release des Hauptspiels. Für mich ist das Abzocke in Reinkultur, zu egal welchem Preis.
Bsp3:
Es gibt auf dem XBLA-Marktplatz die Brettspielumsetzung "Zug um Zug" für 800 Punkte. Dazu gibt es zwei Addons für 600 bzw. 400 Punkte. Auch deren Größe (unter 500 KB im Vgl. zu den 133 MB des Hauptspiels) lässt darauf schließen, dass es sich hier wie bei Bsp2 nur um Freischaltcodes handelt, denn obwohl die Addons nur anderen Karten und Regeln bieten, ist es doch eher unwahrscheinlich, dass der komplette Inhalt in den Dateien drin ist. Ist es in diesem Fall für mich Abzocke? Müsste es sein, ist es aber nicht, denn in diesem Fall kommt noch der Faktor in Spiel, dass jede der 3 Varianten (Hauptspiel und die 2 Addons) in echter Brettspielform ein eigenständiges Spiel ist, dass mehr als locker ein Vielfaches der Digitalvariante kostet.
Dieses Beispiel kann man jedoch in Falle des "Hasbro Familienspieleabend" ins Gegenteil umkehren, da die Preisgestaltung hier im Falle einiger Addons deutlich unverschämter ausfällt.
Bsp4:
Borderlands... Ein Titel, mit dem man durchaus weit über 50 Stunden verbringen kann. Hier gibt es 4 Addons, die es zusammen preislich auf mehr als den halben Preis eines neuen Retail-Spiels bringen. Ein erstmal ziemlich großer Haufen Geld, jedoch bieten alle Addons zusammen nochmal fast die gleiche Spielzeit, die bereits das Hauptspiel alleine gebracht hat. Meiner Meinung nach also ein wirklich guter Deal.
Bsp5:
Fallout 3... 5 Addons, zusammen 40 Euro, qualitativ schwankend zwischen "super" und "Müll", Spielzeit geschätze 40 Stunden bei einer Spielzeit von 100+ Stunden für das Hauptspiel. Guter Deal? Als Fallout 3-Fan sage ich trotz der schwankenden Qualität ja, weil nebenbei auch noch neue Items, erhöhte Levelgrenze, neue Spielumgebungen etc. integriert werden.
Gegenbeispiel: Praktisch sämtliche Dragon Age 1-Addons, weil sie meiner Meinung nach extem flach sind und die paar Neuerungen zu wenig ins Gewicht fallen.
Bsp6:
Hupenpakete für Dirt, Kostümpaktete für Prügelspiele, Freischaltpakte für Rennspiel-Karrieren etc. Für mich persönlich reine Geldverschwendung. Da könnte man das Geld auch gleich aus dem Fenster werfen.
Das waren jetzt mal 6 Beispiele, die vermutlich noch um dutzende andere Beispiele erweitern könnte. Doch die Kernfrage ist: In wievielen Fällen bekomme ich 100%ige Zustimmung?
Im besten Falle vermutlich in 5 von 6 Fällen, im schlechtesten Falle in 1 von 6 Fällen.
Der Hardcore-Shooterianer wird vermutlich sagen, dass er nicht anderes braucht als neue Mappacks für CoD & Co., alles andere wäre total überflüssig. Gleiches würde vielleicht der Hardcore-Prügler über seine Kostüme sagen. Der Oldschool-Gamer würde vielleicht argumentieren, dass es früher keine DLCs gegeben hat, also würde er jetzt auch keine brauchen. Und so weiter und so fort...
Und dabei habe ich die Beispiele eigentlich noch recht simpel gehalten, da ich Faktoren wie Qualität, Timing oder rausgeschnittene Inhalte nur leicht angeschnitten oder gar komplett aussen vor gelassen habe.
Letztlich hat jeder seine eigenen Präferenzen, was den DLC betrifft. Und so lässt sich dementsprechend auch schwer sagen, was zu einem Vollpreis-Spiel gehört und was nicht.
Generell stehe ich dem Thema DLC nicht negativ gegenüber, dennoch finde ich einige mittlerweile gepflegte DLC-Praktiken vor allem in Bezug auf Preisgestaltung und Timing (und daraus wie im Falle von Dirt 3 abgeleteitet dem Verdacht, bewusst herausgeschnittene Inhalte angedreht zu bekommen) durchaus sehr fragwürdig.