"Cyberjunk 0815" ist möglicherweise das größte Desaster seit der Vorstellung der ursprünglichen Xbox One-Vision.
Das Spiel und dessen Zustand sind mittlerweile nicht mehr nur Thema in den Spielemedien oder vielleicht auch noch auf IT-Fachseiten. Mit der Maßnahme von Sony ist das Thema heute auch auf die Mainstream-Nachrichtenportale übergeschwappt. Ich hab da heute schon auf 4 verschiedenen General-Interest-Seiten drüber gelesen und eine kurze Google-Suche hat gezeigt, dass die Meldung auch auf vielen weiten Nachrichtenseiten zu finden ist.
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Launch von Cyperpunk mittlerweile wie eine Schockwelle durch die gesamte Branche geht. Der Aktienkurs von CDPR ist derzeit um
21% abgestürzt. Das dürfte in so manchen Führungsetagen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden, wenn man bedenkt, wieviel Geld hier grade verbrannt wird.
Und die Schockwelle dürfte weit über die Unternehmen, die diese Spiele auf den Markt bringen, hinaus gehen. Viele Twitch- und Youtube-Influencer, die teilweise sogar mit Charakteren im Spiel verewigt sind, dürften sich die Frage stellen, ob sie sich nochmal so vor den Karren spannen lassen wollen, da auch ihr Image und somit ihr Einkommen auf dem Spiel stehen.
Auch die Spielejournalisten haben schon angefangen, den ganzen manipulativen Prozess hinter den Cyperpunk-Reviews zu hinterfragen. Jeff Grubb von Venturebeat hat da einen ziemlich guten Artikel zu verfasst, in dem er auch seine Rolle als Reviewer kritisch hinterfragt.
Natürlich sind auch der immense Druck und die Erwartungshaltung, die CDPR bei den Kunden geschürt hat, Teil des Problems. Denn welcher Reviewer/welche Spielesite will den Test ernsthaft erst einige Tage nach VÖ veröffentlichen, wenn das Interesse an den Tests schon abgeflacht ist, oder sich durch eine ehrliche, niedrige Wertung einer Belästigungskampagne durch die Hardcore-Fanbase des Spiels entgegenstellen müssen.
Die ganze Marketing-Kampagne um Cyberpunk zeigt momentan ziemlich anschaulich die gesamten Bruchstellen des hypegetriebenen Systems rund um Spieleveröffentlichungen auf. Ob sich hier nachhaltig was ändern wird, muss man abwarten. Immerhin muss sich hier jedes einzelne Glied der Kette, die sich die ganze Maschinerie in Laufe der Jahre freiwillig um den Hals gelegt hat, zur Erkenntnis kommen, das sich was ändern muss. Aber wenn der finanzielle und der Imageschaden diesmal tatsächlich groß genug sind, könnten sich hier wirklich langfristige Auswirkungen zeigen, die jetzt noch gar nicht abzusehen sind.