Oh Boy...
Das mit Sony dem "Strike" auf dem PSN ist schon nicht ohne. Zugegeben.
Aber natürlich auch konsequent von Sony. Alles andere lasse ich jetzt mal so stehen...
Was ich krass finde, ist doch die Tatsache, wie unterschiedlich die "Spielerfahrung" abseits von all den bekannten Fehlern ist.
Vielleicht mal zur Ausgangslage: Ich bin ein echter "Fanboy" von Neuromancer/Biochips - William Gibson/Ghost in the Shell/Altered Carbon/Cyberpunk 2020/Shadowrun - Daneben gehörten Filme wie Blade Runner, Brazil, Tetsuo u.ä. zu meiner Jugend. Zudem stand ich schon in Shibuya und hab mit glänzenden Augen die "Fiktion", Wirklichkeit werden lassen...
Das ganze ist also absolut hart "eingefärbt". Soll aber ganz bewusst konträr zu den -teilweise sehr flachen- häufig gelesenen Meinungen der letzte Tage sein...

Ich hab jetzt 90h in meinem Durchlauf durch und werde sicherlich auch nochmals einiges an Stunden drauf packen.
Hab ich davon eine Stunde bereut?! Nö... Nicht wirklich.
Natürlich habe auch ich mit Fehlern zu "kämpfen" (One X). Glitches, kleinere Questbugs aber auch tatsächlich Abstürze & eine eher mittelmäßige Performance -vor dem ersten "großen" Patch"- sind nervig... Keine Frage. Aber die hatten wir auch bei Gothic, WItcher und Konsorten. Ich will nicht sagen, dass so etwas "dazu gehört", aber ich persönlich habe mir gerade bei Rollenspielen da ein etwas dickeres Fell wachsen lassen...
Das größte "Problem" (Auch hier wieder: Neben den ganzen "Technischen" Problemen") sehe ich aber ganz klar auch in der Konzeption von Cyberpunk 2077...

Ich vermute, hier wurde eine sehr "limitierte" (Nicht im Sinne von klein, sondern in einem Handlungsrahmen) Story geschrieben, die von den Entwicklern/Schreibern sehr nah an oben genannte "Vorbilder" ran kommen sollte. Dazu wurde eine -wie gesagt, sag ich al Fanboy- fantastische Kulisse gebaut, die den Spieler auch durch das First-Person in die Story einbeziehen soll.
Das klappt -zumindest bei mir- mehr als hervorragend. Ich gehe in Nightcity total auf, liebe den "Look & Feel" mehr & mehr und finde -trotz technischer Limitierung in Form von weniger KI-Verkehr und NPCs auf den Straßen- dass ich selten eine solch "dichte" & intensive Spielwelt in einem Spiel erlebt habe. In Zusammenspiel mit der Story und den "Sidequest" (Dich ich bis auf die Überfalle & Polizeieinsätze alle als ebenso hervorragend geschrieben empfinde), ist das eine Erfahrung die ich zuletzt wohl so nur bei anderen "großen" Spielen hatte wie z.B. RDR2 oder GTA5. Dafür ziehe ich echt meinen Hut...

Aber ich glaube auch, das dies genau dass "Problem" sein wird. Daran -an dieser "Messlatte"- wurde und wird CP2077 gemessen. An einem -mehr oder weniger- Massentauglichen GTA5 (RDR2 war da auch schon wieder eine Spur spezieller). Der Auftritt von Johnny Silverhand aka. Keanu Reeves auf der letztjährigen E3 hat da sein übrigens zu getan...
Das hat bis in die letzten "Kinderzimmer" eingeschlagen, ich persönlich kenne kaum einen "Gamer", der von dem (PR)Clou nix mitbekommen hat. So etwas schürt natürlich Erwartungen.
Und damit komme ich wieder zurück auf die "Limitierung" der Entwickler/Schreiber was die Story angeht. Auch ich merke an vielen Punkten:
"Hmm... Das hätte ich eventuell anders gemacht/erwartet!"
Aber ich bekomme mit CP2077 eben keinen "bunten" Sandkasten, in dem ich mich wie in GTA5 (Wo -nebenbei- die Story an sich auch sehr limitiert und "gradlinig" war/ist) einfach mal ausprobieren kann. Ich bekomme eine enorm dichte & fantastisch gestaltete Kulisse, die einer guten bis sehr guten Mainstory als verdammt solides Fundament dient. Ja.... "Daneben" ist nicht viel. Ein Transportsystem in Form einer Metro wurde "gestrichen", vieler "Schnickschnack" wie z.B. Apartments gibt es ebenfalls nicht (mehr). Aber -das ist meine persönliche Meinung- so etwas braucht es in einem "Storytelling-Rollenspiel" für mich absolut nicht und ist -meiner Meinung nach- tatsächlich eher etwas für den "Massenmarkt".
Da finde ich solche Sachen wie die -gefüttert durch eigene Radiosender, zig "Story-Splitter", eigens gestaltete Werbungen etc.- "Backgroundstory" als wesentlich wichtige. Und da findet CP2077/CDPR mehr als genug Verbindungen zu o.g. Referenzen.

All das lässt mich persönlich zu dem Schluss kommen, dass CP2077 doch sehr speziell und wahrscheinlich auch nicht wirklich etwas für die breite Masse (gemacht worden) ist. Ich möchte da jetzt keinen "Gamer" mit angreifen, jeder Jeck ist eben anders...
Aber zeigt CP2077 -neben zahlreichen anderen "Baustellen"- doch ganz klar eins:
Die eigenen Erwartungen und der Hype um ein Produkt, ist in den seltensten Fällen eine gute Mischung.
(Ja, ich spreche da ganz bewusst auch die eigene Erwartung an - Weil ich eben nicht selten in den letzten Tagen das Gefühl hatte & habe, dass da ganz viele Menschen viel zu "überzogen" ran gegangen sind)
Für mich (!) ist Cyberpunk 2077 -als "Fanboy" der Ästhetik und dem "Look & Feel" des Subgenres "Cyberpunk"- mehr als gelungen und auch vom Storytelling eins der ganz großen in den letzten Jahren
(Ich mein... VERDAMMT... Ich hab um 'nen Getränkeautomaten getrauert!
).
Gut, dass der (Spiele)Markt noch immer so breit aufgestellt ist... So ist zum Glück (noch) immer für Jeden etwas dabei...
(Schade ist, dass auch in der Gamerschaft mehr & mehr "verbissen" um die ganz eigene & persönliche "Bubble" gekämpft wird und dieses ganze Theater die Sache -an sich- nicht besser macht. Ganz im Gegenteil! Aber auch das ist meine ganz persönliche Meinung. Kuss aufs Auge und so...)

P.S.: Ja... Auch in finde die Kommunikation im Vorfeld bedenklich (Grad was die Testmuster angeht), das Einbinden von "Influencern" ist absoluter Müll und völlig unnötig (Natürlich nicht aus der Sicht der PR), das "Verhalten" vieler großen Verlage ist aber nicht weniger bedenkenlos... Insgesamt kann man wohl sagen, dass CDPR/CP2077 auf jeden Fall auch -mal wieder- die negativen Seiten dieser Branche aufgezeigt hat. Aber aus Erfahrung (Stichwort Lootboxen/InGame Shops) heraus, wird sich wohl nur wenig ändern. Kennt man ja... Esst weniger Fleisch!
