AW: Xbox One - Die neue Xbox
Nach der Vorstellung der neuen Box war ich eigentlich nur ein bisschen ernüchtert darüber, wie wenig eigentlich gezeigt wurde (wenig Specs, zuviel Entertainment mit US-Ausrichtung, kaum Spiele).
Aber mittlerweile ist diese Ernüchterung deutlich gewichen und wurde eher von so etwas wie einem Schockzustand ersetzt.
Denn der ganze Schwall an News, die nach der Vorstellung kamen, hat letztlich viele der Befürchtungen, die im Vorfelde aufkeimten, bestätigt und teilweise hat es sich sogar noch als viel schlimmer herausgestellt als befürchtet.
Die 4 größten Kernprobleme, die ich bisher sehe, sind:
Kinect 2.0
Dass die neue Konsole mit dem neuen Kinect ausgeliefert wird und dass man da kaum drumherum kommen wird, war ja zu erwarten. Aber der Grad der Kinect-Integration ist schon erschreckend. Dass die Konsole ohne angeschlossenes Kinect gar nicht erst arbeiten wird und aktives Kinect damit zum Zwang wird, ist schon schlimm genug. Aber dass Kinect "wegen der einfachen Zugänglichkeit" selbst im Schlafzustand permanent aktiv ist und somit seine Umgebung permanent überwacht, ist schon fast ein Alptraum. Aber es kommt ja noch besser... Denn Kinect soll ja auch noch erkennen können, wer vor der Konsole ist, wer den Controller in der Hand hat etc. Selbst den Herzschlag soll Kinect analysieren können. Wenn man das alles zusammen nimmt, kann einen schon das Gefühl "1984" beschleichen. Das ist im Betriebszustand schon gruselig genug, aber wenn man dann noch den Faktor der 24-Stunden-Dauerpräsenz von Kinect ins Spiel bringt, bleibt nur noch die Konsequenz, dass man den vermeintlichen Schlafzustand durch das Ziehen des Netzsteckers wirklich zu einem Schlafzustand macht.
Always-On
Es wurde ja mittlerweile klargestellt, dass die One nicht permanent online sein muss bzw. dass das nur für bestimmte Dienste der Fall sein wird. Anderseits wurde von MS-Offiziellen ja mittlerweile auch bestätigt, dass dieser Offline-Zustand kein Dauerzustand ist und die Konsole regelmässig (es wurde da von "alle 24 Stunden" gesprochen) Zugang zum Internet braucht.
Das wirkt auf den ersten Blick so als wäre das überhaupt kein Problem. Immerhin leben wir in einer immer stärker vernetzten Welt und ein Großteil von uns ist sowieso regelmässig auf Xbox Live unterwegs. Aber der entscheidende Punkt ist halt, dass wir das zum jetzigen Zeitpunkt alle freiwillig machen, während uns zukünftig ein Zwang ereilt.
Und was passiert, wenn man mal aufgrund von Umzug oder einem technischen Problem mehrere Tage oder Wochen ohne Internet da steht? Ist die Xbox One dann nicht mehr als als komplett funktionsloser Elektronikschrott?
Abwärtskompatibilität/Digitale Spiele
Es war ja aufgrund des Wechels der Systemarchitektur von PowerPC zu x86 nicht wirklich damit zu rechnen, dass die One auf breiter Front 360-Spiele wird abspielen können, aber dass die Abwärtskompatibilität gleich Null ausfällt, ist schon ein herber Schlag. Denn grade von Microsoft, die ja das digitale Spieleregal auf den Konsolen mit XBLA vorangetrieben haben, hätte man eigentlich erwarten können, dass sie eine kundenfreundliche Lösung auf den Weg bringen, die es ermöglicht, die rein digitalen veröffentlichten Titel auf XBLA auch auf zukünftigen Systemen spielbar zu machen. So bleibt leider nur die Erkenntnis, dass der digitale Spielekauf eine Einbahnstraße ist, die nicht grade zukunftsgerichtet ist. Angesichts der Entwicklung hin zu immer mehr digital und immer weniger physisch ist das wirklich ein sehr schlechtes Zeichen weg vom dauerhaften Erhalt hin zum Fast-Food-Konsum. Zumal diese Entscheidung, die Sony ja ebenso getroffen hat, beide Konsolen im Grunde in ein wesentlich schlechteres Licht stellt als Steam. Denn dort ist der Erhalt von digitalen Käufen ja weitaus gesicherter - zumindest solange der Service existiert. Und das auch noch zu besseren Preisen.
Online-Pass 2.0
Die sogenannte Gebrauchtspielsperre, die je nach Aussage mal eine ist und mal keine und zu der sich MS bisher bestenfalls sehr konfus geäußert hat, ist vermutlich eines der schwierigsten Themen der neuen Konsole und wird die Gemüter am meisten erhitzen. Einerseits entspricht das System, so wie es bisher bekannt ist, kaum dem, was am PC Dank Steam seit Jahren gängige Praxis ist: reine Installationsmedien mit Aktivierungsschlüsseln und Account-Bindung. Auch Downloads auf dem XBL-Markplatz funktionieren schon heutzutage im Grunde nicht anders. Andererseits ist die Einführung dieses System auf breiter Front - also inkl. Retail-Spielen - eine absolute Neuerung auf den Konsolen, auf denen der Gebrauchtmarkt bisher gut florierte bzw. wo im Gegensatz zum PC überhaupt noch ein Gebrauchtmarkt im großen Stil existierte. Dass dieser in seiner jetzigen Form wegfällt, dürfte eine der einschneidendsten Entwicklungen überhaupt sein.
Der entscheidende Faktor wird sein, wie MS damit letztlich umgehen wird. Wenn MS so schlau ist, eine Loslösung vom Account zu ermöglichen, so dass der Gebrauchtkäufer das Spiel ohne weitere Kosten neu aktivieren kann und der Verkäufer nach dieser Loslösung keinen Zugriff mehr auf das Spiel hat, könnten sie vermutlich die größte Verärgerung der Konsumenten umgehen. Sollte das System aber wirklich so restriktiv sein, dass man zwar Discs traden kann, aber diese ohne eine neuen Produktschlüssel komplett nutzlos sind und dieser Produktschlüssel den Vollpreis kostet, wird das sicherlich verdammt viele Spieler verärgern und auch die Verkaufszahlen beeinträchtigen.
Aber selbst dieses System könnte funktionieren und sich auf breiter Front durchsetzen. Das hat Steam ja eindeutig gezeigt. Aber dafür müssen dann vor allem die Preise von Konsolenspielen sinken. Denn letztlich wird das bei Steam auch nur so gut akzeptiert, weil die Preise von PC-Titel in der Regel nur 2/3 (oder noch weniger) des Preises der Konsolenvariante ausmachen.
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Es bleibt abzuwarten, ob sich in den nächsten Monaten noch einiges davon relativieren wird. Ob Kinect nicht doch abschaltbar wird, ob die Always-On-24-Stunden nicht dehnbar sind und ob MS nicht doch noch eine freundlichere Lösung in Sachen Produktaktivierung findet.
Aber mir scheint es dennoch so, als hätte MS aus dem letzten Zyklus nicht gelernt. Denn trotz aller guten Neuigkeiten, die in den letzten Stunden ebenfalls bekannt wurden wie z.B. die Erhaltung des Profils, die größere Freundesliste oder dem Schlafzustand von Spielen wirkt die Xbox One auf den ersten Blick wie ein wahres Anti-Konsumenten-Produkt mit immer mehr Gängelung, Einschränkungen und Überwachung.
Man wird sehen, ob es nicht doch Sonys Strategie war, Microsoft bei den schwierigen Themen den Vorzug zu lassen, ins Sperrfeuer der Gamer zu treten, um dann in den nächsten Wochen und Monaten doch noch mit ähnlichen Maßnahmen rauszurücken. Aber am heutigen Tag beschleicht mich doch irgendwie das Gefühl, dass die PS4 für Gamer vielleicht doch das bessere Gerät darstellen könnte.
Aktuell hege ich doch arge Zweifel, ob meine Gamer-Zukunft eine ist, in der die Xbox One eine Rolle spielen wird.