Ich spiele gerade
Alan Wake 2 und bin ungefähr bei der Hälfte angekommen.
So ganz sicher bin ich mir noch nicht, in welche Richtung das Pendel am Ende ausschlagen wird – das könnte in einem
kompletten Verriss enden oder mich doch noch einigermaßen versöhnlich zurücklassen. Aktuell ist mein Gesamteindruck jedoch eine
herbe Enttäuschung. Es gibt einfach zu viele Punkte, die mir gewaltig auf den Zeiger gehen. Zumindest in diesem Punkt bleibt sich das Spiel seinem Vorgänger treu – mit dem mich ja, siehe meine ausführlichen Besprechungen hierzu vor ein paar Wochen, auch eine Art Hassliebe verbindet, ich aber trotz all seiner Schwächen ein riesiger Fan von bin.
Gerade weil ich dieses Hobby so liebe, bin ich oft sehr emotional bei der Sache. Ich lasse mich gerne überraschen und begeistern – wie zuletzt bei
Cyberpunk – aber wenn mich etwas enttäuscht, an das ich eigentlich hohe Erwartungen hatte, schlägt das Pendel auch schnell in die andere Richtung.
Alan Wake 2 macht mich stellenweise fast wütend.
Hat Remedy das Spiel eigentlich selbst als „Survival Horror“ bezeichnet, oder kam das von Journalisten (einer hat’s mal in den Raum geworfen und alle haben’s nachgeplappert)?



Ich hoffe
wirklich, dass das nicht von Remedy selbst stammt. Gerade die ersten Kapitel ziehen sich dermaßen in die Länge, dass man sich eher in einem hübsch inszenierten Walking Simulator wiederfindet. Auch was Inventarverwaltung und Ressourcenknappheit angeht, hat das hier nichts, aber auch rein gar nichts mit klassischem Survival Horror zu tun.
Weitere Kritikpunkte:
Die
Mind Place-Mechanik mit Saga bremst das ohnehin schon schlechte Pacing zusätzlich aus. Anfangs fand ich das noch interessant – okay, ich bin jetzt eine FBI-Ermittlerin und baue Mind-Maps, spannend

– bis ich gemerkt habe, dass sich die Fälle quasi von selbst lösen. Es werden nur bereits bekannte Informationen wiederholt und neu angeordnet. Als Spieler weiß man das alles längst – nur Saga ist noch nicht auf den Trichter gekommen und muss vom Spieler in die richtige Richtung geschubst werden. Und ich habe wirklich nicht grundsätzlich etwas gegen schlechtes Pacing oder Überlängen - Gott bewahre - besonders bei einer so kreativen Geschichte

Aber das hier wirkt einfach unnötig und nervtötend.
Und die Kämpfe! Oh mein Gott, die Kämpfe!!
Was ist denn da bitte passiert?? Wie kann man das im Vorgänger zwar nicht perfekte, aber immerhin schön dynamische und einigermaßen wuchtige Licht- und Schattenspiel so dermaßen verhunzen? Die Waffen haben null „Druck“ – als würde ich mit einem Pie-Shooter schießen. Trefferfeedback mangelhaft, die eh schon miese Gegnervielfalt des Vorgängers hat man nochmal unterboten... Das Ganze garniert mit einer leider in Mode gekommenen UNMÖGLICHEN Kamera, die so nah an die eigene Schulter ranzoomt, dass man überhaupt nicht mehr wahrnehmen KANN, was links und rechts von einem passiert – eine Unart sondergleichen – man wird aus genau diesem Grund (zumindest bisher) nie mehr als zwei oder drei Gegner gleichzeitig auf den Spieler hetzen. Man schaue sich bitte mal zum Vergleich die dynamische und teilweise recht clever eingesetzte Kamera des Vorgängers nochmal an und vergleiche mit diesem Murks!!!
Das Positive soll nicht unerwähnt bleiben
Was das Storytelling angeht – und das wird niemanden überraschen, der mich ein bisschen kennt – trifft
Remedy doing Remedy-things bei mir voll ins Schwarze. Das ist so kreativ, so abgefahren, und ich bin wahnsinnig gespannt, wie Remedy ihr „Connected Universe“ in den kommenden Jahren weiter ausbauen wird. Allein deshalb werde ich das Spiel auf jeden Fall zu Ende spielen.
Auch der Soundtrack ist wieder großartig – ähnlich stark wie beim Vorgänger – und optisch macht das Spiel wirklich einiges her.