Ja, ich sage doch, dass ein Service Game immer weiter entwickelt werden muss. Ich habe auch nicht gesagt, dass zu wenig Content da wäre. Mir ging es nur darum, dass all das was schon feststeht auch hätte schon im 'fertigen'/veröffentlichten Spiel sein können.
Sicherlich hätten einige/alle Dinge schon in der Launch-Version des Spiels sein können. Aber so funktionieren Live-Service-Spiele nunmal nicht.
Und der einzige "Vorwurf", den man Ubisoft machen kann, ist, dass sie so ziemlich der einzige Publisher sind, die Live-Service-Spiele verstanden hat. Im Vergleich zum klassisschen Spiel + X Erweiterungen/Season Pass-Modell sind Ubisoft-Spiele tatsächlich Spiele, die im Laufe ihres Support-Zeitraums wirklich "live" sind.
Ich kann hier bei "The Division" nur bedingt mitreden, aber AC Odyssey funktioniert im Grunde nach dem gleichen Prinzip. Und AC Origins war im Grunde eine Light-Version dessen. Statt wie bisher nach dem Launch ein paar Wochen Patches und eventuell 1 oder mehrere Addons nachzuliefern, wird das Spiel seit ca. November nach dem Tröpfchen-Prinzip mit neuen Inhalten versorgt. Mehrmals im Monat gibt es entweder eine neue Episode des Bezahl-DLCs oder neue kostenlose Inhalte in Form von besonderen Gegnern/Schiffen und neue Quest-Ketten.
Und grade bei der Machart der Quest-Ketten wird klar, dass die schon lange, bevor sie live gehen, fertig waren und dass grade die früh im Lebenszyklus des Spiels veröffentlichten Inhalte auch im Hauptspiel hätten drin sein können. Das sieht man nicht nur daran, dass neue Erfolge bereits Wochen vor VÖ der Inhalte online sind, sondern auch daran, dass die neuen Quest-Ketten alle voll vertont sind. Und natürlich wird Ubisoft die Sprecher der Hauptcharaktere nicht alle 2 Wochen ins Aufnahmestudio bitten, um 5 Minuten Dialoge einzusprechen, sondern sowas wird mit entsprechendem Vorlauf geplant.
Aber auf diese Art und Weise erreichen sie halt, dass viele Spieler ihrer Spiele entweder bei der Stange gehalten werden oder regelmässig zurückkommen - vor allem regelmässsiger als bei klassischen DLC-/Season Pass-Modellen, die nur alle paar Monate wirklich frische Inhalte bekommen haben. Und für die diejenigen, die im April 2019 immer noch an AC Odyssey dran sitzen oder diejenigen, die in 3 Monaten noch The Division 2 Spielen, ist das natürlich eine nette Sache, dass sie alle paar Wochen ein bisschen Kleinkram zu spielen haben.
Das ganze Prinzip muss man jetzt nicht mögen. Ich hab mich bei AC Odyssey mittlerweile auch ausgeklinkt, weil ich festgestellt habe, dass ich lieber irgendwann zurückkehre und dann 20, 30 oder 40 Stunden investiere, um alle Inhalte auf einmal zu spielen, anstatt mich jede Woche für 1-2 wieder in die Steuerung, meine Ausrüstung und meinen Build, der sich durch Patches auch ändern kann, einzuarbeiten.
Aber solange wirklich neue Inhalte (zeitlich begrenzte Events mal ausgenommen) nicht wieder aus dem Spiel entfernt werden, ist das ein Modell, das auf Dauer mehr Leute glücklich macht als die alten Modelle. Diejenigen, die wirklich dabei bleiben wollen und die Ubisoft mit diesem Modell abholen will, freuen sich darüber, dass immer mal wieder ein bisschen neue Inhalte bekommen, während alle anderen, die nur alle paar Monate oder nur einmal für DLC-Inhatle zurückkommen wollen, dadurch einen satten Batzen an neuen Inhalten bekommen, der sie vielleicht auch länger an einem Stück beschäftigt als früher der Fall war, wo es z.B. im Falle von Assassins's Creed nur 1 oder 2 DLCs gab.
Natürlich kann man es mit diesem System auch übertreiben, indem neue Inhalte grundsätzlich immer nur als Events zeitlich begrenzt zur Verfügung stehen und die Pubisher die Spieler so regelrecht zur Rückkehr zwingen wollen, aber das ist in den Ubisoft-Spielen der letzten 1-2 Jahre ja nur bedingt der Fall. Die meisten inhalte sind dauerhaft verfügbar. Und deshalb bin ich auch der Meinung, dass Ubisoft Live-Service-Games derzeit verstanden hat wie kein anderer Publisher. Ob das dauerhaft so bleibt, ist eine andere Frage, aber dann hat man ja immer noch die Option, zu sagen "Ist nicht meins, ich suche mir andere Spiele, die besser zu mir passen".
Und egal, ob nun im Falle von AC Odyssey, The Division oder Rainbow Six hat Ubisoft ja im Vorfeld auch klar kommunziert, dass die 70 Euro nicht nur der Preis für ein vollständiges Spiel zum Launch sind, sondern vor allem auch eine Eintrittskarte für eine Content-Reise, die sich über mehrere Monate erstreckt, und die man über Season- oder Year X-Pässe noch weiter upgraden kann. Und mit diesem Informationen im Vorfeld kann sich halt jeder entscheiden, ob man dafür bereit ist oder lieber klassischere DLC-Modelle unterstützen möchte.