und warum *muß* man *alles* freischalten?
Der entscheidende Punkt ist ja gar nicht, dass man alles freischalten MUSS, sondern die benötigte Gesamtzeit ist eher ein Indikator dafür, wie lange die Freischaltungen in dem Spiel überhaupt brauchen. Und da nunmal vieles an Freischaltungen in dem Spiel über zufallsgenerierte Boxen erfolgt, kann man aus dieser Gesamtzeit zumindest ansatzweise ableiten, dass es gefühlte Ewigkeiten dauern kann, bis man seinen "Traum-Build" freigeschaltet hat. Selbst wenn der Zeitaufwand hierfür nur 5-10% der Zeit, die für die Freischaltung von Allem benötigt, betragen sollte, sind das immer noch irrsinnige Zahlen, über die wir hier sprechen.
Aber da EA schon lange kein kundenfreundliches, sondern ein auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Unternehmen ist, sollte ihm mit "SW BF II" mal ein Denkzettel verpasst werden.
Unternehmen, vor allem Aktienunternehmen, haben nunmal ihren Sinn darin, erstmal ihre Investoren glücklich zu machen. Letztlich geht es bei Unternehmen immer darum, das Maximum aus dem Kunden rauszuquetschen.
Natürlich geht das nicht vollkommen unbegrenzt. Letztlich muss man es halt schaffen, eine gute Balance aus Gewinnmaximierung und zufriedenen Kunden, die auch Kunden bleiben, zu finden. Aber die Unternehmen experimentieren halt mit neuen Geschäftsmodellen immer so lange rum, bis irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem der Kunde nicht mehr mitmacht. Und manchmal schießen Unternehmen bei diesem Ausbalancierungsprozess halt komplett über das Ziel hinaus. Das lässt sich kaum vermeiden, da einem, wenn man sich zu weich und mit zu langsam voran wagt, die Investoren irgendwann auf die Finger hauen. Da vergessen Unternehmer halt schnell mal, dass auch der Kunde König sein muss.
Und unsere Aufgabe als Kunden/Konsumenten ist es halt, den Unternehmen ganz klar zu machen, wo die rote Linie ist, die besser nicht überschritten werden sollte. Dann müssen wir halt Produkte oder Verkaufsmechanismen boykottieren. Das letzte Beispiel der letzten Jahre ist hierfür die originale Xbox One-Vision, die viele Leute einfach nicht mitmachen wollten.
Und durch den Boykott bzw. Prozess haben wir unsere Rolle innerhalb des Marktes wahrgenommen und dafür gesorgt, dass der Markt sich selbst reguliert. Das funktioniert zwar leider nicht immer, so dass immer wieder mal auch der Staat mit Regulierungen eingreifen muss, aber oftmals gelingt es auch einfach durch die Macht des Kunden.
Und manchmal sind auch wir Kunden einfach zu dumm und schauen nicht weit genug voraus. Einerseits schreien viele von uns regelmässig nach superhochauflösenden 4K-Bombast-Spielen mit Singleplayer, Multiplayer sowie Megaumfang und strafen Spiele, die diese Anforderungen auch nur minimal verpassen, gnadenlos ab, und andererseits wird rumgenörgelt, dass wir immer mehr DLC und Season Pässe vorgesetzt bekommen, die wir natürlich auch nicht kaufen wollen, obwohl die Spiele trotz unserer Forderungen nach immer mehr im Laufe der letzten 10 Jahre relativ preisstabil geworden sind.
Battlefront II ist letztlicht exakt das Resultat, dass man mit etwas Vorausschau hätte erwarten können. Bei Battlefront I haben sich viele über den mageren Umfang, den Season Pass und die fehlende Kampagne beschwert. EA reagiert darauf mit einer Kampagne und kostenlosem Post-Launch-DLC, hat aber gleichzeitig das Problem, dass dadurch die Produktionskosten steigen und man die fehlenden Umsätze anderweitig erzielt werden müssen. Und das passiert halt in diesem Fall durch die Lootboxen. Ist EA dabei über das Ziel hinaus geschossen und nicht in der Lage gewesen, eine vernüftige Balance zu finden? Keine Frage, hier sind deutliche Fehlentscheidungen getroffen worden.
Aber einen nicht ganz unwesentlichen Teil dieses Desasters haben wir Kunden uns auch selber zuzuschreiben, weil wir halt auch immer mehr und immer hübscheres Bling-Bling zum gleichen Preis haben wollen. Und ich bin mir sicher, dass die PS Pro und die Xbox One X sowie die nächste Konsolengeneration diese Entwicklung nur noch weiter beschleunigen werden, da die Erwartungen der Kunden weiter und weiter steigen, was letztlich in permanent weiter steigenden Produktionskosten resultieren wird.
Dieser Beitrag ist jetzt auch wahrlich nicht als Verteidigung von EA gedacht. Die Art und Weise, wie EA dieses Produkt behandelt hat, ist absolut katastrophal. Vielmehr habe ich aufzeigen wollen, dass auch wir als Kunden, sowohl im Posiitiven als auch im Negativen, sehr viel Einfluss darauf haben können, wie sich der Markt entwickelt. Wir können mit Boykotten, Protesten und dem richtigen Kaufverhalten vieles ins Positive verschieben. Aber durch irrationales Verhalten, falsche Kaufentscheidungen und Boykotte bzw. Proteste an der falsche Stelle können wir auch Situationen schaffen, die uns letztlich langfristig auf die Füße fallen.
Denn eines sollte man nicht vergessen: Unternehmen sind nicht unsere Freunde und haben nicht vor allem unser Wohl im Auge, sondern sie dienen in erster Linie den Investoren. Von daher ist es für uns Kunden eben auch wichtig, dass wir Marktmechanismen verstehen und sie zu unseren Gusten zu manipulieren wissen. So, wie es eben auch Kapitäne der Untehmen machen, denen wir letztlich immer unterlegen sein werden. Aber zumindest können wir versuchen, diesen Abstand zu verkürzen, indem wir uns informieren und überlegt handeln.