Ich hab mich gestern mal die verschiedenen Bereiche des Spiels angeschaut und werde mal meine ersten Eindrücke zusammenfassen. Ist vielleicht ein bisschen unstrukturiert, weil ich das einfach nur mal schnell runtergetippt habe, aber vielleicht hilft es ja doch ein paar Leuten, die noch nicht wissen, was sie von dem Spiel halten sollen.
Kurz vorweg: Ich liebe zwar Rennspiele, aber ich bin a) reiner Controller-Spieler und b) bestenfalls Mittelmaß was Fahrerskills betrifft. Mir ist es auch relativ egal, ob ein Spiel nun Arcade, "Simcade" oder Sim ist. Ein Rennspiel macht mir entweder Spaß oder nicht. Das kann heute ein Arcadespiel sein und morgen eine Sim. Aber Realismus des Fahrmodells alleine ist für mich absolut kein Maßstab, nach dem ich Rennspiele bewerte.
Grafik/Performance
Fangen wir einfach mal mit dem Punkt an, der mir persönlich am meisten Sorgen bereitet hat, da ich nur auf einer One S spiele und somit die schwächste der aktuellen Konsolen am Start habe. PCars 1 und 2 waren (besonders zum Launch) nicht sonderlich gut optimiert und ich war ehrlich gesagt schon drauf eingestellt, mir das Spiel bei Microsoft rückerstatten zu lassen. Vor allem, da ich ein Youtube-Video mit One S-Footage gesehen habe, das absolut gruselig aussah.
Aber ich bin bisher eher positiv überrascht. Grafisch reißt das PCars 3 absolut keine Bäume aus, wobei die Qualität durchaus schwankt. Ich würde es jetzt nicht als das hässlichste Rennspiel der Generation bezeichen, aber es ist schon eher im unteren Drittel anzusiedeln. Das Spiel ist oftmals arg detailarm, es gibt deutlich auffällige Pop-Ups und auch die Kantenglättung kann am besten mit "nicht vorhanden" beschreiben.
Die Framerate hingegen blieb in den bisher absolvierten Karriererennen und im selbsterstellten Singleplayer-Events relativ stabil. Klar, es gibt immer mal wieder Framerateeinbrüche und auch kurzes Tearing, aber insgesamt hält die Framerate weit mehr Stand als ich erwartet hatte, solange man das Fahrerfeld überschaubar hält. Ich hatte bisher Rennen mit 4, 8 und 16 Autos und in diesen war das alles durchaus akzeptabel. Es läuft nicht so flüssig wie F1 2020, bei dem es Codemasters tatsächlich geschafft hat, die Einbrüche, die es auch in F1 2019 in einigen Situationen noch gab, fast gänzlich auszumerzen, aber andererseits hatte ich bisher auch keine so starken Einbrüche, dass es sich deutlich spürbar negativ auf das Fahren auswirkt. Das ist nämlich etwas, das ich gar nicht ertragen kann.
Gameplay mit dem Controller/Fahrphysik
Hier dann jetzt der zweite Knackpunkt. PCars 1 und 2 waren nie wirklich gute Controller-Spiele. Man konnte die Steuerung zwar so weit anpassen, dass sich die Spiele je Fahrzeugklasse zumindest ganz ordentlich fahren ließen, aber es gab immer Fahrzeuge, die mit dem Controller eine echte Qual waren.
Und das ist wirklich der große Vorteil, den PCars 3 gegenüber den Vorgängern hat: Es spielt sich mit dem Controller wirklich gut. Und das liegt nicht nur an der vereinfachten Fahrphysik, der man diverse PCars 1/2-Eigenheiten immer anfühlt, sondern vor allem auch daran, dass die Controllereingaben viel besser umgesetzt werden. Das Fahren in PCars 3 fühlt sich mit Controller tatsächlich erstmal wirklich rund und nachvollziehbar an und nicht so kantig und ruckartig wie noch in PCars 2.
Von dem für mich Goldstandard in Sachen Controllersteuerung, der F1-Serie von Codemasters, ist PCars 3 zwar noch ein ganzes Stück entfernt, aber für die Serie selbst ist das ein riesiger Schritt nach vorne. Ich hab die Karriere mit dem Civic begonnen, aber auch einige Runden im Trophy Truck, dem Audi R18, dem IndyCar, dem Formula B-Fahrzeug, dem Opel Astra, dem Radical RXC-GT, dem EVO IX, dem Ford Stock Car und einigen anderen Fahrzeugen gedreht. Und ich muss sagen, dass ich mit allen Autos ordentlich Spaß hatte. Einige Fahrzeuge wie der Formula B-Bolide sind zwar ungewöhnlich driftig, aber das kann man ggf. durch das Setup noch ausgleichen.
Klar, von den Sim-Ansprüchen der Vorgänger ist man recht weit entfernt. Mit dem Controller fährt es sich jetzt eher wie Zwischending aus Forza Motorsport, Gran Turismo 6, Grid und Driveclub. Aber das hat halt auf der anderen Seite auch den Vorteil, dass Autos, die in Pcars 2 mit dem Controller noch an der Grenze der Unfahrbarkeit waren, hier tatsächlich Freude bereiten können.
Karriere/Progression
Am stärksten ist wahrscheinlich die Karriere auf den Kopf gestellt worden. Die Karriere von PCars 2 war nicht schlecht, aber es fehlte ihr halt an Charakter, weil es zu viele unterschiedliche Rennklassen gab, diese aber unter zu wenig Tiefe litten (F1 und MotoGP haben hier die Nase vorn) und alles viel zu wirr zusammengewürfelt wirkte (z.B. Rennautos im Schnee).
Diesmal setzt man auf ein Progressionssystem, das eher an Forza, GT oder Grid angelehnt ist. Die Karriere setzt auf 2 große Pfeiler, Straßenfahrzeuge und Rennfahrzeuge), die jeweils in ca. 5 Unterklassen (z.B.) Road E, D, C, B, A) aufgeteilt sind, die wiederum durch einen maximalen Performance-Index begrenzt sind. Die Klassenaufteilung wirkt immer noch etwas wirr und könnte deutlich mehr Feinabstufungen gebrauchen, zumal es für die exotischsten Fahrzeuge tasächlich eigene Klassen gibt, aber durch die neu eingeführten Upgrades ergibt sich andererseits auch etwas mehr Flexibilität in der Progression.
Während man im Multiplayer und in eigenen Events auch Fahrzeuge leihen kann, müssen die Autos im Karrieremodus alle gegen Credits erworben werden. Diese wiederum bekommt man nicht durch absolvierte Rennen, sondern durch Levelaufstiege, für die man wiederum EP erfahren muss. Das Levelaufstiegssystem ist etwas arg merkwürdig, da man erst 10 Zwischenstufen aufsteigen muss, um einen neuen Fahrerrang zu erreichen, der dann wiederum neue Autoklassen zum Kauf freischaltet. Pro erreichter Zwischenstufe bekommt man übrigens einen festen Betrag an Credits (6.000 auf Stufe 1, 7.500 auf Stufe 2).
Die gute Nachricht ist jedoch, dass man EP praktisch überall und für so gut wie alles bekommt. Im Multiplayer, in der Karriere, in Rivalenevents, in eigenen Events und für abgeschlossene Rennen, Fahrmanöver (wie saubere Kurven oder gemeisterte Kurven) im Rennen und dutzende Herausforderungen (X Siege auf Strecke Y, X Multiplayer-Rennen oder X Rennen im gleichen Fahrzeug).
Dieses Fortschrittsystem ist ziemlich langfristig ausgerichet. Man wird also mit Credits nicht wirklich überschüttet, jedoch kann man die EP-Ausschüttung vergrößern, indem man Fahrhilfen abschaltet und gegen stärkere KI fährt. Dass die Progression etwas zäh ausfällt, mag jetzt nicht allen gefallen, aber ich finde es eigentlich ganz erfrischend, dass man für sein nächstes Auto tatsächlich etwas tun muss. Das motiviert tatsächlich dazu, auch außerhalb der Karriere mal diverse Fahrzeug-Stecken-Kombinationen auszuprobieren.
Andererseits kann das auch schnell dazu führen, dass man in der Karriere zeitweise festeckt. Pro Unterkategorie gibt es nicht so viele Rennen und sie fallen auch alle verdammt kurz aus. Hier wäre es sehr begrüßenswert, wenn man die Rundenanzahl wie in den freien Events selber erhöhen könnte. Aber wer damit leben kann, zwischen den Karriererennen auch mal eigene Events einzuschieben, sollte damit gut leben können.
Karrierefortschritt erarbeitet man sich übrigens auf 2 Arten: Entweder man schließt in den Rennen Zusatzziele (z.B. X Überholmanöver oder Zeitvorgaben) ab oder man kauft sich neue Events mit Credits frei, die es aber zumindest am Anfang nicht allzu üppig gibt. Und da man auch immer wieder andere Autos braucht und diese upgraden möchte, ist das eher die schlechte Alternative.
Upgrades/Tuning
Denn im Gegensatz zu den Vorgängern gibt es nicht nur Tuning, sondern Upgrades, wie man sie z.B. in der Forza-Serie findet. Dieses System fällt zwar nicht ganz so umfangreich aus wie dort, aber es bietet einem durchaus einige Möglichkeiten, die Autos an die eigenen Wünsche anzupassen. Mein Start-Civic hatte z.B. kein so grandioses Handling, so dass ich einfach bessere Reifen verbaut habe, was dem Wägelchen einen spürbaren Schub verpasst hat.
Es gibt pro Kategorie (Getriebe, Zündung, Turbo usw.) zwar nur 3-4 unterschiedliche Upgrades, aber damit lässt sich schon einiges machen. Vor allem kann man sein Fahrzeug so auch über mehrere Kategorien hinweg (bis hin zum Rennumbau) aufwerten, so dass man auch eine stärkere Bindung zu den Boliden aufbauen kann, was sich dann wiederum durch Fahrzeug-EP in sinkenden Kosten für die Upgrades niederschlägt.
Mehrspieler
Im Gegensatz zu
@Praegel, der ja kurz was zu privaten Rennen geschrieben hat, hab ich gestern ein paar schnelle MP-Rennen und ein geplantes Event ausprobiert. Und davon kann ich aktuell nur abraten. Es waren noch nicht viele Leute unterwegs, so dass ich regelmässig mit Leuten aus Übersee gematcht wurde. Und das hat sich leider in extrem ruckeligen Rennen niedergeschlagen, die nahe an der Unspielbarkeit waren. Das ist kein Vergleich zu F1 2020, wo selbst Ranglisten-Rennen gegen Zufallsgegner sehr, sehr spielbar waren. Vielleicht hatte ich aber auch nur Pech, weil ich das spät am Abend ausprobiert habe.
Nur zu den privaten Rennen kann ich mich bisher nicht äußern. Und die dürften für die meisten Leute ja sowieso wichtiger sein.
------
Alles in allem bin ich bisher nicht enttäuscht. Pcars 3 ist alles andere als perfekt. Aber neue Karrierestruktur, die verbesserte Steuerung und das Upgradesystem gefallen mir sehr gut. Und da weder ein neues Forza noch ein neues, echtes Gran Turismo in naher Zukunft vor der Tür stehen, ist PCars 3 für mich bisher eine recht gute Alternative.