Die Handlung war für mich deutlich intensiver insbesondere gen Ende war die Inszenierung wirklich Hollywood reif und sorgte bei mir für Gänsehaut. Sehr gut fand ich, dass die Vorbereitungen im Spiel sich auf das Ende auswirkten. Wer alle Facetten durchgespielt hat konnte seine komplette Manschaft sicher durchs Ende bringen.
Die Auswirkungen aufs Ende und dadurch letztendlich auch auf Teil 3 fand ich auch gut, allerdings fand ich den Weg dorthin mitunter nicht so gelungen. So dieses "Zwar steht die endgültige Vernichtung allen bekannten Lebens unmittelbar bevor, aber *natürlich* können wir durchs halbe Universum fliegen und deinen lange verschollenen Vater suchen. Und wo wir schon dabei sind gurken wir noch nen bisschen weiter kreuz und quer durch die Gegend um auch allen anderen bei ihren Problemchen zu helfen...". War für mich der Dramaturgie teilweise schon abträglich. War bei Teil 1 zwar nicht anders, allerdings dachte man da ja noch das man es nur mit einem irren Terroristen zu tun hat und nicht mit ner uralten Spezies die regelmässig alles Leben vernichtet.
Von der Atmosphäre und Inszenierung her hatte mich Teil 1 jedenfalls deutlich mehr in den Bann gezogen, besonders wie sich zum Ende dann ab Ilios die Ereignisse überschlugen. Erst kraucht man durch Ruinen einer längst vergessenen Zivilisation, fährt mit dem Mako durch eine riesige Grabkammer eben dieser Zivilisation, um in einer jahrtausende alten Nachricht das wahre Ausmaß der Bedrohung zu erfahren. Wenig später brettert man mit dem Mako durch nen Sprungtor und landet auf der halb zerstörten Zitadelle, nur um kurz darauf an der Außenseite selbiger emporzulaufen, während der Reaper sich grade an der Turmspitze verankert... das fand ich damals so genial, das ich für die teilweise extrem öden Nebenquests komplett entschädigt war. In Teil 2 waren auch coole Dinger bei, aber so der richtige Bombastmoment fehlte mir irgendwie. Ist im Endeffekt aber auch in Ordnung, denn Teil 2 ist nunmal die Mitte der Trilogie und letztendlich einfach nur die Vorbereitung auf das (hoffentlich) große Finale im dritten Teil.
Zum Thema Waffen bin ich sehr froh dass dies abgespeckt wurde.
In Teil 1 fand ichs auch zuviel, einfach weil auch primär nur unnützes Zeug dabei war, bei Teil 2 haben sies dann allerdings in die andere Richtung übertrieben. 3-4 Stück je Waffengattung ist da zu wenig, vor allem da sie sich kaum unterschieden haben. Nen Modifikationssystem ähnlich Teil 1, nur noch nen Tick komplexer hätte da nicht geschadet.
Und wo ist ME1 mehr Rollenspiel als ME2? Nur weil man sein Inventar bis zum letzten Winkel konfigurieren kann? Das macht für mich kein Rollenspiel aus. Eher das meine Handlungen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Spielgeschehens haben.
Charakterentwicklung (Attribute, Fertigkeiten), Partyzusammenstellung, Ausrüstungsverwaltung etc. sind allerdings wesentliche Bestandteile eines Rollenspiels. Story, Dialoge, multiple Enden sind nur weitere Bausteine, aber eben keine rollenspielexklusiven. Das sind alles Elemente die man auch in jedem x-beliebigen Genre haben kann und vor allem der Teil, das deine Handlungen Einfluss auf die Story nehmen. Funktioniert in nem Adventure, Shooter oder sogar Strategiespiel.
Man sollte dabei auch nicht vergessen, dass die ME Spiele noch NIE als reine Rollenspiele vom Entwickler angepriesen wurden, sondern stets als Actionspiel mit Rollenspielelementen.
Wo hasten die Info her?
Bei 30 Sekunden: "We're building a roleplaying game for the Xbox 360".
Ein großer Unterschied, wie ein jeder bemerkt der mal Oblivion und Co gespielt hat.
Eigentlich nicht wirklich, zumindest wenn man Teil 1 nimmt. Bei Teil 2 stimmts, das ist nen Shooter mit Rollenspielelementen.
Aber das ists ja auch was Bioware mit Teil 2 erreichen wollte, das Genre für ein größeres Spektrum an Leuten zugänglich machen. Und durch das eh schon shooterlastige Kampfsystem war die Duty Calls-Moorhuhnshooterfraktion natürlich die perfekte Zielgruppe, zum leidtragen der Rollenspielfraktion.
Ist natürlich alles Kritik auf hohem Niveau und Mass Effect 2 fand ich insgesamt auch wirklich sehr gut, nur diverse Designentscheidungen kann ich nicht nachvollziehen, denn man hätte das Spiel in Puncto Zielgruppenerweiterung denke ich auch problemlos zugänglicher machen können ohne das ganze Charakter- und Ausrüstungssystem auf "Ballaballa"-Niveau runterkürzen zu müssen.
Nichtsdestotrotz freue ich mich schon drauf Teil 1 und 2 demnächst nochmal komplett am Stück durchzuzocken, um mir nen entsprechenden Spielstand für Teil 3 anzulegen. Und um Shadowbroker und Arrival zu zocken.
