Aber was wäre gewesen wenn einer der Lehrer eine Waffe gehabt hätte um sich und die Kinder zu verteidigen ?
Du kannst sicher sein, dass genau dieses Argument von der National Rifle Association (NRA) um Charles Bronson ins Feld geführt wird. Das ist ja nach jedem Amoklauf das Gleiche. Wenn jeder eine Waffe hätte, dann wäre so so nicht passiert. Dann kommt noch das übliche Wilde-Westen-Argument, dass das Recht zum Tragen einer Waffe, bzw. zur Selbstverteidigung ein Grundrecht sei.
In meinen Augen ist das alles gequirlte Scheisse. Es kann ja doch niemand ernsthaft verlangen, dass in einer Grundschule mit 6- bis 10-jährigen Schülern Waffen herumliegen. Was ist, wenn ein Lehrer durchdreht? In den USA selber sterben jährlich mehr als 30'000 Menschen durch den Gebrauch von Schusswaffen, dieser Amoklauf ist nur die traurige Spitze dieser Entwicklung. Aber kann einem das wirklich erstaunen? In einem Land mit teilweise bedenklich niedrigem Bildungsniveau, einem Land, dass sich ununterbrochen im Krieg befindet, einem Land, in dem viele Eltern kein Problem haben, ihrem 5- oder 6-jährigen Kind das Schiessen beizubringen aber gleichzeitig einen Herzinfarkt kriegen, wenn es im Fernsehen einen Nippel sieht?
Amerika spaltet sich in etwa zwei gleich grosse Lager. Die einen befürworten strengere Waffengesetze, die anderen wollen, dass alles so bleibt wie es ist. Die Diskussionen verlaufen in etwa immer gleich: Zuerst grosse Betroffenheit, dann endloses Gelaber und am Schluss ist der Amoklauf im Sog des täglichen Nachrichtenstrudels untergegangen und nichts ändert sich.
Auch wenn man die Waffengesetze ändern würde, ändert sich nicht viel. In Amerika sind dermassen viele Schusswaffen im Umlauf, dass die Bürger noch auf Jahrzehnte versorgt sind. Vor allem im Süden der USA hat ja fest jeder sein eigenes kleine Waffenlager...
Aber ich muss offen zugeben, dass es in der Schweiz nicht viel besser ist. In der Schweiz ist jeder männliche Bürger verpflichtet Militärdienst zu leisten. Und im Militär kriegt man dann entweder ein Gewehr oder eine Pistole, das/die man dann mit nach Hause nimmt, schliesslich könnte die Schweiz angegriffen werden. Das macht ja auch Sinn, wenn das Land an einer sooo exponierten Lage liegt :autsch:. Und auch bei uns laufen die Diskussionen heiss, ob das noch zeitgemäss ist, da diese Schusswaffen immer wieder bei Selbstmorden und familiären Trägoden (Frau erschossen, Kinder erschossen) zur Anwendungen gelangen. Erst nachdem ein junger Soldat aus reinem Spass von einem Hügel in ZH-Höngg mit dem Sturmgewehr auf eine Frau geschossen und sie getötet hat, hat ein Umdenken stattgefunden. Heute gibt es eine psychologische Überprüfung, ob jemand wirklich für das Militär und Schusswaffen geeignet ist oder nicht. Also liegt die Macht jetzt bei den von mir über alles geliebten Psychiatern und Sozialpädagogen.
Ich persönlich befürworte ein absolutes Verbot von Schusswaffen im privaten Bereich. Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass damit alle Probleme gelöst sind. Irgendwie kann man sich immer eine Waffe besorgen und dann nehmen sie halt ein Messer oder eine andere Waffe. Wer erinnert sich zum Beispiel nicht an den Spinner, der mit dem Messer in der Passantenzone wahllos auf Menschen eingestochen hat? Oder sie fahren mit dem Auto Leute um oder basteln sich einen kleinen Sprengsatz, usw., usw..
Die traurige Wahrheit ist nunmal, dass es die totale Sicherheit nie geben wird. Wir werden uns einfach damit abfinden müssen, dass es auf unserer Welt Irre wie Breivik, Klebold, Harris, Tim K. oder einen Fritz Leibacher gibt, die in ihrem Hass andere Menschen umbringen werden.
Solche Anschläge wie der in Newtown, Columbine, Winnenden oder Erfurt sind einfach speziell tragisch, da hier überwiegend Menschen zum Opfer werden, die erst am Anfang ihres Lebens stehen. Und wer selber Kinder hat, der kann ansatzweise erahnen, wie schmerzhaft ein solcher Verlust ist.