Warum lasse ich da etwas außer Acht? Natürlich können die Outlets nur darum Impressions einfahren, weil es Leser*innen gibt. Sonst würde das ganze ja nicht funktionieren.
Du hast erneut betont, dass mit Reviews oder auch Vorberichten Werbung für ein Spiel gemacht wird.
Aber diese Werbung ist ja einfach nur ein Nebenprodukt. Sämtliche Berichterstattung über Medien, Produkte und Services ist kostenlose Werbung, solange sie nicht ausschließlich negativ ist.
Aber das Kernziel ist ja nicht die Werbung, sondern die Erfüllung einer Nachfrage seitens der Kundschaft.
Wenn ich so manche Stimmen in Podcasts etc. höre, wären die meisten Spielejournalisten froh, wenn sie sich diesen Preview-Journalismus nicht mehr hingegeben müssen. Aber solange die Nachfrage herrscht, muss sie halt jemand erfüllen. Und wenn Du sie nicht erfüllst, schießt Du Dich schnell ins Aus. Und damit auch jede Menge Jobs, die daran hängen.
Du postet hier im Forum regelmäßig Spieleankündigungen und Trailer, weil Du denkst, dass Deine Mitforisten daran Interesse haben. Aber genau genommen ist das auch nur kostenlose Werbung für Spiele, aber das wird sicherlich nicht Deine eigentliche Intention hinter den Posts sein.
Damit zeigst du du doch ein sehr prominentes Beispiel das beweist, dass es überhaupt nichts nützt wenn möglichst viele Medien über einen Titel berichten. Es hat eher negative, für Kund*innen schädliche Wirkung.
Das sehe ich etwas anders. Es gab ja durchaus skeptische Stimmen zu Cyberpunk. Und letztlich wurde hier vor allem eine Nachfrage seitens Kundschaft bedient.
Dass sich dieser enorme Hype aufgebaut hat, liegt ja auch an etwas anderem, dass Du hier angesprochen hast:
Das ist eben deine Sichtweise. Solange die Outlets auch nur Echokammern sind (um es mal zu überspitzen) ist es mir herzlich egal wie fair (also dass alle ein Stück vom Werbekuchen abgekommen) es ist. Vielleicht wäre es sogar ganz gut, das einige Medien sich nicht mehr halten können. Aufmerksamkeit ist eben auch eine begrenzte Ressource und wenn die nicht mehr von bunten und lauten Medien besetzt wird, hat man dann vielleicht etwas für besseren Journalismus übrig.
Wer hat denn diese Echokammern entstehen lassen? Die Kunschaft, weil sie halt oftmals nur eine Berichterstattung wünscht, die ihre eigenen Erwartungen bestätigt.
Kritische Berichterstattung, die nicht dem enspricht, was erwartet wird, bekommt oft die Rechnung dafür, in dem Berichterstatter belästigt werden oder gar Morddrohungen bekommen. Natürlich hält man sich in einem solchen Umfeld mit Skepsis (z.b. in Form von Meinungsartikeln) zurück, solange man diese nicht mit Fakten (z.B. in einem Test) untermauern kann.
Und im Falle von Cyberpunk hatten wir halt eine Situation, in der der Großteil der Spielerschaft CDPR als weißen Ritter der Spieleindustrie sehen wollte, der alles anders macht als die anderen großen Publisher. Wer das hinterfragt hat, war teilweise gar der Feind.
Aber am Ende haben wir halt gesehen, dass CDPR durch und durch genauso ist wie die anderen Publisher. Durch das Verschicken nur der PC-Testmuster haben sie die Berichterstattung manipuliert, indem nur eine Version zugänglich war, die in weit besseren Zustand war als die Konsolenversion.
Und diese Erfahrung hat viele in den Medien zu gebrannten Kindern gemacht, was im Falle von Forspoken genau die Reaktion hervorgebrach hat, die Du jetzt kritisiert.
Und da kommen wir zum nächsten Punkt:
Das ist eben der Punkt wo die ganze Erzählung der Outlets, die nicht bemustert wurden zusammenfällt.
Die fällt meiner Meinung nach überhaupt nicht zusammen. Es hat sich ja bestätigt, dass man in Bezug auf Forspoken hat vorsichtig sein müssen. Genau davor haben die Outlets gewarnt, die drauf hingewiesen haben, dass nur bruchstückhaft bemustert wird.
Nun ist das ganze für Square Enix trotzdem nach hinten losgegangen. Wir wissen nicht, warum sie bestimmte Medien nicht bemustert haben, die vorher immer von ihnen bemustert wurden. Hatten sie sich von den anderen positivere Reviews versprochen? Wussten sie, dass das Feedback weitgehen schlecht sein würde und wollen sie den Schaden durch weniger Reviews zumindest eingrenzen?
Was auch immer die Motive waren, Square Enix ist das komplett um die Ohren geflogen, weil die Berichterstattung über das Spiel nicht in Vergessenheit geraten, sondern stattdessen regelrecht explodiert ist.
Über die (in dem Fall unnötigen) Warnungen der Leute, die nicht bemustert wurden, könnten wir wirklich diskutieren, wenn sie komplett unbegründet gewesen wären, aber so haben sie genau den Zweck erfüllt, den die Presse erfüllen sollte: Die Kunden informieren/warnen, damit sie eine möglichst gute Kaufenscheidung treffen können.
Und nochmal auf den Post zurück:
Das ist eben deine Sichtweise. Solange die Outlets auch nur Echokammern sind (um es mal zu überspitzen) ist es mir herzlich egal wie fair (also dass alle ein Stück vom Werbekuchen abgekommen) es ist. Vielleicht wäre es sogar ganz gut, das einige Medien sich nicht mehr halten können. Aufmerksamkeit ist eben auch eine begrenzte Ressource und wenn die nicht mehr von bunten und lauten Medien besetzt wird, hat man dann vielleicht etwas für besseren Journalismus übrig.
Ich sehe im klassischen Spielejournalismus jetzt ehrlich gesagt nicht so viele laute und bunte Medien. Das findet meiner Meinung nach vielmehr auf Youtube und bei Influencern statt, weil Youtubes Algorithmen Kontroversen befeuern.
Deshalb sehe ich jetzt ehrlich gesagt wenig Wert darin, den klassischen Spielejournalismus einfach abzubrennen. Dann haben wir nur Ruinen, aus denen nichts mehr aufgebaut werden kann, weil die Journalisten ihren Job einfach quittieren.
Viel wichtiger ist eine Transformation hin zu Angeboten, die sich alternativ finanzieren. Und das geschieht nicht über Nacht, weil es ein Umdenken bei den Kunden erfordert. Und das kann man nicht erzwingen, das kann nur über einen schleichenden Prozess funktionieren, dem es aber komplett unzuträglich ist, wenn wir vorher schon ein Massensterben der Medien erleben.
Und was mir bei Deinen Posts ehrlich gesagt fehlt, sind Lösungsansätze. Mit fast allen Deinen Posts, versuchst Du Löcher in unsere Argumentationen zu pieksen, aber einen wirklich konstruktiven Post der aufzeigt, der aufzeigt, wie unter den Bedingungen, die jetzt herrschen, einen besseren Umgang wie mit der fehlenden Bemusterung finden kann, vermisse ich bisher.
Dass die Medien, die nicht bemustert werden, einfach den Mund halten, kann ja auch nicht die Lösung sein.