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Forspoken und Spielejournalismus

douggy

Frührentner
Die Realität ist halt, dass die Publisher über Jahrzehnte hinweg ein Abhängigkeitsverhältnis geschaffen haben, bei dem die Presse frühen Zugang zu Review-Codes bekommt, damit Reviews zum Lauch da sind.

Naja. Man kann es auch so sehen, dass die Presse ihr Geschäftsmodell darauf aufgebaut hat, also sich willig in die Abhängigkeit begeben hat. Man will ja auch immer 5min vor der Konkurrenz veröffentlichen ..
 

Thommysoft

Aktuell als Moderator inaktiv.
Team
Naja. Man kann es auch so sehen, dass die Presse ihr Geschäftsmodell darauf aufgebaut hat, also sich willig in die Abhängigkeit begeben hat. Man will ja auch immer 5min vor der Konkurrenz veröffentlichen ..

Natürlich hat sich die Presse dem System damals willentlich hingegen, weil sie für sich Vorteile darin gesehen hat. Ich will die Presse hier nicht freisprechen.

Aber die Machtverhältnisse haben sich seit dem Zeitschriftenzeitalter durch online halt massiv verändert.

Und so mancher aktueller Verlag/Journalist würde sich wahrscheinlich nichts mehr wünschen als dass Geschäftsmodell schon vor Jahren/Jahrzehnten geändert zu haben.

Aber sie müssen halt mit dem Geist leben, den (zumeist) andere aus der Flasche gelassen haben und der sich nicht so einfach wieder einfangen lässt.

Mit dem Wissen von heute hätten viele Verlage z.B. gar nicht erst damit angefangen, kostenlos mit Werbung im Internet zu publizieren. Aber die Uhr kann man halt nicht zurückdrehen, weshalb man mit den aktuellen Realitäten leben muss. Und diese zu verändern, ist ein langsamer und schmerzhafter Prozess.
 

AlterZockherr

liebt 4k/60fps Gaming
Ich halte "unabhängigen" Spielejournalismus in unserer Zeit für grundsätzlich unmöglich. Will man Geld verdienen, muß man "mitspielen" oder man verdient eben kein Geld. Insbesondere dann, wenn ein Verlag und dergleichen hinter dem Magazin steckt, hat man gar keine andere Wahl. Selber bin ich schon lange nicht mehr bereit Geld dafür auszugeben. Mir will auch einfach kein Grund mehr einfallen, weshalb ich das noch tun sollte. Der Drops ist gelutscht.
 

Khorny

Moderator
Team
Im Prinzip ist die Reaktion von PCGames in dem Fall okay, wenn man eben entsprechend leer ausgeht, während ausgewählte Magazine hingegen Testmuster bekommen. Die Leute gehen nun mal am Releasetag dorthin wo die Musik spielt, wer da auch nur 1-2 Tagen zu spät mit einem Test kommt verliert einen Haufen Klicks und damit Werbeeinnahmen. Das ist ein massiver Wettbewerbs-Nachteil, der ein Magazin natürlich unter Zugzwang setzt, künftig besser nach Gutdünken des Publishers zu arbeiten.

Meines Erachtens wäre es sogar angemessen noch deutlich kritischere Berichte zu dieser gängigen Praxis vieler Publisher einzustellen. Das irgendwelche Magazine, die schon mal sehr kritische über Spiele von Hersteller XY berichtet haben dann plötzlich nicht mehr bedient wurden, dies ist schon häufiger durchgesickert. Aber so richtig hat sich bis heute kein Verlag getraut, da mal richtig den Finger in die Wunde zu legen. Eben auch weil man sehr abhängig von Werbeanzeigen und Testmustern ist.

Mittlerweile haben es Freelancer wie ein Jörg Luibl oder Publikationen abseits des Main Streams (Wasted) tatsächlich besser. Auch was ein von den öffentlich rechtlichen finanziertes GameTwo liefert, finde ich durchaus ansprechend. Die liefern eben nicht zwingend Aktualität und Komplettheit, aber dort wird für ein exklusives Publikum gearbeitet, welches gar nicht darauf aus ist, im kompletten Konsumrausch durch ein Spielejahr zu stürmen.

Trotzdem versuchen auch einige größere Spieleseiten noch so halbwegs ein wenig aufzumucken. Da gehört neben PCGAMES auch Eurogamer häufiger dazu. Die liefern regelmäßig kritische Kommentare und Kolumnen. Trotzdem sind diese Magazine auch gleichzeitig tief im Strudel des ungesunden Day1-Journalismus gefangen. Irgendwann werden vermutlich auch diese Plattformen komplett auf Linie gebracht sein, es sei denn bei uns Konsumenten findet ein Umdenken statt.
 

Darth Caedus

Sofa-Quarterback
Sponsor
Ich halte "unabhängigen" Spielejournalismus in unserer Zeit für grundsätzlich unmöglich. Will man Geld verdienen, muß man "mitspielen" oder man verdient eben kein Geld.

Zum Glück gibt es (für mich) genug wirklich unabhängigen Spielejournalismus, der qualitativ sehr gut ist, der sich teilweise sogar dagegen verwehrt von der Industrie Testmuster anzunehmen oder gar mit dem eigenen Angebot Werbung aus dem Spielesegment zu machen.

Finanziert wird das Ganze dann eben über Crowd-Funding, was bedeutet das die Creator da keine wirklich großen Sprünge machen können, auch wenn manche Projekte sogar ziemlich groß sind inzwischen.
 

douggy

Frührentner
Aber die Machtverhältnisse haben sich seit dem Zeitschriftenzeitalter durch online halt massiv verändert.

Meinst du durch mehr "journalistische" Angebote?
Da haben es die (meisten) Printmedien aber auch verpennt sich ordentlich aufzustellen, vor allem im Videobereich. Diese Lücke haben dann andere für sich genutzt.

Mit dem Wissen von heute hätten viele Verlage z.B. gar nicht erst damit angefangen, kostenlos mit Werbung im Internet zu publizieren.

Keine Ahnung, was die ganzen Abos kosten, aber bei ComputerBase (ok, kein Gamingmagazin) meine ich vom Geschäftsführer gelesen zu haben, dass z.B. die Werbung noch lukrativer ist als der jährliche 25€ CBPro-Pass.
Kostet sowas 10€ pro Monat, wird die Rechnung natürlich anders aussehen.
 

Thommysoft

Aktuell als Moderator inaktiv.
Team
Meinst du durch mehr "journalistische" Angebote?
Da haben es die (meisten) Printmedien aber auch verpennt sich ordentlich aufzustellen, vor allem im Videobereich. Diese Lücke haben dann andere für sich genutzt.



Keine Ahnung, was die ganzen Abos kosten, aber bei ComputerBase (ok, kein Gamingmagazin) meine ich vom Geschäftsführer gelesen zu haben, dass z.B. die Werbung noch lukrativer ist als der jährliche 25€ CBPro-Pass.
Kostet sowas 10€ pro Monat, wird die Rechnung natürlich anders aussehen.

Mehr Konkurrenz in den Medien durch Video und Audio ist ein Faktor, ja. Aber auch die stärkere Abhängigkeit von Werbung und somit Reichweite.

Das ermöglicht halt auch eine stärkere Einflussnahme durch die Publisher z.B. auf Influencer, die mit Journalismus weniger am Hut haben.

Aber auch die klassischeren Spielemedien sind im Bereich Werbung erpressbarer, weil es halt nie wirklich geschafft wurde, ein Werbestandbein zu finden, das unabhängig von der Industrie ist, über die man eigentlich berichtet. Ein großer Teil der Werbung ist immer noch die für Hard- und Software.

Früher hatte man noch Abo-Einnahmen, die irgendwann komplett weggefallen sind und jetzt mühselig wieder eingeführt werden müssen.

Komplett ohne Werbung wird es bei Magazinen, die Text, Audio und Video machen, sicher nicht gehen. Vor allem nicht mit großen Redaktionen.

Aber kleinere, gezieltere Projekte wie The Pod können z.B. 3,5+ Leute pro Monat ohne Werbung und fast durchgängig selbst gekauften Spielen anscheinend tragen und dabei im Schnitt ca. 4 Podcasts pro Woche produzieren. Und liegt der Abo-Preis bei 5-Euro im Monat. Und im Podcast-Bereich gibt es auch noch andere Beispiele wie Stay Forever oder Inside Moin, die aber nicht unbedingt alles Vollzeit-Angelegenheiten sind.

Gamestar bietet für 5-10 Euro im Monat auch viele Inhalte in Plus, die weit höhere Qualität haben als die kostenlosen Sachen. Auch wenn Gamestar sichet eine Mischkalkulation ist, die vom Abo alleine aktuell eher nicht getragen werden könnte.

25€ im Jahr halte ich jetzt auch für zu wenig. Im Quatal vielleicht, aber nicht pro Jahr.
 
Zuletzt bearbeitet:

AlterZockherr

liebt 4k/60fps Gaming
Man muß jetzt aber erst einmal auch schauen, wie lange die jetzige Krise andauern wird und wie es danach ausschauen wird. Momentan steht ja bei vielen Leuten jede Ausgabe auf dem Prüfstand, zumal alles teurer wird. In dieser Phase wird wohl kaum jemand bereit sein zusätzliches Geld für "unabhängigen Spielejournalismus" auszugeben. Eigentlich sind diese Dinge derzeit außerordentlich unwichtig.
 

X30 Neo

Natural Born Gamer
Sponsor
Ich finde Spielejournalismus ziemlich wichtig und kaufe mir auch 2-3 Printmagazine monatlich deswegen (Games Aktuell, Maniac, PC Games usw). Die berichten mittlerweile alle ziemlich kritisch und objektiv, auch was negative Aspekte wie Lootboxen, Crunch und unfertige Spiele angeht.
Das ist verständlicherweise zwar nicht mehr immer auf dem allerneuesten Stand, aber dafür sehr gut recherchiert und hoch informativ. Gerade in diesen Zeiten haben diese Medien unsere Unterstützung mehr als vedient und wer glaubt, dass alles bald wieder billiger wird, befindet sich wohl sowieso auf dem Holzweg. Zumindest kann man sich dadurch einen besseren Überblick über unsere heutige Situation verschaffen, als blind jeder (Fake-) News über Games hinterherzulaufen, die sich im Nachherein dann doch als Ente herausstellt.
 

Thommysoft

Aktuell als Moderator inaktiv.
Team
Man muß jetzt aber erst einmal auch schauen, wie lange die jetzige Krise andauern wird und wie es danach ausschauen wird. Momentan steht ja bei vielen Leuten jede Ausgabe auf dem Prüfstand, zumal alles teurer wird. In dieser Phase wird wohl kaum jemand bereit sein zusätzliches Geld für "unabhängigen Spielejournalismus" auszugeben. Eigentlich sind diese Dinge derzeit außerordentlich unwichtig.

Wenn es danach geht, sind Spiele derzeit auch außerordentlich unwichtig, zumal halt 1 AAA-Current-Gen-Vollpreis-Spiel auch mehr kostet als 1 journalistsches Projekt ein Jahr lang zu unterstützen. Aber die Spiele werden ja auch immer noch gekauft.

Die weiter vorne erwähnten 7,1% Rückgang bei den Spieleverkäufen in Europa sind zwar ein deutlicher Rückgang, aber deuten jetzt auch nicht darauf hin, dass hier massiv gespart würde.

Insofern ist das alles eine Frage der Prioritäten.

Wenn man unabhängigen Journalismus unterstützen will, kann man Spiele halt statt zum Vollpreis erst bei 50% Rabatt kaufen oder statt bei 50% Rabatt erst bei 75, 80 oder 90 Prozent Rabatt.

Die meisten Leute, die so tief in der Materie sind, dass sie sich für unabhängigen Spielejournalismus interessieren, dürften alle so viel Backlog haben, dass sie diese Wartezeit locker aussitzen können.

Es ist ja auch nicht so, dass man für das Geld nichts bekommt. Die im Gegenzug erhaltenen Texte, Videos oder Podcasts können einen übers Jahr gesehen weit länger beschäftigen als selbst ein wirklich langes Triple-A-Spiel.
 
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