Okay, nun also doch etwas früher als erwartet ein paar erste Eindrücke...
Zwei Punkte vorneweg:
1. Dragon Age 2 ist nicht Origins und auch nicht Origins 2. DA2 macht einiges anders, davon ist einiges besser, einiges schlechter. Man sollte DA2 eher als ein Reboot ansehen statt als reine Fortsetzung, ansonsten wird man vermutlich enttäuscht.
2. Die Demo tut dem Spiel absolut keinen Gefallen. Die Demo entspricht dem Intro des Spiels und macht dann einen unlogisch weiten Sprung nach Kirkwall, der so im Spiel nicht vorkommt. Und nach rund 5 Stunden muss ich sagen, dass das Intro bisher der mieseste Teil des Spiels ist.
Der Mass Effect
In gewisser Hinsicht leidet DA2 unter dem gleichen Syndrom wie Mass Effect 2. DA2 ist ist in vielerlei Hinsicht ähnlich wie Mass Effect 2 im Vergleich zum Vorgänger abgespeckt und worden. Ähnlich wie in ME2 sind die einzelnen Levels deutlich linearer, übersichtlicher und karger.
Das Begleitersystem erinnert auch recht stark an ME2. Zwar kann man seinen Begleitern Ringe, Amulette, Gürtel und Waffen anlegen, sämtliche anderen Rüstungsteile, die man findet, sind jedoch nur durch Hawke nutzbar - die Begleiter haben ihre festgelegt Klamotten, die man nur durch Nebenquests bzw. gefundene Items upgraden kann, optisch ändert sich aber wenig. Das macht das Spiel in Sachen Inventarverwaltung weniger komplex und ist durchaus ein Rückschritt, führt aber auf der anderen Seite wenigstens dazu, dass die Begleiter einen klaren optischen Charakter haben und man sie nicht in vollkommen bescheuert aussehende Klamotten stecken muss, nur weil sie bessere Werte haben.
Mit ME2 teilt DA2 auch, dass das Charaktersystem etwas entschlackt wurde - jedoch bei weitem nicht so dramatisch wie bei ME2. Das Attributsystem ist nahezu gleich geblieben.
Die Fertigkeitenbäume wirken jedoch leicht abgespeckt - wobei ich jetzt nicht nachgezählt habe und es durchaus sein kann, dass da gar nichts gekürzt wurde. Jedoch sind die Fertigkeiten weitaus übersichtlicher aufgegliedert und Verbesserungen schalten sich jetzt über etwas veränderte Pfade frei. Die Veränderungen fallen jedoch nicht wirklich dramatisch aus und es wurde auch nicht so sehr simplifiziert, dass man in DA2 jetzt jederzeit einen Alleskönner erstellen kann.
Das Dialogsystem wurde jedoch komplett überarbeitet und erinnert stark an ME2. Alles läuft über das aus ME2 bekannte Dialograd, jedoch bietet DA2 gelgentlich ein wenig abgestuftere Optionen als nur die Vorbild/Abtrünnig-Variationen in ME.
Das Hack-and-Slay-Syndrom und der taktische Unterbau
DA2 spielt sich derzeit leider sehr actionreich, was daran liegt, dass das Kampftempo erhöht wurde und dass man beim aktuell gesteuerten Charakter sämtliche Attacken wie in der Demo selber auslösen muss. In den Bioware-Foren ist zu lesen, dass aufgrund von Problem mit dem Master die Auto-Attacke-Funktion (also wie im Vorgänger) nicht auf den Discs gelandet ist. Die PC-Version hat diese Funktion und bei den Konsolen soll diese per Update nachgereicht werden. Ich frage mich zwar, wie sowas durchrutschen kann, aber immerhin gibt in der Beziehung Hoffnung.
Denn auch wenn der erste Eindruck darauf schliessen lässt, dass Dragon Age 2 mittlerweile ein Hack&Slay geworden ist, so trügt dieser Eindruck dann doch. Wenn man nicht grade auf Leicht spielt, kommt man mit reinem Draufkloppen definitiv nicht weiter. DA2 hat im Grunde immer noch den gleichen taktischen Unterbau wie Origins, jedoch ist alles etwas mehr gestreamlined worden, was anfangs einen etwas falschen Eindruck vermittelt. Auf Normal oder höher ist es auf jeden Fall weiterhin sinnvoll, öfter mal zu pausieren und genaue Befehle zu geben statt sich auf Automatiken zu verlassen. Zumal man Begleiter jetzt auch in der Konsolenversion klarere Befehle geben kann, sich an eine bestimmte Stelle zu bewegen. Von Vorteil z.B. bei Magiern und Fernkämpfern.
Quests
Im Gegensatz zu Origins ist das Questsystem von DA2 leicht verändert. Das Spiel gliedert die Quests stärker auf (Haupt, Sekundär, Begleiter, Neben), wobei die Nebenquests meist absolute Simpelquests sind, während die anderen dann komplexer sind. Die Qualität der Quests, die ich bisher gespielt habe, war durchaus gut bis sehr gut. Wie in Origins muss nicht jede Quest automatisch in einem Kampf ändern. Und auch die Dialoge sind sehr ausführlich gehalten.
"Ich" kann sprechen
Einer der größten Einschnitte im Spiel ist wohl, dass man nur noch einen vorgefertigten Charakter spielen kann und es keine Origins-Storys mehr gibt. Angesichts dessen, dass DA2 eher eine persönliche Story als ein völkerüberspannendes Epos erzählt, ist dieser Punkt durchaus verschmerzbar. Zumal man zumindest ein paar Optionen hat, Hawke zu gestalten. Mir gefiel der Standard-Hawke optisch z.b. mal so gar nicht und hab dann doch lieber einen eigenen erschaffen. Der Vorteil an dieser Entscheidung ist jedoch, dass der Hauptcharakter endlich sprechen kann. Das bringt meiner Meinung nach einen deutlichen Atmosphäre-Bonus im Vergleich zum Vorgänger. Denn dadurch wirken die Cutscenes und Dialoge viel dynamischer und authentischer.
Das Bonus-Item-Problem
Es ist ja mittlerweile durchaus schon fast üblich, dass man als Vorbesteller diverse Bonus-Codes bekommt, dazu. Im Falle von DA2 bekommt man als Früh-Vorbesteller durch die Signature Edition oder das Spielen der Demo sogar noch mehr Codes oder Freischaltungen.
Das ist bei DA2 durchaus ein Problem. Denn die freischaltbaren Objekte sind großteils wesentlich mächtiger als das Standard-Zeug, das man am Anfang des Spiels findet und zudem auch noch ziemlich frühzeitig nutzbar.
Es gab ja schon bei Origins die Blutdrachen-Rüstung, jedoch konnte man diese erst recht spät nutzen. In DA2 kann man sogar schon einen Level 4/5-Charaker damit ausrüsten. Das ist ein echtes Balancing-Problem, über das die Hersteller mal wirklich nachdenken sollten.
Diverses
Noch kurz ein paar andere Punkte. Man kann in den Optionen zwar wie ersten Teil ausschalten, dass die Charaktere nach einem Kampf total vollgesudelt rumlaufen. Was man jedoch nicht abschalten kann, ist der erhöhte Splatterfaktor im Kampf. Das ist wirklich schade, denn es sieht einfach nur lächerlich aus und passt nicht so richtig ins Spiel.
Die Abmischung des Tons empfand ich im Spiel als etwas suboptimal. Die Soundeffekte sind im Vergleich zur Sprache ziemlich laut. Das kann man zwar in den Optionen nachregeln, jedoch führt das nur dazu, dass allgemeine Soundeffekte leiser sind. Die auf Dauer nervtötenden Kampschreie scheinen jedoch über die Sprachtonspur zu laufen und sind leider ziemlich laut - auch in Relation zur restlichen Sprachausgabe.
Und die Achievements aus dem Verbannten-Prinz-DLC sollen sich nicht freischalten lassen. Hier muss man wohl wie in Sachen Auto-Attacke auf ein Update warten. Auch das hätte man eigentlich mal vorher merken können.
"Zwischenfazit"
Da ist der Text dann doch wieder länger geworden als gewollt, obwohl man nach 5 Stunden noch gar kein so komplexes Urteil über das Spiel fällen kann, speziell nicht über Sachen wie Umfang oder die in Test angesprochenen Recycling-Dungoens..
Nach diesen 5 Stunden kann ich jedoch sagen, dass Dragon Age 2 in vielerlei Hinsicht anders ist als Origins: Es spielt sich anders, es fühlt sich anders an.
Und auch wenn ich selber so einige Kritikpunkte gefunden habe (ebenso wie es diverse posivitive Punkte gibt) und Origins auch grade wegen seiner klassischen Tugenden, die hier stellenweise fehlen, so sehr geschätzt habe, kann ich nicht sagen, dass ich DA2 als ein schlechtes Spiel empfinde, noch dass mir das Spielen nicht viel Spaß machen würde. Ganz im Gegenteil, bisher fühle ich mich gut unterhalten.