Da ich jetzt mittlerweile mit dem Spiel durch bin, nutze ich den Platz hier nochmal für ein kurzes Fazit.
Technik
Eines vorneweg: Die "gravierenden technischen Mängel", die einige Magazine dem Spiel bescheinigt haben, sehe ich nicht wirklich. Obwohl ich grade in Bezug auf Tearing doch recht empfindlich bin, fand ich das alles ziemlich im Rahmen. Klar, es gibt immer wieder mal einzelnes Tearing und die Grafik hat einige Popups (die haben Oblivion und Fallout 3, die ebenfallsa uf der Gamebryo-Engine aufsetzen, aber auch), grade was den Bodenbewuchs angeht. Die von den Magazinen propagierten Performance-Einbrüche kann ich jedoch nicht bestätigen, ich hatte vielleicht 2 Stellen im ganzen Spiel, an denen die Performance in unangenehme Bereiche gesunken ist, das war jedoch spätestens nach 5 Sekunden vorbei. Ansonsten gab es ganz selten mal kurze Abrutscher in Sachen Framerate, jedoch waren die kaum zu merken und wirkten sich vor allem auch nicht auf das Gameplay aus. Vor allem in dem großen Gebieten, wo es ja angeblich immer schlimmer werden sollte, habe ich nicht wirklich Probleme gehabt.
Grafik
Ansonsten ist die Grafik zwar nicht Highend, aber absolut ansehnlich. Vor allem der Grafikstil, der eine Mischung aus Oblivion, Gothic und Fable 2 ist, und das Weltendesign haben mir sehr gefallen. Das gilt auch für das Gegner- und Charakter-Design, obwohl man hier und da gleich aussehende NPCs findet, aber dafür laufen halt auch eine ganze Menge in der Welt rum. Absolute Grafikfetischisten werden hier sicher nicht glücklich, aber für ein Halb-Open-World-RPG ist es schon sehr ansehnlich. Zumal es auch auf der 360 aussieht wie auf dem PC in mittleren bis hohen Settings.
Sound
In Sachen Sound sticht Divinity 2 auf jeden Fall hervor. Nicht wegen der bombastischen Soundeffekte, sondern vor allem wegen der wirklich großartigen Vertonung. Auch wenn sich Stimmen logischerweise wiederholen, so ist absolut jeder NPC vertont und das auch in fast allen Fällen exzellent. Betonung, Wortwitz etc. sitzen hier absolut perfekt - besonders die Gremory-Geschwister mit ihrem Akzent sind hier besonders hervorzuheben. Dazu kommt noch ein sehr passender Soundtrack, der natürlich Geschmackssache ist. Aber mir hat er extrem gut gefallen, einige Kompositionen besitzen sogar einen gewissen "Hitfaktor", so dass ich doch an einigen Stellen stehen geblieben bin, um einfach der Musik zu lauschen.
Umfang
Divitiny 2 ist definitv kein Open-World-Umfangsmonster wie Fallout oder Oblivion, zumal es auch nur innerhalb der einzelnen Gebiete wirklich Open-World ist, jedoch bietet es für ein RPG einen sehr soliden Umfang. Laut Tagebuch habe ich meinen letzen Dialog vor dem Ende bei etwas über 35-Nettospielstunden gehabt.
Gameplay
In Sachen Gameplay macht Divinity 2 wirklich fast alles richtig. Als Action-RPG liegt der Fokus natürlich viel auf dem Kämpfen. Aber Divinity findet hier einen guten Mix aus ruhigen Passagen mit den vielen Dialogen, dem Shoppen, dem Ausrüsten des Charakters, dem Erkunden der Welt und dem Kämpfen selber. Besonders die Erkundung ist schon ein Kernelement des Spiels. Nur wer sich wirklich alles anschaut und mit jedem NPC redet, finden wirklich alle Geheimnisse und Quests in der Welt und davon gibt es nicht grade wenige. Besonders das Gedankenlesen ist nicht nur eine interessante Idee, sondern auch wirklich hilfreich, wenn es um das Entdecken von Geheimnissen geht oder einfach darum günstiger einkaufen zu können.
Die Kämpfe an sich ebenso wie die Inventar-Steuerung gehen nach einer kurzen Eingewöhnungsphase flott von der Hand, auch wenn ich mir eine Doppelbelegung der Quickslots schon gewünscht hätte. Aber durch die permanent verfügbare Pausefunktion und deren Möglichkeiten ist auch das absolut kein Problem. Die Kämpfe sind aber trotz Pausefunktion eher action- als taktiklastig.
Aber auch sonst stecken in Divinity 2 eine ganze Menge tolle Gameplay-Ideen wie das Gedankenlesen, die Drachengestalt oder der eigene Drachenturm drin.
Einziger Wermutstropen ist die - optionale, aber extrem lohnenswerte - Erobererung der fliegenden Festungen später im Spiel. Hier geht es letzlich nur darum, alles kurz und klein zu schlagen, um am Ende beim Boss zu landen. Dafür winken als Belohnung aber auch 3 einzigartige Ausrüstungssets, jede Menge Erfahrungspunkte und wertvolle Ausbauten es Drachenturms. Dennoch sind die Eroberungen eine recht langwierige Angelegenheit, die sich gegen Ende etwas arg ziehen.
Balancing
Das Balancing von Divinity 2 ist insgesamt sehr gelungen, was auch an dem sehr ausführlichen und ausgefeilten Charaktersystem liegt - auch wenn man aufpassen muss, dass man sich nicht verskillt. Natürlich trifft man immer wieder auf Gegenden, in denen man keine Chance hat. Aber wenn man sich erst woanders umschaut, auflevelt und dann zurück kommt, dann ist kein Gebiet unschaffbar. Auch wenn der Schwierigkeitsgrad selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad recht hoch ist, so führt das Aufleveln auf jeden Fall dazu, dass man überall eine Chance hat.
Die einzige Ausnahme ist der Endkampf, der absolut knüppelhart ist. Hier sollte man auf jeden Fall dringend speichern. Zum Zeitpunkt des Endkampfes war mein Charakter ein Level 35-Krieger. Die meisten Gegner vor dem Endkampf waren vergleichsweise ein Witz, da ich zwar immer ein wenig Zeit gebrauch habe, um sie klein zu bekommen. Jedoch war meine Ausrüstung in Sachen Resistenzen bereits so gut, dass die Gegner mit ihren Angriffen zu 75% Null Schaden gemacht haben. Im Endkampf jedoch bin ich diverse Male draufgegangen und hatte schon das Gefühl, dass ich gar keine Chance hätte. Hier half nur der Sprung zu einem frühreren Spielstand, um mich nochmal neu mit stärkeren Tränken auszurüsten. Danach war das Ganze zwar auch kein Zuckerschlecken, jedoch hab ich mit ausführlicher Nutzung der Pausetaste den Kampf am Ende durchstehen können.
Story
Hier muss ich nochmal das "vorneweg" schreiben: Das Ende von Divity 2 ist doch recht ernüchternd. Ich möchte hier nicht zuviel spoilern, aber man sollte sich schon klar darüber sein, dass das Finale wohl nicht das bieten wird, was man vielleicht erwartet. Ich kann mittlerweile verstehen, dass einigen Leuten das Ende absolut nicht gefallen hat.
Vom Ende mal abgesehen wird die Story aber sehr schön inszeniert. Man fühlt sich immer wieder motiviert weiter zu machen. Das gleich gilt für die die Stories der Nebenquests. Die Nebenquests sind zwar meistens einfache "Hole Dies"- oder "Töte Das"-Variationen, die aber in der Regel wirklich schön verpack stind. Besonders der Humor ist hier hervorzuheben. Ich kann jedem nur empfehlen, die Quest auf Burg Drachenfels anzunehmen, das Finale der Quest ist ein absolutes Highlight.
Fazit
Für mich ist Divinity 2 eine absolute Spieleperle, nicht nur aber auch besonders für RPG-Fans. Definitiv das Spiel des Jahres bisher. Natürlich hat es so seine Macken, aber welches RPG hat die nicht. Divinity 2 macht einfach so vieles so extrem gut, dass ich über diese einfach hinwegesehen konnte. Ich kann Divinity 2 jedem Rollenspieler nur ans Herz legen. Für mich ist es trotz der kleinen Mängel eine klare 9/10, weniger große Rollenspiel-Fans dürfen einen Punkt abziehen.
PS
Mist, irgendwie ist der Text jetzt doch arg länger geworden als geplant :-/