Jetzt wirds nach vielen vielen Stunden doch mal Zeit für einen ausführlicheren Ersteindruck
Vorher habe ich viel drüber gelesen, dass Spiel sei zu einfach, nicht komplex, langweilig, ohne Charakterentwicklungsmöglichkeiten und schlecht präsentiert.
In der Beta konnte man auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad den ersten Zwischenboss legen und bis Level 13 spielen. Allerdings ist dieser Schwierigkeitsgrad exakt das: einfach und zum kennenlernen. Jeder kann quasi ohne Vorerfahrung das Spiel durchspielen und Diablo bezwingen, mit jeder Klasse. Die Charaktere haben eine unterschiedliche Anlaufzeit, aber spätestes ab Level 12 / 13 kommt man ins Rollen, hat die notwendigsten Fähigkeiten und marschiert ohne weitere Bedenken durch die restlichen Akte (es gibt vier). Bis man im zweiten Schwierigkeitsgrad Nightmare ankommt, hat man sämtliche Skills freigeschaltet und kann frei rumprobieren - denn das ist auch nötig. Mit dem steigenden Schwierigkeitsgrad beginnt das Spiel eigentlich erst. Kann man auf normal einfach durchrennen und alles links und rechts umhauen, muss man auf Nightmare umdenken. Einfache Gegner, kein Thema, immer noch Futter, aber die Champions und deren Gruppen werden stellenweise sehr sehr nervig und man kommt ins Grübeln bzw. Sterben
Das führt direkt zum nächsten Punkt: Komplexität. Jeder kann sechs Hotkeys belegen und dafür aus 25 verschiedenen Skills die passenden raussuchen. Der Clou dabei: jeder Skill kann mit fünf verschiedenen Runen verfeinert werden, so dass noch deutlich mehr Möglichkeiten entstehen. Zusätzlich gibt es noch 15 passive Fähigkeiten, aus denen man drei auswählen kann. Oder in anderen Worten: man kann rumbasteln ohne Ende. Und genau das macht man auch, bevor man das maximale Level erreicht. Levelup - neuen Skill und / oder neue Runen gelernt - erstmal anschauen und alles neu arrangieren. Das Komfortable dabei ist, dass man jederzeit umskillen kann, um etwas anderes auszuprobieren. Und genau das macht man auch, sobald man in Nightmare ankommt.
Allerdings geht es nicht nur um das Skillen sondern natürlich auch um die Items. Jede Klasse hat einen Primärstat, braucht Lebenspunkte und will natürlich mehr Schaden machen. Deshalb rennt man ständig der Karotte hinterher, um seinen Charakter zu verbessern. Oder sollte ich vielleicht hier doch einen anderen Stein reinsockeln? Oder doch mehr Lebenspunkte und Resistenzen? Ständig wird man vor Entscheidungen gestellt

Dabei sei angemerkt, dass durch das Craftingsystem und das Autkionshaus der Start vom Nullpunkt nicht so frustrierend ist, wie in den Vorgängern.
Aber nochmal zu den Möglichkeiten, die man bei der Charakterentwicklung hat. Ja, man kann nicht bei jedem Levelup Attributspunkte verteilen, das passiert automatisch. Allerdings wird man so auch nie einen Charakter verskillen wie es in D2 oft der Fall war...um ehrlich zu sein, ich vermisse es nicht. Denn wie war es in D2? Der Punkt war schnell erreicht, als man nur genug Punkte in Stärke und Geschicktlichkeit steckte und den Rest in Ausdauer. Sehr viel Vielfalt. Und eine Zauberin, die tatsächlich etwas in Energie steckte, war quasi verskillt. Letztendlich war es nur eine vorgegebene Freiheit.
Die Präsentation und das Spielgefühl sind überragend blizzardlike. Man kann über das Unternehmen sagen, was man will. Aber in diesen Punkten können sie immer wieder begeistern. Man fängt an zu spielen und will nur noch eine Quest machen, nur noch ein Levelup, nur noch einen Sockel ändern... schlimm.
Man braucht 40-50 Stunden, um in der Hölle anzukommen und das maximale Level erreicht zu haben. Allerdings hörts hier ja noch nicht auf, da es einen weiteren Schwierigkeitsgrad gibt: Inferno. Der ist zwar nicht ganz so übertrieben schwer wie erwartet, trotzdem muss es hier passen. Die Skillung und die Items müssen abgestimmt und getuned sein, sonst gibts nur Frustmomente pur. Besonders der immer ansteigende Schwierigkeitsgrad in Akt 2 ist phänomenal. Allerdings darf man hier nicht vergessen, dass das Spiel gerade erst rausgekommen ist und die Kennenlernphase noch in vollen Gange ist. Die ersten Builds für Inferno fangen gerade mal an, sich langsam rauszukristallisieren.
Die fünf Klassen sind allesamt gut spielbar und fühlen sich vor allem unterschiedlich an. Bis inklusive Hell kommt man gut voran, obwohl bestimmte Kombinationen bei Championspacks für Melees zwischen extrem ärgerlich und unlösbar pendeln. Dafür sterben die Rangedklassen in zwei Schlägen, das machts auch nicht besser. Nicht, dass das dadurch etwas ausgeglichen wird, aber gerade hier sieht man, dass das Spiel noch in den Kinderschuhen steckt.
Ein dickes Minus habe ich doch noch parat, wenn man mal vom Loginchaos am Releasetag absieht: die Items. Wer D2 LoD gespielt hat, kennt das Gefühl, wenn etwas Legendäres droppt. Deshalb hat man gespielt, deshalb hat man zig Bossruns gemacht.... aber das ist jetzt anders. Erstens sind die Bosse nicht mehr die dicken Itemspender sondern die ganzen Champions, die überall rumstehen. Zweitens sind die legendären Items in den wenigstens Fällen vergleichbar mit gelben oder sogar blauen Items. Allerdings war das in D2 vor der Erweiterung genauso, von daher bin ich gespannt, wie es in dieser Thematik weitergehen wird.
Fazit: mir gefällts. Ohne Zögern eine absolute Kaufempfehlung für jeden, dem Hack&Slay Spiele auch nur ansatzweise gefallen.