Der Tag, an dem ich 50 wurde
Es war am 08.08.2011 als uns der Befehl des Generals aus unserem Alltag riss.
Wir packten eilig unsere sieben Sachen und stiegen in den Hubschrauber.
Das Ziel war ungewiss, irgendwo in Südamerika. Als wir aus dem Huibschrauber stiegen, bliess uns ein heisser, sandiger Wind ins Gesicht.
Nichtsahnend sahen wir uns um. Sand. Überall nur Sand. Den Glauben an Gott begann ich schon vor vielen Schlachten mit meinen Kameraden zu verlieren.
Was hat er sich nur dabei Gedacht, dass Hubschrauber, wieder allen Gesetzen der Natur wie ein Derrwisch im Kreis fliegen kann? Warum konnten Feinde sich uns in den Weg stellen, an denen wir ganze Magazine verschossen, bevor sie umfielen? So manches mal hörte ich das bitterliche fluchen meiner Kameraden: "Der fällt nicht um!"
Da war der Teufel mit im Spiel. Nach einem Gefecht, auf trockenem Brot kauend ging es mir nicht nur einmal durch den Kopf: "Wenn das heute der Teufel war, dann muss es ihn doch auch geben, diesen Gott."
Aber was ging in Ihm vor, als er diesen trockenen, verdammten Ort geschaffen hat.
Die Squads teilten sich auf. In der Ferne war nichts zu sehen durch den Wüstensturm. Nur die Siluette einer Anhöhe. War da eine Stadt? Lauerte dort der Feind? Verflucht sei der Tag, an dem ich der Bad Company beigetreten worden bin.
Der taktische Funk war wie immer anarchistisch. Ein Zeter und Mordio durch alle Dialekte. Da war er wieder, Gott, mit seiner Erfindung, dem babylonischem Sprachgewirr. Der muss da oben den ganzen Tag kiffen, anders kann ich mir nicht vorstellen, warum er nur 8 Soldaten in einem taktischen Funkkreis zulässt.
Ich versuchte so gut es ging, mir den Sand aus dem Gesicht zu halten. Wo rannte mein Squad hin? War ich jetzt einem Panzer zugeteilt? Oder dem Hubschrauber? Nein, der konnte es nicht sein. Muss wohl einen Geheimauftrag haben da er allein gestartet ist.
Da stand noch ein Quad. Also nichts wie hin und hinten auf den Sozius gesetzt. Der Fahrer fuhr los. Ein Wahnsinniger. Ich konnte nur nach hinten schauen und sah (zum Glück) nicht, wo dieser Irre hinpreschte. Ich sah Wasser. Wasser und Wüste? Wo waren wir? Ein seltsamer Ort.
Hätte ich doch nur in der Schule aufgepasst. Naja, dass ist ja der Grund, warum ich hier bin.
Rechts sah ich dann die Anhöhe an mir vorbeiziehen. Ich weiss nicht wo ich bin und auch nicht wo es hingeht. Ein kleines Stück fuhren wir durch seichtes Wasser. Salzig war es, und kalt. Auf der rechten Seite erhob sich eine Wand aus Stahl. Was zumTeufel... War das etwas das Heck vom Bug oder das andere Ende von einem Schiff? Ich hab doch gestern gar nicht so viel gesoffen....
Als wir uns etwas von diesem Ungetüm entfernten wurde es deutllicher. Tatsächlich, ein Schiff in drei Teilen. Ich fasse es nicht.
Unvermittelt ging die Reise zu Ende. Das Quad verlangsamte sich bis es schliesslich stand. Was zum Henker...! Er war weg! Der Fahrer war wie vom Erdboden verschluckt. Ich stellte keine Fragen mehr. Hab ich mir schon vor langer Zeit abgewöhnt.
Schnell den Berg hoch, Dort oben standen auch Häuser. Oben angelangt, hörte ich das tiefe Brummen eines Panzers und.... Oh nein....ein fliegender Derrwisch. Zum fluchen blieb keine Zeit. Die RPG von der Schulter und auf den Panzer geziehlt. Einmal, zweimal, dreimal. Verdammt! Wieviel Blei willst du noch ******n! Dann endlich explodierte das stählernde Ungetüm.
Links und rechts von mir schossen Granaten in den Boden. Mir wurde schwummerig.
Die Brille, welche mich vor dem Sand schützen sollten, lief voll mit rotem Zeug. Das war Blut. Mein Blut. Endlich. Das sollte mein Ende sein. Ich sah das Licht. Es war schön. Kein Sand. Nur ein helles Licht. Ich hatte abgeschlossen. Meinen Frieden gefunden. Wollte gehen. Ich war bereit, dem Schöpfer gegenüber zu treten und Ihn zu fragen, was er sich bei Geräten wie "LagSwitch" gedacht hat.
Aber dazu sollte es nicht kommen. Ein Blitz durchfuhr meinen Körper. Diese Schmerzen! Nein! Jede Faser meines Körpers verkrampfte. Ich öffnete die Augen und sah in das breite Grinsen eines Sanni´s der mir zu rief "Steh auf". Verflucht. Ich bin nicht Lazarus und du nicht Jesus! Lass mich sterben! Zu spät.
Ich sah links, Sand. Blick nach rechts. Wasser. Es ging von vorne los. Wie immer. Jeden Tag. Niemals enden wollend.
Das war der Tag an dem mich auf dem Schlachtfeld das Telegram erreichte. Meine Beförderung zum General. Aber war es das Wert?
Ja, das war es. Viele Stunden mit den Kameraden durch Sümpfe gestapft, durch Wüsten gejagt und durch Dschungel gekämpft. Immer mit den Jungs an der Seite. Ja verdammt, dass war es wert. Und wenn es den lieben Gott wirklich gibt, dann holt er mich aus der Bad Company und schickt mich auf ein neues Schalchtfeld. Das dritte. Wieder mit den Jungs. wieder mit Derrwischen und blei******nden Gegnern. Ich werde fluchen und den Tag erneut verdammen an dem ich auf das Schlachfeld ging.
Aber..... ich bin nicht allein....
Epilog:
Gleich zu Beginn fand ich den Feind in den eigenen Reihen. Ich hatte mit aufmunternden, motivierenden Worten meiner alten Kampfgefährten gerechnet. Stattdessen wurde mir ein Dolch in den Rücken gerammt. Trotz dieser Wiedrigkeiten und Dank der Unterstützung der verbliebenen Kameraden nahm der Tag doch noch ein erfolgreiches Ende.
Wie hat es einst Plutarch schon gesagt: Es ist schlimm, erst dann zu merken, dass man keine Freunde hat, wenn man Freunde nötig hat.
