Warum kann man Spiele nicht einfach mal so lassen wie sie richtig gut waren? Klar, zeitgemäße Grafik und QoL Features die dem Zeitgeist geschuldet sind - über letzteres kann man ja bekanntlich streiten. Aber grundlegende Dinge wie Spielmechanik und die Lore verändern?
Die Enhanced Editions von BG 1+2 belassen die Spiele im Grunde so, wie mal waren.
Ansonsten liegen halt 25 Jahre zwischen BG 1 und 3.
In 25 Jahren ändert sich nunmal vieles. Auch das Regelwerk und die Lore, auf denen diese Spiele basieren.
Das Universum und das Regelwerk von Baldur's Gate stammen nunmal nicht von BioWare, sondern basieren auf Dungeons & Dragons, das sich über die Jahre von AD&D (BG1) zu D&D 5. Edition verändert hat. Die Lore und das Spielmechaniken kommen ja nur teilweise von BioWare und primär von Wizards Of The Coast. Und diese Elemente wie z.B. die Klassen oder Rassen haben sich in den verschiedenen D&D-Edition seit dem deutlich verändert, zumal das AD&D, das BioWare benutzt hat, oft auch als die schlechteste und unnötig komplizierteste Iteration von D&D gilt.
Insofern ist BG3 dem Ursprungsmaterial gegenüber sehr treu. Durch die rundenbasierte Natur sogar noch treuer als die BioWare-Spiele, die jedoch auch nur nach außen nach Echtzeit aussehen. Wenn man Aktionslog öfnnet, sieht man, dass dort auch permanent rundenweise gewürfelt wird.
Durch den Verzicht auf Echtzeit mit Pause (RtwP) ist BG3 dem Ausgangsmaterial sogar näher als BG 1+2. Bei BG 1+2 hat man sich auch für RtwP entschieden, weil das damals bessser umsetzbar war, Diablo Echtzeit-"RPGs" revolutioniert hat und rundenbasierte Spiele praktisch tot waren und nicht gekauft wurden.
Wenn BioWare damals die Möglichkeiten und den Markt dafür gehabt hätten, würden BG 1+2 vielleicht auch eher wie BG3 aussehen. Man darf ja nicht vergessen, dass vieles, was wir heutzutage als klassisches (RPG-)Gamedesign ansehen, damals nicht wirklich eine gewollte Entscheidung war, sondern schlicht und einfach das, was technisch oder finanziell möglich war.
Viele Spiele von damals würden vermutlich heutigen Spielen viel ähnlicher sehen, wenn die Entwickler damal die Möglichkeiten von heute hatten.
Und natürlich ändert sich Gamedesign auch über die Jahre hinweg durch neue Einflüsse und neue Märkte. Spiele richten sich heutzutage an eine breitere Masse und müssen dementsprechend auch zugänglicher sein. Ein Spiel mit den Produktionsqualitäten von BG3 mit dem Gamedesign von damals würde schlicht und einfach zu wenig Leute ansprechen und wäre vermutlich ein riesiger finanzieller Flop. Mal ganz abgesehen davon, dass selbst Leute, die die Spiele damals gespielt haben, nicht mehr die Zeit haben, die sie als Kinder und Teenager hatten, und daher selber gewisse Verbesserungen schätzen oder sich gar wünschen, um ihre Spielzeit besser nutzen zu können.
Davon abgesehen gibt es auch diese oldschooligen Spiele immer noch. Entweder die echten Klassiker von Wizardry und Ultima bis Arcanum auf GOG. Oder neue Interpretationen wie die Avernum-Spielreihe und andere Spiele von Spiderweb-Software, Age Of Decadence Underrrail oder Atom RPG.
Klar, für diese Spiele muss man auf den PC wechseln, weil das wie die Originale alles CRPGs sind. Aber letztlich ist ja sowieso so, dass man auf Konsole falsch unterwegs ist, wenn einen modernes Design eher annervt. Die Konsolen sind nunmal primär AAA-Maschinen. Und AAA ist genau das Marktsegment, dass die Modernisierung voran treibt. Auf dem PC gibt es vor allem durch die Indies, von denen es auch eine wesentliche größere Auswahl gibt, einfach eine viel größere Auswahl an klassischen/oldschooligen Spielerfahrungen.
Auf Konsolen gibt es neben BG1+2 mehr oder weniger nur Wasteland 2/3, Rogue Trader, die Pathfinder-Spiele und die Pillars Of Eternity-Reihe. Und selbst die sind teilweise recht modern.
Wenn ich mir Deine Posts hier im Forum so anschaue, werde ich das Gefühl nicht los, dass Du an der falschen Stelle (Konsolen) nach den falschen Spielen suchst und Du auf einer anderen Plattform mit anderen (älteren/altmodischeren) Spielen besser aufgehoben wärst.
Was mir einen Dämpfer gegeben hat war als ich erst vor wenigen Tagen erfuhr, dass das RPG keinen Tag-, Nachtwechsel und kein Wetter mit an Bord hat. Da das Spiel als das beste RPG seit 10 Jahren gefeiert wird wunderte mich das doch sehr da ich dachte sowas ist seit 20+ Jahren Standard (zwecks Immersion).
Also wird das wohl nichts mit, auf den Abend warten bis sich die Banditen zum Schlafen hinlegen und sie dann überraschen, oder nur simpel ihre Sachen unbemerkt aus Säcken stibitzen.
Muss jedes Spiel immer jedes Feature haben?
Mal abgesehen davon, dass das unmöglich ist, ist BG3 ist ja nun kein Echtzeit-Open-World-Sandbox-Spiel, bei dem das Fehlen der Nacht ein echter Bruch ist.
Wenn die Entwickler entschieden haben, dass ein Tag-Nacht-Wechsel dem Spiel keine relevanten Impulse gibt oder sie ihre Erzählung und die Spiemechaniken besser ohne dynamische Zeit und Wetter umsetzen umsetzen können, ist das doch nur unnötiger Bloat, der das Spiel nicht besser macht.
Ein Hitman World Of Assassination ist eines der dynamischsten und flexibelsten Stealth-Spiele aller Zeiten, das unzählige Möglichkeiten bietet, um die Missionen zu lösen. Aber es setzt auch feste Tageszeiten ein, weil die Entwickler so bessere Kontroller über die Spielsysteme haben und ihre Missionen genau um die Restriktionen, die sie gesetzt haben, herum designen können, ohne dass noch Zufallsfaktoren wie Wetter oder Tageszeit ins Spiel kommen, die Zufallselemente mit sich bringen und so zu zusätzlichen Bugs führen können.
Und grade in Bezug auf "simpel ihre Sachen unbemerkt aus den Säcken stibitzen" bot die Divinity Original Sin-Reihe auch ohne Tag-Nacht-Wechsel einige extrem kreative Lösungsmöglichkeiten, die man sonst in keinem RPG gesehen hat oder sieht. Auch in Bezug auf die Interaktivität der Umgebungen sind die Larian-Spiele oft komplexer als so manche Open-World-Sandbox.
Sind diese Spiele mit ihrem Tag-Nacht-Wechsel nun weniger immersiv, weil sie weniger Interaktion mit der Spielumgebung ermöglichen?
Möglicherweise. Aber in erster Linie sind sie einfach nur anders, weil es weder möglich noch sinnvoll ist, jede denkbare Mechanik in ein Spiel einzubauen.