01. Lies of P (PS5) 7/10
02. Resident Evil Requiem (PS5) 9/10
03. Super Mario Bros. Wonder (Switch) 8/10
04. Resident Evil Requiem (PS5) 9/10
05. Resident Evil 4 Remaster (PS5) 10/10
06. Returnal (PS5) 10/10
07. Super Stardust Ultra (PS5) 7/10
08. Resogun (PS5) 10/10
09. Nex Machina (PS5) 08/10
10. Pragmata (PS5) 08/10
11. Marathon (PS5) 09/10
Bevor mich
@sabienchen.banned zur Rede stellt: Die 10/10 gibt’s bei mir potenziell immer erst nach dem zweiten Durchspielen. Wenn der Hype verflogen ist und das Spiel den Test der Zeit bestanden hat.
Also: Marathon.
Das Spiel hat mich die letzten vier Wochen durchgekaut, verschluckt und gestern wieder ausgespuckt. Ich bin tatsächlich froh, jetzt erstmal knapp zwei Wochen im Urlaub zu sein, um es wieder aus dem System zu bekommen. Die PS Spielzeit stimmt zwar nicht ganz, zeigt aber trotzdem schon über 100 Stunden an. Für mich ist das in so kurzer Zeit enorm viel ... und bedeutet viele lange Nächte.
Mich hat ARC Raiders (mein GotY 2025) zum Jahreswechsel schon ziemlich vereinnahmt, aber Marathon legt noch einmal eine Schippe drauf. Noch immersiver, noch fordernder, noch faszinierender.
Abgeholt hat mich zunächst das Artdesign. Das mag nicht jedem schmecken, aber man kann kaum bestreiten, dass es absolut einzigartig ist. Schon die erste Map "Grenzbereich", wirkt, als hätte ein durchgeknallter 3D-Drucker die Überhand gewonnen und den Planeten mit seinen liebsten Neon-Plastiken vergewaltigt. Der Kontrast zwischen den bis in den Himmel ragenden Gebäuden und der schroffen Felslandschaft brennt sich regelrecht auf die Netzhaut. Überall schlängeln sich cyanblaue Tunnel durch den Boden, und die Map wird von einer gigantischen Data Wall geteilt, die aussieht wie eine dahindösende Riesenmade. Pflanzen vergiften, rot glühende Zecken beißen, kreischende Vögel verraten anderen Spielern meine Position. Über allem schwebt die Marathon und beobachtet. Selbst für Samus wäre das ein Kulturschock.
Dann trifft einen der Soundtrack ... und zwar kompromisslos. Das Ding klingt abweisend, dissonant und bedrohlich. Durchgehend ... auch im Menü! Da das Spiel keiner klassischen Dramaturgie folgen und keine Emotionen mit Bombast Orchester unterstreichen muss, gibt es hier abgefahrene Electronica. Ryan Lott kann sich problemlos neben Reznor und Ross auf die Bühne stellen. Einfach geil, wie konsequent hier auf Konventionen geschissen wird.
Bis hierhin könnte man meinen, jemand wie Suda51 würde im Hintergrund die Fäden ziehen. Das Spiel wirkt überhaupt nicht so, als käme es aus einem westlichen AAA-Studio. Doch dann bekommt man die erste Waffe in die Hand gedrückt ... und ja, ich hatte ein bisschen Pipi in den Augen.
@Ahti hat bereits darauf hingewiesen, dass bei Bungie in den letzten Jahren einiges im Argen lag. Den Skandal um das geklaute Artwork habe ich ebenfalls mitbekommen. Absoluter Scheißmove von Bungie. Aber nachdem ich über ein Jahrzehnt keinen Bungie Shooter mehr gespielt habe, war das für mich tatsächlich wie nach Hause kommen. Wir haben früher verdammt viel Halo im Freundeskreis gespielt, und ich werde nie vergessen, wie richtig sich ein FPS damals zum ersten Mal auf einer Konsole angefühlt hat. Bungie hat seitdem nichts verlernt. Das Gunplay ist einfach durch und durch faaantastisch.
Der Überbau ist natürlich ein Extraction Shooter, und genau dadurch bekommt das Spiel seine extreme Spannung injiziert. Anfangs dachte ich noch, dass mir eine klassische Singleplayer Kampagne besser gefallen würde. Aber dort würde niemals diese Dynamik und Situationsspannung entstehen. Dieses Spiel macht mir wirklich Puls! Es gab Runs, die so mitreißend waren, dass ich danach völlig ausgelaugt die Konsole ausschalten musste, um wieder runterzukommen. Dazu trägt auch das Sounddesign enorm bei, weil wie schon bei ARC Raiders unglaublich viel über das Gehör wahrgenommen werden muss. Ein Headset ist absolute Pflicht.
Das alles wird noch einmal durch die hohe Schwierigkeit verstärkt. Und hier balanciert Marathon auf einem sehr schmalen Grat. Ja, ein erfolgreicher Exfil fühlt sich stellenweise wie einer der größten Triumphe an, die man in einem Videospiel erleben kann. Aber die Niederlagen schmerzen genauso intensiv und haben bei mir auch für ordentlich Frust gesorgt. Der PvE Aspekt ist fordernd, lässt sich mit etwas Routine aber meistern. Andere Spieler hingegen? Die weisen einen regelmäßig in die Schranken. Und der eigene, nicht vorhandene Skill schmerzt hier mehr als in anderen nicht kompetitiven Shootern. Ja, Marathon ist so gut, weil es gnadenlos ist. Trotzdem freue ich mich sehr auf die neue PvE Ausrichtung in Season 2, die vielleicht auch etwas Entspannung ins Spiel bringt.
Aber der große Vorteil eines Extraction Shooters gegenüber einem klassischen Deathmatch ist, dass man seine Rolle selbst etwas definieren kann. In Crews spiele ich gerne den Healer, Solo ziehe ich als Assassin los. Dann kann ich Begegnungen mit anderen Spielern auch mal vermeiden, mehr von der Welt aufsaugen und in Ruhe meine Quests erledigen. Denn Marathon hat eine Menge Lore und Story zu bieten. Auch das macht das Spiel deutlich attraktiver, weil alles einen Kontext hat und unglaublich viel Liebe in den Details steckt.
Na ja. Ein faszinierendes Spiel. Und das überraschenderweise sogar für mich. Vor einem halben Jahr hatte ich nicht einmal PS Plus, weil ich Multiplayer Spiele so gut wie nie anfasse. Jetzt lasse ich sogar andere Titel liegen, auf die ich mich seit Monaten freue.
Season 2 ... let’s go!
