Nach 4 Siegen in Folge in der berühmt- berüchtigten Lobby 3, durfte das Team nun in Lobby 2 einen Gastauftritt wagen. Der Druck war enorm und man fürchtete den hohen Erwartungen nicht gerecht werden zu können. Daher wurden weder Mensch noch Material geschont und trainiert wie noch nie. Leider wurde kein perfektes Setup gefunden, aber man hatte schlussendlich mehrere zur Auswahl, die aber allesamt ein Kompromiss waren. Entsprechend gespannt war man auf das Rennen, da die Konkurrenz sich im Training ebenfalls sehr stark zeigte und man mit dem Schlimmsten rechnen musste.
Kurz vor der
Quali meinten die Mechaniker noch ein paar Einstellungen gefunden zu haben und man entschied das Risiko einzugehen und diese in der Quali einzusetzen, ohne vorher zu testen. Leider entpuppte sich dies als totaler Fehlschlag und man kam nicht mal ansatzweise an die Zeiten aus dem Training ran. Statt der 4. Pole reichte es nun nur noch zu Platz 3 hinter Rigor und Bunjee. Das war wohl nix.
So war klar, dass für den
Sprint Experimente tabu waren und man wieder auf das bewährte, wenn auch langsamere, Setup setzte.
Es war klar, dass Rigor und Bunjee kaum zu schlagen sind und man richtete sich auf ein geruhsames Rennen ein. Aber es kam mal wieder anders.
Der Start war ganz okay, somit konnte ich meine Position immerhin halten und mich hinter Rigor und Bunjee einreihen. Mein Ziel war es, so lange wie möglich Kontakt zu halten. Rigor zog unangefochten voran und vergrößerte den Abstand merklich Runde um Runde. Aber es gelang mir Tuchfühlung zu Bunjee zu halten und ich merkte, dass ich, dank meines Setups, in den Kurven Vorteile hatte und immer wieder ran kam, aber auf den Geraden Bunjee ziehen lassen musste. Die Problematik der fehlenden Endgeschwindigkeit war eigentlich schon im Training klar geworden...naja.
In einem Abstand, der von der Meterzahl immer zweistellig blieb, jagte ich nun hinter Bunjee her, auf eine Chance lauernd. Ein paar Mal war ich in einigen Kurven nah dran, traute mich aber noch nicht so recht und das war auch gut so, denn das wäre alles verdammt eng geworden. Ich glaube es war in Runde 5, da war ich dann plötzlich so nah dran, dass ich nicht anders konnte und einen Angriff wagte. Und siehe da, es klappte. Ich konnte meine bessere Kurvenlage ausnutzen und an Bunjee auf P2 vorbeigehen. Wäre es noch ein Stück länger geradeaus gegangen, hätte es sicher nicht gereicht. Kurzfristig konnte ich den Abstand um ein paar Meter erhöhen, aber das war nicht von langer Dauer und ich hatte Bunjee wieder formatfüllend im Rückspiegel.
Durch seine Vorteile auf den Geraden kam er wieder bedrohlich nahe und es kam wie es kommen musste, Bunjee startete in Kurve 3 seinen Angriff und kam mit Karacho angeflogen. Mir war klar, dass ich ihn nicht wirklich daran hindern konnte vorbei zu gehen :nunu:, daher versuchte ich die Tür so lange wie möglich aufzuhalten. Ich vermute Bunjee hatte sich wohl auch etwas verschätzt und fuhr länger geradeaus, als ich dachte. Da ich schon kurz vorm Kies war, lenkte ich nach Links und traf Bunjee seitlich. Er rutschte weiter gerade aus ins Kiesbett und ich kam mit einem kleinen Abstecher über die Wiese um die Kurve und blieb auf P2. Sorry für die Berührung, Bunjee.
Ich dachte nun, dass ich einen kurzen Moment verschnaufen könnte, aber Bunjees Ausritt kostete wohl weniger Zeit als angenommen und er war 2 Kurven später schon wieder an meinem Heck. Mit zittrigen, schmerzenden Fingern und auf letzter Rille fahrend, konnte ich aber P2 ins Ziel retten. Puh.
Das wird ein harter Brocken fürs
Hauptrennen.
Nachdem Rigor uns noch in der Pause erklärte, wie man richtig startet, musste ich das doch gleich mal ausprobieren


Das klappte so gut, dass ich am Start gleich ganz nach vorn kam. Ich hoffte auf Schützenhilfe meines Teamkameraden, aber der konnte dem Druck der beiden anderen nicht lange standhalten und ich musste bald die Ringe im Spiegel sehen. Aufgrund der Geschwindigkeitsnachteile, konnte ich auch nicht lange gegenhalten und musste erst Rigor und dann Bunjee passieren lassen. Aber es standen ja noch die Boxenstopps an. Bunjee und Rigor entschieden sich für relativ frühe Stopps, ich plante wieder mit Runde 11/12. Als beide in der Box waren, erbte ich die Führung und es gelang mir nun auch in freier Fahrt, wie geplant, immer bessere Zeiten zu fahren. So konnte ich den Abstand etwas vergrößern. Leider war das die falsche Strategie, denn als beide wieder auf der Strecke waren, konnte sie mit nun aufgewärmten Reifen wieder voll Stoff geben und die Abstände vergrößerten sich trotz guter 1:58er meinerseits leider nicht. Was ein taktischer Fehler. Ein früherer Boxenstopp hätte da eventuell eine Position bringen können. Da wird das Team sich in der Nachbesprechung noch einige Fragen anhören müssen. Also ging es dann wie geplant in Runde 11 an die Box. Auf Start Ziel waren Rigor und Bunjee schon zu sehen. Ohne die Möglichkeit einzugreifen gingen beide vorbei. Immerhin kam ich so 20m hinter Bunjee wieder raus und ich versuchte den Abstand zu halten. Leider unterliefen mir dann mit nachlassender Konzentration und gequälten Fingern, einige Fehler, so dass der Abstand auf 200m-300m anwuchs. Der Vorsprung auf den Thomas war auch okay, so dass es eigentlich eine geruhsame Endphase hätte werden können. Aber ich fühlte, dass mit zunehmender Rundenzahl das Auto besser ging und so pushte ich noch mal ordentlich. Nach mehreren super Runden mit 1:57er Zeiten und einer 1:57,3er Zeit in der Spitze, sah ich plötzlich das Heck von Bunjees Benz wieder direkt vor mir (Bunjee hatte wohl auch etwas Federn gelassen unterwegs). Ein Blick auf den Abstand zeigte wieder niedrige zweistellige Meterzahlen (so um die 30m-40m). Da war der Kampfesgeist geweckt und ich pushte weiter und kam Bunjee noch mal bedrohlich nahe. Mein Ziel war es, mich irgendwo im Windschatten ranzusaugen und eventuell noch mal einen Angriff zu starten. In der letzten Runde war ich bis auf wenige Meter ganz dicht dran und ich witterte meine Chance. Leider pushte ich wohl etwas zu hart, so dass ich in den letzten Kurven leicht ins Rutschen kam und etwas abreissen lassen musste. Was wäre gewesen, wenn ich da drangeblieben wäre??? Naja immerhin P3 erreicht und entgegen aller vorherigen Befürchtungen doch ein spannendes Rennen in L2 gehabt. Mit dem Ergebnis kann man unter diesen Umständen dennoch zufrieden sein
Respekt und Anerkennung an meine Mitstreiter, das war mal wieder feinster Motorsport auf höchstem Niveau. Und natürlich Glückwunsch an alle Sieger.
Jetzt wird verpackt und es geht zurück nach Europa...