Ein Roman aus dem 20. Jahrhundert ist doch heute noch genau so gut oder schlecht wie damals. Herr der Ringe kostet doch heute als Buch nicht weniger als bei "Release". Das einzige was bei Spielen hinzukommt ist die verwendete Technik, die kann natürlich veralten und den Wert schmälern, wobei ein 2D Zelda heute ja (viel) nicht schlechter aussieht als damals.
Vielleicht wäre eine "Buchpreisbindung" für Spiele auch gar nicht schlecht.
Der "Herr der Ringe" wurde mindestens einmal komplett neu übersetzt, um ihn zu modernisieren und die Sprache anzupassen.
Und die Buchpreisbindung für Spiele käme a) viel zu spät und und existiert b) sowieso schon breitflächig, wenn auch nicht vollflächig.
Warum zu spät? Weil die Buchpreisbindung vor allem dazu dient, dem das Kultur- und Bildungsgut Buch zugänglich zu halten und großen Handelsketten keinen Vorteil gegenüber kleinen Buchhandlungen zu erlauben, so dass es eben auch rentabel bleibt, kleinere Buchhandlungen zu betreiben.
Das können wir bei Games mal komplett vergessen, weil der Großteil der kleineren Spielegeschäfte längst dicht ist. Die grundsätzliche Idee der Buchpreisbindung würde den Zielen der Spieleindustrie auch komplett entgegen laufen, weil es denen am liebsten wäre, wenn alles nur noch digital vertrieben würde.
Und da kommen wir dann zu dem Punkt, dass wir bei Spielen längst sowas wie Buchpreisbindung haben, denn die Download-Stores haben die Kontrolle der Preise vom Retail-Markt, der auch günstigere Preise wie Mengenrabatte verhandeln konnte, großteils (und abhängig davon, ob überhaupt Disc-Versionen von Spielen angeboten werden) bis komplett zugunsten der Publisher verlagert.
Wenn man mal vom digitalen Retail-Markt für PC-Spiele (Humble Store, Fanatical, Greenmangaming etc.) absieht, der für Konsolenspiele praktisch nicht existiert, werden die Preise im PSN, im Microsoft Store und im Nintendo eShop einzig und allein von den Publishern festgelegt. Sony, Nintendo und MS legen zwar Sales fest, an denen Publisher teilnehmen können, aber die Teilnahme und die Preisgestaltung liegt voll in der Hand der Publisher.
Anders als im Retail, wo die Ware von den Händlern gekauft wird, bevor sie an den Kunden weiterverkauft wird, sind die Plattformbetreiber wie Sony etc, aber auch Google und Apple, effektiv nur sowas wie Zahlungsdienstleister.
Und auch bei den erwähnten PC-Retailern werden die Preis und Sales-Zeiträume von den Publishern festgelegt. Dass die teilweise günstiger als Steam sind, liegt letztlich nur daran, dass sie auf einen Teil ihrer Marge verzichten.
Insofern haben wir sowas wie Buchpreisbindung bei Spielen längst. Nur in einer noch schlimmeren Form, weil eben der Retailmarkt als Alternative auch vor dem endgültigen Aussterben ist.
Und wenn die Publisher wollten, könnten sie schon längst eine Hochpreispolitik wie Nintendo fahren. Tun sie nur nicht, weil sie eben wissen, dass der ganze Markt zusammenbrechen wird, wenn es keine Rabatte mehr gibt, weil man eben die ganzen Budget- und Midprice-Kunden ausschließen wird und eine kleine, elitäre Gruppe an Käufern das ganze Spektakel nicht wird refinanzieren können. Zumal selbst der Großteil von denen Einschnitte wird vollziehen müssen und weniger Spiele kaufen wird. Die Anzahl an Leuten, für die Geld wirklich keine Rolle spielt, dürfte verschwindend gering sein.
Mal abgesehen davon, dass wir in größerem Maße ein Studio- und Publishersterben sehen können, weil die ganzen Entwickler, deren Spiele in Sales oder Bundles einfach gekauft werden, weil sie günstig sind und dann auf dem Pile Of Shame landen, plötzlich keine Luft zum Atmen mehr haben.
Eine breitflächige Hochpreispolitik im Stile von Nintendo würde wahrscheinlich noch apokalyptischere Verhältnisse heraufbeschwören, als sie jetzt schon existieren. Denn anders als bei der Buchpreisbindung führen Sales und unterschiedliche Vollpreise (z.B. 20, 30 € für Indies) dazu, dass wir überhaupt noch eine Vielfalt an Spielideen und Genres haben. Das wird alles wegbrechen, wenn die Industrie großflächig auf Sales verzichtet und sich alles nur noch auf wenige Hochpreis-Vollpreis-Spiele beschränkt.
Und übrigens... Anders als bei Bücher altern Spiele sogar noch mehr, weil es eben nicht mehr um Sprache und Themen geht, die veralten, sondern eben auch um Spielkonzepte, Steuerungsmodelle, Features, Zugänglichkeit, Quality Of Life etc.
Spiele sind vielleicht das moderne Medium, das in einer Vielzahl von Elementen so schnell und schlecht altert wie kein anderes. Von daher sind grade bei Spielen langfristige Preissenkungen so angebracht wie bei kaum einem anderen Medium.