Blackjack Britton
Aushilfe der Essenausgabe
Heute gibt’s mal einen Thread-Blowout...
Das im Februar anstehende Aliens: Colonial Marines wird im Multiplayer keinen weiblichen Avatar enthalten, wie Produzent Brian Burleson von Gearbox bestätigte. Tja, soweit ist das nicht wirklich etwas Ungewöhnliches. Und das ist das Problem.
Nein, kein Problem; es ist ja nicht so, daß der Film, auf dem das Spiel basiert, irgendwelche weiblichen Hauptrollen hätte.
Wir sprechen von einem Film, in dem sich absolut alles um Geschlechterrollen und -kampf dreht, angefangen von der männlichen missverstandenen Auffassung von Geburt in Form der Facehugger/Chestburster, über den demutsvollen, androgynen Kontakt zu Mother (MU-TH-R 182), die phallische Gestaltung der Aliens durch H.R. Giger, bis hin zu Ripley, einer Frau die dort obsiegt, wo ihre männliche Crew scheitert, und im Zuge dessen von Ash beinahe mit einem eingerollten Pornoheft ermordet wird.
Dieses Spiel soll also keine weiblichen Kämpfer im MP haben. Überflüssig? Irrelevant?
Es wäre bestimmt interessant die Gründe zu beleuchten, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist. Der Aufwand, einen weiblichen Skin zu integrieren, ist vergleichsweise gering. Also müssen wohl andere Aspekte eine Rolle gespielt haben. Aspekte, die mit der anvisierten Zielgruppe zu tun haben könnten.
"Viele Frauen werden unser Spiel sowieso nicht spielen", könnte eine mögliche Überlegung lauten, "also können wir uns die Unannehmlichkeiten ersparen, wenn FOX-News darüber berichtet, daß in unserem Game weibliche Protagonisten von Aliens in Stücke gerissen werden. Und wenn Mädchen im MP von männlichen Mitspielern beleidigt und geteabagged oder mit Gangbang-Posen bloßgestellt werden, rennt uns bestimmt irgendeine Feministen-Initiative die Bude ein."
Derartige mögliche Überlegungen seitens der Produktionsfirma wären feige und rückwärtsgewandt, aber nachvollziehbar. Denn die Publisher spielen das Spiel nur mit, das Problem ist die "Community". Denn diese ist ohnehin nicht allzu gut auf Frauen zu sprechen.
Während und nach der diesjährigen Ubisoft-Präsentation musste sich der Host, die bekannte Schauspielerin Aisha Tyler, gegen sexistische und rassistische Kommentare aus dem Netz verteidigen. Im System-Wars – Forum von Gamespot, in dem ich zur selben Zeit zufällig mitgelesen habe, wurde sie in aller Öffentlichkeit als Schlampe und Nutte bezeichnet, ihr wurde aufgrund ihres Geschlechts sämtliches Recht abgesprochen, die Spiele zu präsentieren, und diverse Ratschläge erteilt, was sie mit ihrer freien Zeit besser anzustellen habe. Tylor, selbst langjähriger Gamer, sah sich in der Folge veranlasst, in einem wüsten Statement namentlich gegen die Foren NeoGAF und Gamespot zurückzuschlagen.
Was sagt all das nun über die Gamerszene aus?
Na die meisten Gamer kümmert das kein Stück, im Gegenteil. Beliebte Einwände gegen weibliche Elemente im Multiplayer lauten, die Entwickler mögen sich doch besser auf ein balanciertes Gameplay konzentrieren, als sich mit derartigem Mumpitz herumzuschlagen. Abenteuerlichere Argumentationen konstatieren dagegen, daß weibliche Avatare aufgrund der kleineren Größe schwerer zu treffen wären und dadurch deutliche Vorteile hätten. Außerdem wäre es komisch, wenn Männer dann als weibliche Protagonisten herumlaufen würden, sowas braucht niemand. Ist ja schließlich nicht Christopher Street Day.
Derartige Ansichten aber zeugen deutlich davon, daß hier eine existierende Problematik nicht richtig verstanden wurde.
Wie in kaum einer anderen Domäne müssen sich Frauen, die Videospiele genießen wollen, gegen männliche Anfeindungen behaupten, gegen Schmähungen, Beleidigungen und Demütigungen (daß das nicht nur Frauen so geht, sondern auch Schwarzen, Asiaten oder schwulen Pro-Gamern, ist ein anderes, wenn nicht minder wichtiges Thema). In der Multiplayer-Szene von Videospielen herrschen klare Gesetzmäßigkeiten, die in Jahren etabliert wurden, als sich einfach niemand darum scherte. Hier herrscht ein ungebändigtes Machotum vor, eine Fixierung auf männliche Rituale und Verhaltensweisen und ein Vorurteilsdenken, wie es in unserer Zeit woanders nur noch schwer zu finden ist.
Dadurch, daß viele das Netz oder den Multiplayer nach wie vor als anonymen Raum empfinden, lassen die Menschen ihrer Natur freien Lauf, was offensichtlich vor allen Dingen beinhaltet, andere Menschen nach allen Regeln der Kunst zu verletzen. Fast könnte man zu der Auffassung gelangen, daß die Leute hier über ein Ventil so dringend all das ausdrücken, was ihnen im realen Leben durch Konventionen und Normen untersagt ist.
Und was machen Frauen, die auf ihr Hobby dennoch nicht verzichten wollen? Sie geben sich beispielsweise geschlechtsneutrale Nicknames, um Komplikationen aus dem Weg zu gehen, weil sie genau wissen, was sie sonst erwartet. Sie spielen ohne Mikrophon, um ihr Geschlecht nicht preisgeben zu müssen. Sie spielen nur mit Menschen, die sie kennen, selten in Public-Rooms. Da passt es gut, daß sie auch gar keine weiblichen Figuren bekommen, mit denen sie zocken könnten.
Denn entdeckt die Meute erst einmal eine weibliche Präsenz, stürzt sie sich darauf wie Schakale auf ein Opfer. Plötzlich bestätigen sich auf einen Schlag sämtliche Vorurteile, die man gegenüber Videospielern oder Männern oder videospielenden Männern hegen kann. Dann prasseln endlose Anmachen, obszöne Messages oder Beschimpfungen auf die Spielerin ein, so daß ihr nichts anderes übrig bleibt, als frustriert die Konsole abzuschalten.
Das ist gewiss nicht im Sinne einer Industrie, die in den letzten Jahren keine Kosten und Mühen gescheut hat, sich für sämtliche Ziel- und Altersgruppen zu öffnen und einen familienfreundlichen Anstrich zu verpassen. Aber anstatt diesem unsäglichen Zustand auf sämtlichen Ebenen aktiv entgegenzuwirken, verkrampft jeder Produzent bei solchen Themen aus Angst um den Profit. Jüngstes Beispiel war die sonderbare und unfreiwillig komische Debatte um die Quasi-Vergewaltigung von Lara Croft im neuen Tomb Raider – Reboot.
Und wenn die Macher von Aliens nun aufgrund von Protesten doch noch weibliche Spieler implementieren, dann ist das nur ein Einknicken aus neuerlicher Angst um Verkaufszahlen. Aber es geschähe immerhin aufgrund eines Statements, das einige wenige, couragierte Videospieler abgegeben haben.
Es wäre spannend zu hören, welche Erfahrungen die Frauen dieses Forums in Videospielen gemacht haben und wie sie sich generell repräsentiert fühlen. Und ob Männer im Gegenzug hier ein Problem sehen oder stattdessen viel Lärm um nichts.
Das im Februar anstehende Aliens: Colonial Marines wird im Multiplayer keinen weiblichen Avatar enthalten, wie Produzent Brian Burleson von Gearbox bestätigte. Tja, soweit ist das nicht wirklich etwas Ungewöhnliches. Und das ist das Problem.
Nein, kein Problem; es ist ja nicht so, daß der Film, auf dem das Spiel basiert, irgendwelche weiblichen Hauptrollen hätte.
Wir sprechen von einem Film, in dem sich absolut alles um Geschlechterrollen und -kampf dreht, angefangen von der männlichen missverstandenen Auffassung von Geburt in Form der Facehugger/Chestburster, über den demutsvollen, androgynen Kontakt zu Mother (MU-TH-R 182), die phallische Gestaltung der Aliens durch H.R. Giger, bis hin zu Ripley, einer Frau die dort obsiegt, wo ihre männliche Crew scheitert, und im Zuge dessen von Ash beinahe mit einem eingerollten Pornoheft ermordet wird.
Dieses Spiel soll also keine weiblichen Kämpfer im MP haben. Überflüssig? Irrelevant?
Es wäre bestimmt interessant die Gründe zu beleuchten, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist. Der Aufwand, einen weiblichen Skin zu integrieren, ist vergleichsweise gering. Also müssen wohl andere Aspekte eine Rolle gespielt haben. Aspekte, die mit der anvisierten Zielgruppe zu tun haben könnten.
"Viele Frauen werden unser Spiel sowieso nicht spielen", könnte eine mögliche Überlegung lauten, "also können wir uns die Unannehmlichkeiten ersparen, wenn FOX-News darüber berichtet, daß in unserem Game weibliche Protagonisten von Aliens in Stücke gerissen werden. Und wenn Mädchen im MP von männlichen Mitspielern beleidigt und geteabagged oder mit Gangbang-Posen bloßgestellt werden, rennt uns bestimmt irgendeine Feministen-Initiative die Bude ein."
Derartige mögliche Überlegungen seitens der Produktionsfirma wären feige und rückwärtsgewandt, aber nachvollziehbar. Denn die Publisher spielen das Spiel nur mit, das Problem ist die "Community". Denn diese ist ohnehin nicht allzu gut auf Frauen zu sprechen.
Während und nach der diesjährigen Ubisoft-Präsentation musste sich der Host, die bekannte Schauspielerin Aisha Tyler, gegen sexistische und rassistische Kommentare aus dem Netz verteidigen. Im System-Wars – Forum von Gamespot, in dem ich zur selben Zeit zufällig mitgelesen habe, wurde sie in aller Öffentlichkeit als Schlampe und Nutte bezeichnet, ihr wurde aufgrund ihres Geschlechts sämtliches Recht abgesprochen, die Spiele zu präsentieren, und diverse Ratschläge erteilt, was sie mit ihrer freien Zeit besser anzustellen habe. Tylor, selbst langjähriger Gamer, sah sich in der Folge veranlasst, in einem wüsten Statement namentlich gegen die Foren NeoGAF und Gamespot zurückzuschlagen.
Was sagt all das nun über die Gamerszene aus?
Na die meisten Gamer kümmert das kein Stück, im Gegenteil. Beliebte Einwände gegen weibliche Elemente im Multiplayer lauten, die Entwickler mögen sich doch besser auf ein balanciertes Gameplay konzentrieren, als sich mit derartigem Mumpitz herumzuschlagen. Abenteuerlichere Argumentationen konstatieren dagegen, daß weibliche Avatare aufgrund der kleineren Größe schwerer zu treffen wären und dadurch deutliche Vorteile hätten. Außerdem wäre es komisch, wenn Männer dann als weibliche Protagonisten herumlaufen würden, sowas braucht niemand. Ist ja schließlich nicht Christopher Street Day.
Derartige Ansichten aber zeugen deutlich davon, daß hier eine existierende Problematik nicht richtig verstanden wurde.
Wie in kaum einer anderen Domäne müssen sich Frauen, die Videospiele genießen wollen, gegen männliche Anfeindungen behaupten, gegen Schmähungen, Beleidigungen und Demütigungen (daß das nicht nur Frauen so geht, sondern auch Schwarzen, Asiaten oder schwulen Pro-Gamern, ist ein anderes, wenn nicht minder wichtiges Thema). In der Multiplayer-Szene von Videospielen herrschen klare Gesetzmäßigkeiten, die in Jahren etabliert wurden, als sich einfach niemand darum scherte. Hier herrscht ein ungebändigtes Machotum vor, eine Fixierung auf männliche Rituale und Verhaltensweisen und ein Vorurteilsdenken, wie es in unserer Zeit woanders nur noch schwer zu finden ist.
Dadurch, daß viele das Netz oder den Multiplayer nach wie vor als anonymen Raum empfinden, lassen die Menschen ihrer Natur freien Lauf, was offensichtlich vor allen Dingen beinhaltet, andere Menschen nach allen Regeln der Kunst zu verletzen. Fast könnte man zu der Auffassung gelangen, daß die Leute hier über ein Ventil so dringend all das ausdrücken, was ihnen im realen Leben durch Konventionen und Normen untersagt ist.
Und was machen Frauen, die auf ihr Hobby dennoch nicht verzichten wollen? Sie geben sich beispielsweise geschlechtsneutrale Nicknames, um Komplikationen aus dem Weg zu gehen, weil sie genau wissen, was sie sonst erwartet. Sie spielen ohne Mikrophon, um ihr Geschlecht nicht preisgeben zu müssen. Sie spielen nur mit Menschen, die sie kennen, selten in Public-Rooms. Da passt es gut, daß sie auch gar keine weiblichen Figuren bekommen, mit denen sie zocken könnten.
Denn entdeckt die Meute erst einmal eine weibliche Präsenz, stürzt sie sich darauf wie Schakale auf ein Opfer. Plötzlich bestätigen sich auf einen Schlag sämtliche Vorurteile, die man gegenüber Videospielern oder Männern oder videospielenden Männern hegen kann. Dann prasseln endlose Anmachen, obszöne Messages oder Beschimpfungen auf die Spielerin ein, so daß ihr nichts anderes übrig bleibt, als frustriert die Konsole abzuschalten.
Das ist gewiss nicht im Sinne einer Industrie, die in den letzten Jahren keine Kosten und Mühen gescheut hat, sich für sämtliche Ziel- und Altersgruppen zu öffnen und einen familienfreundlichen Anstrich zu verpassen. Aber anstatt diesem unsäglichen Zustand auf sämtlichen Ebenen aktiv entgegenzuwirken, verkrampft jeder Produzent bei solchen Themen aus Angst um den Profit. Jüngstes Beispiel war die sonderbare und unfreiwillig komische Debatte um die Quasi-Vergewaltigung von Lara Croft im neuen Tomb Raider – Reboot.
Und wenn die Macher von Aliens nun aufgrund von Protesten doch noch weibliche Spieler implementieren, dann ist das nur ein Einknicken aus neuerlicher Angst um Verkaufszahlen. Aber es geschähe immerhin aufgrund eines Statements, das einige wenige, couragierte Videospieler abgegeben haben.
Es wäre spannend zu hören, welche Erfahrungen die Frauen dieses Forums in Videospielen gemacht haben und wie sie sich generell repräsentiert fühlen. Und ob Männer im Gegenzug hier ein Problem sehen oder stattdessen viel Lärm um nichts.