Nach etwa 60h Spielzeit will ich auch meine Gedanken zum Spiel äußern. Bin zwar noch nicht komplett durch, aber das Ende nähert sich. Story Spoiler gibt es nicht.
Ich finde das Spiel sehr gut gelungen. Mir gefällt die Spielwelt. Ist ist zwar keine riesige Open World (eher zum Glück). Trotzdem gibt es in den eher schlauchigen Leveln viel zu erkunden und man findet immer wieder kleine Rätsel und Schatztruhen. Die Spielwelt wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet und erinnert teilweise an Elden Ring. Einige Bereiche bleiben Anfangs jedoch verschlossen und lassen sich erst im späteren Verlauf des Spiels betreten. Meistens nach erfolgreicher Rekrutierung eines Teammitglieds. Heißt, dass man die Bereiche mehrmals durchläuft. Die Story finde ich solide und das Pacing gefällt. Das Highlight sind die Kämpfe gegen die Drachen.
Der Cast an Charakteren ist abwechslungsreich, aber etwas glattgebügelt. Viele Mitstreiter lassen Ecken und Kanten vermissen. Man hat zwar viel Interaktion mit dem Team und lernt auch viel über sie in den abwechslungsreichen Nebenquests. Aber wirklich in die Tiefe geht es nicht. Man braucht keine Angst zu haben, dass man ein Mitglied verliert, weil man zu „böse“ war wie in Baldurs Gate 3. Das heißt nicht, dass es keine schwierigen Entscheidungen zu treffen gibt. Die besitzt das Spiel. Das ein oder andere Mal schluckt man schon, aufgrund der Entscheidungen, die man traf. Aber der generelle Vibe im Spiel ist, dass das Gute siegt. Man kann keine wirklichen negativen Gesprächsoptionen wählen. Mehr so 50 Shades of nett. Rook versucht immer in allen Situationen, egal wie schlimm, das Gute zu sehen. Egal wer ihr/ihm gegenüber steht oder was gerade passiert. Ein richtiger böser Charakter, wie in Mass Effect kann man nicht sein. Das machen andere Spiele besser. In einem Podcast über das Game habe ich einen guten vergleich gehört. Das Spiel ist wie die TV Serie „Ted Lasso“ auf Apple TV. Nur eben im Fantasy Genre. Ich zitiere einfach mal Wikipedia.
Ted Rook konfrontiert Herausforderungen in der Teamdynamik und im Umgang mit persönlichen Konflikten, während er gleichzeitig seine positive Einstellung und seinen unerschütterlichen Glauben an die Menschen beibehält. Seine unkonventionellen Coaching-Methoden führen zu unvorhersehbaren Ergebnissen und tragen zur Entwicklung der Charaktere sowohl auf als auch neben dem Platz in der Spielwelt bei. Die Serie das Game behandelt Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt und die Überwindung von Widrigkeiten, während sie die Entwicklung des Teams und Teds Rook’s Beziehung zu den Menschen um ihn herum zeigt.
Diese Beschreibung passt perfekt zum Spiel. Das Spiel ist mehr wie eine amerikanische „Feel good“ Serie, oder Popcorn Kino, als Hardcore dark Fantasy. Man will immer unbedingt wissen wie es weiter geht und kann es kaum erwarten, wie die nächste Folge/Kapitel ist. Oder halt auch nicht. Das erklärt wohl auch die unterschiedlichen Bewertungen. Manche mögen das, andere wiederum nicht.
Das Kampfsystem macht Laune und geht gut von der Hand und die verschiedenen Klassen, Skill Trees und Waffen sorgen für Abwechslung.
Zum Thema „wokness“. Da wird viel Lärm um nichts gemacht, der wieder mal aus der Schmuddelecke im Internet kommt, die für Klicks alles macht. Ein Beispiel von YT um das mal in Perspektive zu setzen. Der Dude ist im Charakter Editor und klick sich so umher. Irgendwann landet er in einem Menü, wo man Geschlecht, Stimme, Pronomen einstellen kann. Der klickt etwas an und hat auf einmal einen Trans- Charakter oder so. Dann Rastet der völlig aus und labert etwas von Zwang und bla, bla….. Sein Chat sagt die ganz Zeit: Klick doch einfach „Zurück“ und gut ist. Dann hätte er das wieder Rückgang machen können. Stattdessen redet er sich lieber in Rage und labert Müll. Solche Leute bestimmen dann den Diskurs um das Game.
Es gibt im Spiel einen Charakter (Taash), die man erst recht spät bekommt. Die ist Non-binary. Die will (im englischen) mit They/them angesprochen werden, weil es ihr besser gefällt. Die ganzen Gespräche mit ihr um das Thema dauern vielleicht in Echtzeit 4 Minuten in einem 60-70h Game. Am Ende kann man ihr eigentlich auch nur Zustimmen und sagt etwas wie: Ja mach ruhig, du kannst Pronomen benutzen wie du willst. Das war es. Wenn einen das stört, kann man die Gespräche auch überspringen und ließt sie sich nicht durch. Die Antworten ändern den Spielverlauf nicht. Bellara hat ADHS. Merkt man ihr wohl auch an (laut Betroffenen auf Reddit). Ich persönlich habe da nicht beachtet/bemerkt. Aber ich merke ja eh nichts mehr

. Jeder Charakter hat seine eigene Persönlichkeit und Macken. Das merkt man im späteren Spielverlauf, wenn die Charaktere sich untereinander unterhalten und anfängliche Ablehnung in Freundschaft umschlägt. Da gibts die ein oder andere Situation, wo ich sehr schmunzeln musste.
Positiv ist auch die Tatsache, dass man das Aussehen von allen Items im Spiel anpassen kann mit Skins. Man hat in der Hub-Welt einen Kleiderschrank, wo man für alles (Helm, Rüstung, Waffen, Schild) einen Skin festlegen kann. Die bekommt man aus Kisten oder von Händlern. Die überschreiben das Aussehen des jeweiligen Gegenstandes. So kann man optisch alles genau nach seinem Geschmack gestalten. Das gleiche gilt für die Sichtbarkeit des Helms. Immer an, immer aus, in Zwischensequenzen nicht sichtbar. Das ist sehr gut gelöst und sollte in mehr Spielen so gemacht werden. Läuft perfekt auf dem PC. Super Performance, keine Bugs. Auch selten.
Habe das Ende zwar noch nicht erreicht, aber trotzdem ist das Spiel eines der Highlights des Jahres.
8/10 Drachen
Helm immer an

Bester Skin für Helme im Spiel. Als Crow besonders gut.
