Also gut
@Krulemuk , hab' gerade bisschen Zeit und auch Lust, das noch ein bisschen auszuführen, also gehen wir mal ans Eingemachte
Nur eins noch vorweg geschickt, um manche meiner Punkte vllt. etwas klarer zu machen.
Ich neige - wie vielleicht an der einen der anderen Stelle schon aufgefallen sein dürfte

- gerne mehr zum Extremen, eben, weil ich dieses Hobby so sehr liebe und da oft recht emotional rangehe. Das führt dann dazu, dass ich Spiele - wenn sie mir in irgendeinem Aspekt nicht gefallen haben - gnadenlos abstrafe, weil mir die negativen Aspekte so sehr sauer aufstoßen, dass ich dann gar keine Lust mehr auf eine Differenzierung habe.
Klassisches Beispiel wäre hier Resident Evil 4, was für mich einer der schwächsten Mainline-Titel ist, da mir die Tonalität, die unglaubwürdige und zusammengewürfelte Welt und die eingestreuten Albernheiten da jegliche Lust zu verderben. Da mag das Gameplay noch so gut sein.
Oder beispielsweise Metaphor... ahh, wie mich das schon wieder aufregt, wenn ich daran denke, diese Arroganz der Entwickler...

... aber - anderes Thema..

Gleichzeitig lass' ich bei Spielen, die mich gefangen nehmen und begeistern können auch gerne mal fünfe gerade sein und kann über objektive Schwächen hinweg sehen
Ich versuche jetzt trotzdem mal eine "objektive" Einschätzung des für dich - wie ich schon vermutet hatte - zentralen Punkts:
Darum brauche ich bei einem so großen Spiel mit weit über 100 Stunden Spielzeit vor allem ein Kampfsystem und Mechaniken, die mich dauerhaft tragen. Ohne dieses Fundament wird es schwierig, mich langfristig zu halten. Man könnte also zusammenfassen: (Taktisches) Gameplay first
Beim Kampfsystem versuchte Inquisition den Spagat zwischen dem Action-Ansatz von DA2 und der Taktik von DAO. Das Ergebnis ist... speziell. Es ist nicht dieses reine Action-Gekloppe aus Veilguard, aber es hat auch nicht mehr die präzise Kontrolle aus Origins. Ein paar Punkte dazu:
- Taktik-Kamera: Ja, sie ist da, aber sie ist fummeliger als in DAO. In Origins konntest du perfekt rauszoomen, Befehle verketten und das Schlachtfeld lesen wie ein Schachbrett. In DAI fühlt sich die Taktik-Ansicht oft eher an, als würde man versuchen, eine Drohne in einem engen Raum zu steuern. Es fehlt die Präzision. Ich habe die eigentlich kaum genutzt.
- KI-Skripte: Das Geniale an DAO war ja das "Wenn/Dann"-System (vgl. Gambits aus FF12), mit dem man seine Party programmieren konnte ("Wenn Gesundheit < 25%, nutze Heiltrank"). Das wurde in DAI extrem entschlackt (um nicht zu sagen kastriert). Du hast weniger Kontrolle darüber, was deine KI-Kollegen im Detail treiben.
- Das Spielgefühl: Die Kämpfe in DAI sind wuchtiger und effektvoller, fühlen sich aber oft "mmo-artiger" an. Strategie ist durchaus vorhanden, kommt aber mehr aus der Wahl deiner Skills, deiner gespielten Cooldown-Rotation und dem Positioning. Gegner sind oft Bullet Sponges, und oft läuft es auf das richtige Timing des Zünden der Cooldowns hinaus, statt auf das strategische Platzieren von Crowd-Control wie in DAO.
Meine Einschätzung: Da du DA2 "solide" fandest, wirst du mit dem Kampf in DAI wahrscheinlich klarkommen – er ist besser als in DA2, aber erwarte kein Origins 2.0. Es ist einfach ein grundsätzlich anderes System...
Wenn du es schaffst, den Kampf eher als actionreiches Beiwerk zu sehen und dich voll auf die Rolle des Inquisitors, die politischen Ränkespiele und die Gefährten einlässt (vgl. hierzu meine Posts hier im Thread), dann ist es definitiv eine Empfehlung wert – vor allem, weil die Story (besonders mit dem DLC Trespasser) essenziell für die Lore der gesamten Reihe ist. Wenn du aber strikt das taktische Schachspiel von DAO suchst, wirst du hier Kompromisse machen müssen.