TEST
Wenn man die Verpackung von Disney Infinity in der Hand hat, denkt man gleich, dass es sich um einen aufwändigen Klon vom erfolgreichen Skylanders handelt. Doch Disney Infinity (desweiteren DI genannt) baut weniger auf Charakterentwicklung, sondern eher auf unendliche Möglichkeiten ein eigenes Spielfeld zu gestalten. Die Figuren sind die einzige echte Ähnlichkeit zwischen beiden Spielwelten.
Doch von vorne.
Einmal den großen Starterkarton aufgerissen, fallen als erstes neben dem Spiel ansich, die Spielfiguren und das Infinity-Pad auf. Dieses braucht man ganz wie bei Skylanders als Portal, um seine Figuren in die virtuelle Welt zu schicken. Mit im Starter sind Captain Jack Sparrow aus Fluch der Karibik, Sully aus Monster Inc und Mr. Incredible aus The Incredibles. Dazu kommt noch ein Abenteuerstein, welcher die jeweiligen Kampagnen zu den Figuren freischaltet und eine zufällige Modifikatormünze. Ich hatte das rote Auto von Micky Maus dabei, welches ziemlich um die Ecken fetzt.
Man schließt die Plattform per USB an die Konsole und stellt die gewünschte Konfiguration in die vorgesehenen Formen. Befindet sich kein Abenteuerstein auf der Platte, dann kann man "nur" die Toybox spielen.
Starten wir mal die Toybox.
Die Toybox ist ein Kreativset, welches frei bebaut werden kann. Zu Beginn stehen dafür nur einige Grundausrüstung dazu, um ein wenig zu experimentieren. Erforscht man die Startwelt, dann findet man immer wieder versteckte Gegenstände, welche XP und Drehungen freispielt. Die Drehungen braucht man, um zufällige Gegenstände zum bauen freizuspielen. Außerdem erhält man für jedes Levelup eine weitere Drehung.
In der Toybox kann man sich wirklich kreativ austoben. So kann man Rennpisten bauen, eigene Schlösser, Wälder, Arenen und auch funktionierende Maschinen. Diese offene Welt kann man auch zu zweit bestreiten, indem man eine zweite Spielfigur auf das DI Portal stellt und einen zweiten Controller anmeldet. Im Splitscreen geht es dann weiter. Ist man dazu noch Online, können bis zu 4 Personen über die Welt wuseln und sich gegenseitig bekämpfen oder einfach kreativ sein und gemeinsam etwas aufbauen.
In der Toybox findet man auch eine Art Startpunkt von welchem wir verschiedene Setting ansteuern können. Da wären zum Beispiel "Meisterabenteuer" in welchen wir den Umgang mit der Welt lernen. Eine Art Tutorial. Dann sind da die Abenteuer, welche Minigames beinhalten wie beispielsweise eine Art King of the Hill, Rennspiele oder eine Kampfarena.
Man kann auch die Galerie ansteuern. Dort befindet sich eine Art Heldenplatz wo ihr eure bereits gespielten Figuren, je nach Level, in Bronze, Silber oder Gold sehen könnt. Je mehr ihr im Spiel erreicht und freischaltet, desto größer und imposanter wird diese Heldenhalle. Zu jeder Figur kann man sich dazu noch ein kleines Filmchen ansehen.
Zu den Kampagnen:
Stellen wir den Abenteuerstein auf die Plattform, können wir die drei Kampagnen spielen. Dazu benötigen wir zwingend eine passende Figur. So kann man leider nicht mit Mr. Incredible bei Fluch der Karibik spielen, sondern braucht entweder den mitgelieferten Jack Sparrow oder die separat erhältlichen Barbossa oder Davy Jones. Hat man eine zweite passende Figur, kann man die Kampagnen auch kooperativ spielen, sonst leider nicht!
Als erstes habe ich Fluch der Karibik gespielt und war angenehm überrascht. Das Spiel erinnerte mich stark an die Legovariante von Fluch der Karibik. Nun allerdings mit Sprachausgabe und eigener Story. In einer offenen Welt können wir per Schiff (welches sich individulisieren und ausbauen lässt) verschiedene Gebiete ansteuern und dort Teile eines Reliktes sammeln. Dieses brauchen wir um den Kraken in Schach zu halten und Davy Jones auf den Grund des Meeres zu schicken. Viele kleine Herausforderungen und Miniquests runden die Welt ab. Manchmal sind die Quest sehr einfach und sehen so aus: Ein Dorfbewohner steht am Hafen und meint, dass er sich mal wieder waschen müsse. Also schnappen wir uns den Stinker und werfen ihn ins Hafenbecken. Quest erledigt.
Andere Quests sind dagegen sehr wiederholungsanfällig. Meistens geht es darum irgendwelche Gegenstände einzusammeln oder Punkte abzulaufen. Aber es ist eben immer noch ein Spiel für Kinder. Da muss kein besonderer Tiefgang liegen. Außerdem macht man die Quest sowieso freiwillig, denn man bekommt eigentlich jedes mal irgendetwas neues freigespielt.
Die Monster University Kampagne handelt vom gegenseitigen Kampf zweier Universitäten. Die Schreck-Tec macht in einem Punktwettbewerb es der Monster Universität das leben schwer. So muss man als Spieler gegnerische Studenten vom Kampus verscheuchen, gegnerische Transparente entfernen, Paintball-Wettbewerbe gewinnen, eine Studentensiedlung aufbauen und letztendlich das gegnerische Masskottchen entführen. (Ein Rennschwein - ziemlich witziges Ding)
Die Incredibles Kampagne habe ich noch nicht gespielt.
Pro Kampagne habe ich 8 Stunden gebraucht. Auch in der Toybox habe ich mehrere Stunden verbraucht, weil ich meine Charaktere leveln wollte, neue Sachen freispielen, experimentieren und natürlich auch ein paar Erfolge einheimsen wollte. Insgesamt schätze ich meine Spielzeit auf ungefähr 24 Stunden + 8 weitere Stunden, die ich in der Incredibles Kampagne verbringen werde. Also schätzungsweise 32 Stunden bis man so ziemlich alles gesehen hat. Das ist auf jeden Fall länger als so manch ein AAA-Titel.
Statt auf DLC setzt das Spiel auf seine Bonusmünzen, Figuren und Abenteuersets. Diese kosten:
- ca. 3,99 € pro Zweierpack Münzen. Diese geben dem Charakter im Singleplayer zusätzliche Fähigkeiten, neue Gegenstände für die Toybox oder auch Gestaltungsmöglichkeiten für das Spiel. (Nicht allzu notwendig - eher eine Spielerei)
- ca. 9,99 €pro Figur. Diese kann man dann ebenfalls hochleveln und je nach Figur auch in den Kampagnen nutzen. Ich habe mir Jack Skellington aus "Nightmare before Christmas" gegönnt. Alleine wegen des Coolnessfaktor der Figur, welche später mal mein Filmregal zieren wird. Leider kann ich ihn in keiner Kampagne nutzen, da es keine für ihn gibt.
- ca. 19,99 € für ein Freunde Set. Hier erhält man die Gegenstückfiguren zu denen im Starter. Hierin befindet sich Mike, Barbossa und Mrs. Incredible. Mit diesem Paket kann man die Starter Kampagnen im Koop spielen.
- ca. 29,99 für ein Story-Playset. Beinhaltet 2 Spielfiguren und einen Abenteuerstein, welcher eine neue Kampagne freischaltet.
Natürlich sieht das Spiel in erster Hinsicht nach jeder Menge Geldschneiderei aus, aber ich muss zu bedenken geben, dass die Spielzeit wirklich recht hoch ist und ein Playset für 29,99 immerhin 8 Stunden Spielzeit garantiert. Das Freundeset und die Münzen empfinde ich dagegen als Gelddruckmaschiene. Es wäre schön gewesen, wenn man die Kampagnen auch mit unpassenden Figuren hätte spielen können. So gesehen kann man sich den Offline-Koop nur gegen 19,99 freischalten. Die Münzen sind meiner Meinung nach Unsinn. Die 9,99 Figuren sind ok. Sie sind hochwertig und können neben dem Spiel auch optisch im Regal von Disneyfans was her machen.
Da Disney die Rechte an Star Wars besitzt, würde es mich nicht wundern, wenn nicht auch dort ein paar Figuren auf den Markt kommen werden.
Übrigens sind die Figuren kompatibel zu allen anderen Systemen!
Das heißt, wenn ihr eine Xbox360 habt und euer Kumpel eine Wii oder PS3, dann könnt ihr eure Figur einfach mitnehmen und dort weiterspielen (Ganz wie bei Skylanders).
Fazit:
Man kann in das Spiel eine Menge Geld investieren, aber auch eine Menge Zeit. Wer das Grundset haben will ist mit ca. 50€ dabei. Wer noch mehr erlben möchte, der muss mehr zahlen. Doch es lohnt sich. Denn die Spielzeit ist recht lange, die Storys und Settings sind gut gemacht. Ein wirklich gutes Spiel für Kinder (Gegner zerfallen wie bei Lego in ihre Einzelteile) aber auch Erwachsene, die einfach mal ein solides Open World Jump n Run spielen wollen. Die Herausforderungen sind zumeist einfach und nur im schweren Modus können sie wirklich fordernd sein. (Bei so manch einem Fahrradwettbewerb habe ich geflucht). Es gibt unheimlich viel in dem Spiel zu entdecken und man freut sich wie ein kleines Kind, wen man doch wieder eine versteckte Extradrehung in der Toybox gefunden hat.
Einstieg: 1 (Man kann gar nichts falsch machen)
Grafik: 3 (Zeichentrickgrafik eben. Muss bis zur Wii runter kompatibel sein)
Sound: 2 (Viele Originalsprecher, leider kein Originalsoundtrack)
Spielspaß*: 2 (lange Spieldauer, viele Quests und Herausforderungen, fast grenzenlose Toybox)
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Ergebnis: (1+3+2+(3x2)) /6
= Note 2
*Spielspaß ist das Wichtigste und zählt 3fach!