Ich habe mittlerweile einige Stunden in die Beta gesteckt und bin hin- und her gerissen. Die ersten Runden im Multiplayer waren toll, aber recht schnell hat sich abgezeichnet, dass die Leute wieder lieber Zelte aufschlagen oder auf Sam Fisher machen, anstatt sich zu bewegen...was für mich aber überraschenderweise keinen Komplettausfall darstellt, obwohl ich gegen solche Spielstile bin. Aber dazu später mehr.
Erstmal zu den positiven Aspekten: Das tolle Gunplay und das butterweiche Movement aus dem Reboot sind auch hier enthalten. Letzteres fühlt sich etwas "geerdeter" an, unter anderem weil Slide-Canceling nicht mehr so einfach möglich ist (nur über Umwege). Dafür wird aber recht viel gebunnyhopt, was aber nicht überraschend ist. Die Waffen haben gefühlt mehr Recoil als in MW2019, was dem Ganzen ein etwas weniger arcadiges Spielgefühl gibt.
Die Time To Kill ist leider wieder absurd niedrig, aber durch den Recoil habe ich das Gefühl, dass Zielen hier mal ausnahmsweise wieder wichtig ist und Kopftreffer essenziel sind. Da in der Beta viele Perks gesperrt sind, kann ich schlecht sagen, ob das mit dem Recoil auch später im Spiel so sein wird. Mein allgemeiner Eindruck war, dass sich das Spiel etwas mehr nach "früher" anfühlt, was ich nicht zwingend schlecht finde.
Das Sounddesign ist wieder erste Sahne: Es rummst und knallt so satt, die Waffen klingen so brachial und fett, dass einem die Rübe wegfliegt und man stets das Gefühl hat, mitten drin zu sein. Ich finde es immer noch witzig, dass ausgerechnet COD, welches jahrelang Plastikpistolen und Puff!-Explosionen geboten hat, beim Sound mittlerweile zur Sperrspitze im Shooter-Bereich gehört (zumindest Modern Warfare). Die Umgebungssounds wurden sogar deutlich verbessert; nun ist es problemlos möglich, die genaue Position des Gegners und auf welchem Untergrund er gerade läuft, herauszuhören. Das ist Fluch und Segen zugleich. Auch dazu später mehr.
Grafisch hat sich nicht sonderlich viel getan. MWII ist die Fortsetzung des Reboots von vor drei Jahren für die gleiche Konsolengeneration, und das sieht man. Besitzer der aktuellen Konsolen profitieren von einer höheren Auflösung und damit einhergehend schärferen Darstellung, und für das einstellbare Field of View gibt es auch einen Daumen nach oben. Aber all das gab es ja bereits in Cold War und Vanguard. MWII sieht alles in allem besser aus als diese Titel, aber nicht viel besser.
Die Maps finde ich überwiegend recht gelungen. Hier hat mir besonders gefallen, dass sie etwas bunter ausfallen und (zumindest vom Aufbau her) besser lesbar sind. Letzteres gilt leider nicht zwingend für Gegner: auch in diesem Modern Warfare kommt es leider zu häufig vor, dass man sie übersieht, weil sie geradezu mit der Umgebung verschmelzen. Und es gibt generell zu viele Bereiche in denen man wieder aus zig Richtungen beschossen werden kann.
Die Mexiko-Map zum Beispiel ist klasse und erinnert sogar an traditionelle Black Ops-Karten. Die Hotel-Karte hingegen sieht zwar toll aus, ist aber unnötig verwinkelt und man läuft alle paar Meter Gefahr aus 10 Ecken beschossen zu werden.
Und damit komme ich zu den eher negativen Aspekten des Spiels.
Zunächst ein paar kleinere Dinge die mich gestört haben: Das User Interface ist...nun, sagen wir mal: gewöhnungsbedürftig. Die Menüs, Gunsmith usw. wirken, als hätten die Entwickler die Navigation zugänglicher gestalten wollen, erreicht haben sie meiner Meinung nach aber eher das Gegenteil. Die Navigation fällt noch weniger intuitiv und stellenweise etwas verwirrend aus.
Kommen wir zu den Perks, da wurde nämlich das System überarbeitet. Man wählt vier aus, aber zu Matchbeginn stehen nur zwei zur Verfügung. Die anderen beiden werden erst im Spielverlauf aktiviert, wobei ich mir nicht sicher bin, ob hier nur der Faktor Zeit zählt oder auch die persönliche Performance (Kills usw.) eine Rolle spielt. Der Sinn hinter dieser Änderung erschließt sich mir nicht.
Nun zum für mich wichtigsten Punkt: MWII hat dasselbe Problem wie das Reboot aus dem Jahre 2019: Die niedrige TTK in Verbindung mit dem überaus präzisen und detailreichen Umgebungssound, den oftmals verwinkelten Karten und Gegenspielern, die unter Umständen schwer auszumachen sind, bringt viele Spieler dazu zu Campen oder durch die Gegend zu schleichen. Was ich da teilweise in meinen Kill-Cams gesehen habe, war einfach nur ekelhaft. Viel zu häufig werden Zelte aufgeschlagen und dummdreist abgeaimt oder über die halbe Karte mit Kimme und Korn gerobbt und darauf gewartet, dass jemand es wagt zu laufen.
Warum ist das jetzt aber kein Dealbreaker für mich? Weil die Beta zwei Modi enthält, in denen all das halbwegs Sinn macht. Diese beiden Modi machen deutlich, dass MWII wie ein Taktik-Shooter gespielt werden will. Der Modus Prisoner Resuce zum Beispiel, ist quasi Rainbow Six Siege für Arme. Und ganz ehrlich? Das ist durchaus kurzweilig. Die witzigsten und spannendsten Momente der Beta habe ich in diesen beiden Modi erlebt.
Wer also Run & Gun-Action sucht wie von COD gewohnt, wird mit MWII wahrscheinlich noch weniger anfangen können als mit MW2019. Wer aber auf die Fast Food-Variante von etwas Lust hat, das irgendwo zwischen Counter Strike und R6 Siege angesiedelt ist, könnte damit durchaus Spaß haben.
Ich möchte den Multiplayer bzw. die klassischen Modi jedoch noch nicht abschreiben, denn es wird viel davon abhängen, wie die zukünftigen Maps ausfallen und ob die Entwickler die Umgebungssounds überarbeiten (was sehr wahrscheinlich ist, denn aktuell ist die Footstep Audio einfach zu laut).
Das ist soweit mein erster Eindruck und ich denke, ich werde mich nicht mehr weiter mit der Beta beschäftigen, es sei denn, nächste Woche kommen neue Karten oder Modi.
Fürs Erste habe ich genug gesehen und ich hoffe, dass bis zum Release des finalen Spiels einige Dinge überarbeitet werden, so dass ich dann auch dem "normalen" Multiplayer etwas Positives abgewinnen kann.