9 Kapitel liegen hinter mir. Zeit für ein kleines und etwas feuriges Zwischen-Fazit. Bisheriger Eindruck? Vernichtend.
Dabei wäre Inszenierung und das Feuerwerk, welches Platinum hier visuell auf einen abfeuert eigentlich großes Kino, siehe mein vorheriger Post.
Aber der spielerische Gehalt geht für mich einfach gar nicht klar.
Hervorheben muss ich hierbei das Ausweichen und ganz besonders den perfekten Block in den Viola Abschnitten.
Das Zeitfenster ist dermaßen eng, dass es mir zumindest überhaupt keinen Spaß mehr macht. Bayo 1+2 und Nier Automata beherrsche ich diese Moves im Schlaf. Metal Gear Rising genau so. Hier kriege ich aber effektiv ständig auf die Mütze und starte Abschnitte und Kämpfe nochmals, nochmals und nochmals. Allein beim Boss von Akt 2 habe ich bestimmt 10x neu gestartet. Erst dachte ich, es läge an den Frames, die definitiv stabile 60 bei so nem Titel benötigen - das kommt aber meines Erachtens hier nur indirekt dazu.
Das Fenster fürs Ausweichen ist einfach minimal, während gleichzeitig manche Moves von Gegnern eine Souls artige Verzögerung mitbringen, die hier genau so ätzend ist wie bei diversen Souls Games der neuen Generation.
Ja Mensch Platinum, Spieler haben solche Ausweich-Moves halt nach Generationen inzwischen drauf. Muss man die Leute deswegen mit Verzögerung und Blitzangriffen schikanieren?
Bayonetta 2 ist jedenfalls im Direktvergleich besser ausbalanciert und von der Spielbarkeit 1A. Bayonetta 3 ist... irgendwas ganz merkwürdiges. Einen Vers bekomme ich Platin, im nächsten Bronze und zig Versuche. Der Schwierigkeitsgrad spielt kompletten Ping Pong.
Bevor der Einwurf kommt, einfach mal aus Easy zu switchen. Schon probiert! Macht das Spiel dann leider noch schlechter, denn Easy ist abgesehen von den erwähnten, ätzenden Mechaniken ein langweiliger Spaziergang, wo wirklich gar keine Herausforderung mehr drin steckt. Man hat praktisch nur eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Easy fühlt sich wie Very Easy mit Godmode an, während der Normalmodus hier eher dem Hardmode von Bayo 2 entspricht.
Was mir auch schon sehr häufig aufgefallen ist, sind die fehlenden Erklärungen zu neuen Mechaniken, z.B. gerade eben diese komische Wassersuche mit Cheshire. Nirgendwo wird einem erklärt, dass man auch nach Zeug graben kann. Ich bin 10 Minuten das Gebiete vor und zurück durchlaufen, hab alles platt gemacht was da rumsteht, dachte schon ich muss in irgendeinen Guide gucken, bis mir der rasselnde Schwanz an manchen Stellen aufgefallen ist, und wenn man dann die Stelle langsam absucht, taucht irgendwann sogar die Einblendung für "ZL" zum Graben auf.
Warum kein kurzes Tutorial dazu?
Das Spiel wirft einen selten, aber insgesamt doch viel zu oft in solche unmöglichen Situationen, wo man einfach wie der Ochs vorm Tor steht und sich die Mechanik offenbar selber beibringen soll.
Die erste Prüfung mit dem Train Summon war genau so ein Mist. (zumal die dazugehörige Steuerung von der Mechanik mind. so mies ausfällt wie die Zeichnen-Geschichte in Wonderful 101)
Nicht skipbare Filmsequenzen bei so Mini-Prüfungen sind stellenweise auch nervig.
Das 1. Jeanne Level fand ich nebenbei noch cool, schon die 2. Einlage empfand ich als ziemlich langweilig und generisch. Immer die gleichen, langweilig designten Räume, immer gleichen Gegner und Mechaniken. Wirkt ein wenig wie billige Spielzeit-Streckung.
Für mich ist Bayo 3 jedenfalls eine ziemliche Enttäuschung. Die 60 Frames von Bayo 2 hätten hier das oberste Ziel sein müssen, wenn man schon Ausweichen schwieriger macht. Besser wäre es aber gewesen, statt komplettem Paradigmenwechsel einfach bei den Stärken von Teil 2 (Bayo 2 = Best Bayonetta ever!) zu bleiben und keine "Ich will meine kreativen Visionen verwirklichen" Shitshow. Dazu eben noch die fehlenden Quality Features.
Hideki Kamika hat aus der Kritik an Wonderful 101 damals einfach null gelernt und ist wohl nach wie vor auf seinem Ego-Trip, es einfach besser zu wissen als die Spieler. Das tut auch mir als eigentlichem Fan dieses Mannes weh, der seine Spiele seit Resident Evil 2 damals begleitet. Ok, ich fand Okami oder Wonderful tatsächlich nie geil - wenn man vom Artdesign oder grundsätzlichen Design der Spiele absieht. Das furchtbare ist hier genau wie bei Wonderful 101... es wäre ein eigentlich so ein großartiges Spiel. Level-Design, Bosse usw. sind großes Kino. Allein genießen kann ich nichts davon, weil es keinen gelungenen Spagat zwischen Anspruch und Spielspaß gibt. Womit ich auch wieder mal sämtliche Spieletests zum Game in die Tonne treten kann. Nicht ein einziges Review ist auf solche Punkte eingegangen. Gerade der engere Ausweich-Korridor wäre für mich z.B. K.O. Kriterium gewesen. Aber kann ja niemand von bezahlten Redakteuren erwarten, Spiele so ausführlich oder gar durchzuspielen, um dann auch mal die eigentlichen Kritikpunkte zu finden.
PS: Damit wir uns nicht falsch verstehen. Auch der ganze Multiverse-Kram wurde mir als unheimlich gelungen verkauft, ich finde diese ganzen Welten bisher wirken vielmehr komplett aus dem Faden gerissen. Die Levels und alles sind cool, aber die Story und deren Progress folgt keinerlei Logik oder sonstigem, erkennbaren Konzept. Das Konzept wird einfach geheißen haben "Hey, wir brauchen noch was mit Sand, komm wir werfen Bayo in ne Wüste!"