Der Unterschied, in meinen Augen, liegt darin, dass "Poker" allgemein hin ein etabliertes mit Echtgeldeinsatz behaftetes Glücksspiel ist, Kniffel und UNO dagegen nicht.
Das ist sicherlich richtig.
Aber die grundsätzliche Frage ist eben, wo hier überhaupt angesetzt wird. Schützen wir die Jugend jetzt davor, mit Glücksspielmechaniken in Kontakt zu kommen oder geht es nur darum, bestimmte Glücksspiele besonders zu ächten, während wir die vermeintlich guten Glücksspiele verschonen?
Ich halte die Idee grundlegend für verfehlt, nur bestimmte Glücksspiele zu ächten, während andere, die die Glücksspielmechaniken mindestens ebenso praktisch vermitteln, außen vor bleiben. Und dafür eignen sich Kniffel oder UNO mindestens genauso gut wie Poker. Oder auch die erwähnten Ü-Eier und Panini-Bildchen, die das "perfekte Training" für Gacha-Games und FIFA Ultimate Team & Co. sind.
Vor allem aber müssen wir auch die Frage stellen, warum hier ausgerechnet Balatro abgestraft wird. NBA2K 20 hat ein Rating von PEGI 3+ bekommen, OBWOHL es in dem Spiel Slot Machines, also Spielautomaten gibt.
Auf Reddit hat damals jemand die Antwort bekommen, dass diese Rating darauf beruht, dass in dem Spiel zwar mit der Bildsprache von Casinos gearbeitet wird, aber den Spielern nicht beigebracht wird, wie man Geld in einem Kasino verspielen kann.
Und meines Wissens nach tut das auch Balatro nicht, da man dort nie Geld einsetzt. Das aber wiederum passiert in Dragon Quest XI, wo man zumindest Ingame-Währung in Chips tauscht und mit diesen spielt. Wenn das kein simuliertes Glücksspiel ist, dann weiß ich auch nicht.
Und noch schlimmer das oben genannte Prominence Poker, auch PEGI 12, das es sogar erlaubt, Chips mit Echtgeld zu kaufen und diese zu verzocken. Das ist schon kein simuliertes Glücksspiel mehr, sondern echtes Glücksspiel. Und was es noch schlimmer macht: Im Gegensatz zu Kasinos bekommt man seine Gewinne, die man möglicherweise durch den Einsatz von Echtgeld erzielt hat, nicht mal zurück, da man die Chips nicht zurück in Echtgeld umwandeln kann.
Ich halte es übrigens auch für möglich bis wahrscheinlich, dass diese Miktrotransaktionen in der Version, die zur Bewertung vorgelegt wurde, gar nicht enhalten waren und erst später hinzugefügt wurden. Aber auch hierfür müsste es Mechanismen geben, wenn man den Jugendschutz wirklich ernst nimmt.
Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die Glücksräder in Spielen wie Forza Horizon genauso behandelt werden sollten wie Balatro. Nur weil die vollgestopft sind mit minderwertigen Items und ihre miserablen Wahrscheinlichkeiten, daraus etwas Gutes zu bekommen, so offen vor sich her tragen, ändert es nicht daran, dass es dabei nur Glück und Wahrscheinlichkeiten geht.
Zumal die Mechanik eben auch die gleiche ist. Statt Geld in einen Automaten zu werfen, investiert man hier eben Zeit, um Levelups zu erhalten, die dann neue Drehungen freischalten.
Die ganze Argumentation, dass Poker allgemein ein etabliertes mit Echtgeldeinsatz behaftetes Glücksspiel ist, fällt an diesen Stellen halt komplett auseinander, da diese Wheel Spins noch stärker an Kasinos und Spielhallen angelehnt sind als Balatro.
Die ganze Problematik basiert ja nicht darauf, dass Balatro jetzt ein fehlerhaftes Rating bekommen hat. Man kann durchaus argumentieren, dass das gerechtfertigt ist, wenn die Argumente stark genug sind und man wirklich eine harte Linie fahren will. Das Problem ist aber, dass es eben keine klare Linie zu geben scheint und es daher vollkommen willkürlich wirkt. Spiele, die viel näher daran sind, den Spielern Glücksspiel beizubringen, erhalten eine viel niedrigere Wertung als ein Spiel das davon noch etwas weiter entfernt ist.
Entweder macht man das alles richtig oder gar nicht.
Wenn Du Zuhause Uno mit Geldeinsätzen spielst, wäre es auch illegales Glücksspiel.
Ja, aber darum ging es ja gar nicht. Deine Aussage war "Poker ist definitiv ein Glücksspiel". Es ging nie um illegales Glücksspiel, denn das simuliert Balatro ja gar nicht.
Der reinen Definition nach, die Du aufgeführt hast, sind auch UNO oder Kniffel Glücksspiele. Nur weil sie in Kasino weniger gespielt werden, weil wahrscheinlich irgendwer ein Urheberrecht darauf hat und Lizenzgebühren einfordern könnte, macht sie das nicht weniger zu Glücksspielen.
Und sie sind eben so gut wie jedes andere vorwiegend auf Glück oder eher Wahrscheinlichkeiten basierende Spiel dazu in der Lage, Leuten Glücksspielmechaniken beizubringen.
Wie oben schon erwähnt, liegt das Problem vor allem darin, dass irgendwie nicht klar definiert zu sein scheint, was jetzt als Beibringen von Glücksspielmechaniken oder dem Lehren des Einsatzes Geld im Glücksspiel wirklich zählt und mit vielerei Maß gemessen wird, weil diverse Spiele, die alle auf den grundlegend gleichen Mechaniken basieren, mal mehr und mal weniger als gesellschaftlich akzeptiert gelten. Und das kann ja auch auch nicht die Lösung sein.