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Agatha Christie: Mord im Orient Express

StephanKo

Kaffeefahrtpendler
Genre: Adeventure
System: alle gängigen
Preis: ca. 40 Eur

Microids spielerische Adaption des Klassikers von Agatha Christie mit Hercule Poirot in der Hauptrolle ist seit letzter Woche erhältlich. Hierbei handelt es sich um ein 3rd Person Adventure, in welchem ihr auf der Jagd nach dem Mörder einige (leichtere) Rätsel und Minispiele lösen dürft.

Wie schon im namensgebenden Roman von Agatha Christie, spielt ein großer Teil des Spiels im namensgebenden Orient Express, einem Luxuszug welcher gerade Anfang des letzten Jahrhunderts eine nicht gerade unwichtige, teils auch politische, Aufgabe hatte inne hatte und gleichzeitig den europäischen Kontinent (auf einer seiner Stecken) von Paris bis Konstantinopel (Istanbul) verband. Die Strecken änderten sich, auch aufgrund der politischen Lage, öfters mal. Heutzutage kann man diese Strecke noch über einige Anbieter selbst buchen und erleben, offiziell wurde aber zumindest der Streckenabschnitt Istanbul bereits in den 1970ern aufgegeben.

Bei Microids hat man sich nun entschieden, dass ganze zum 140 jährigen Jubiläum des Zugs stattfinden zu lassen..also im Jahr 2023. Hercule Poirot in der Gegenwart mit Handy..das mag im ersten Moment irritierend wirken, da aber zumindest ein großer Teil des Spiels im Zug selbst stattfindet, welcher auf die klassische, luxuriöse Art dargestellt wird, ist es nicht ganz so schlimm.

Fragwürdiger ist hier eher der zweite Kniff. Wir spielen hier nicht nur Hercule Poirot, sondern auch eine weitere Ermittlern namens Mademoiselle Locke, welche in einem Mordfall ermittelt und welche die Ermittlungen auch außerhalb des Zuges durchführt. Natürlich gehören die Mordfälle zusammen und später ermittelt man auch zusammen.

Der Kniff hat den Vorteil, dass man mehr Schauplätze hat, was der Abwechslung zugute kommt und auch Kenner der originalen Geschichte somit einiges Neues entdecken werden. Allerdings geht dadurch auch ein wenig das klassische Feeling verloren. Warum auch immer Microids beispielsweise das Thema Natur und Flüchtlinge mit reinbrachte erschließt mich mir absolut nicht, da beides komplett irrelevant ist und auch nur in Nebensätzen mit drin ist..man wollte wohl einfach auf Biegen und Brechen den aktuellen Zeitgeist mit reinbringen.

Aber gut. Die Geschichte von Mademoiselle Locke ist recht interessant und fügt sich gut mit der originalen Geschichte mit ein, auch wenn ich die spielerischen Abschnitte mit Hercule Poirot im Gesamten besser fand. Was auch daran liegt, dass man ihn, besonders aber seine Eigenheiten ziemlich gut rübergebracht hat, mitsamt guter deutscher Sprachausgabe. Poirot hält sich nach wie vor für den besten Ermittler der Welt und kommentiert auch entsprechend süffisant, wenn er beispielsweise einfache Aufgaben wie Kisten verschieben wahrnehmen muss.

Überhaupt wurden viele der Charaktere sehr gut und mit ein wenig Dialekt vertont. Einzig gerade die Vertonung der deutschen Person im Zug ist leider komplett misslungen.

Spielerisch löst ihr hauptsächlich kleinere Rätsel und Minispiele und versucht mit eurer Kombinationsgabe, die Tathergänge zu rekonstruieren, was ein wenig an die Sherlock Holmes Spiele erinnert. Zwar können einige Rätsel etwas herausforderner sein, scheitern könnt ihr aber auch bei einer falschen Aussage nicht, das Spiel gibt euch da direkt einen neuen Versuch. Ein kleines Hilfssystem ist zudem ebenfalls integriert.

Insgesamt ist es, wie ich finde, eher eines der leichteren Spiele seiner Art.

Grafisch wurde gerade der Orient Express sehr schön getroffen, mit seiner luxuriösen Aufmachung und vielen Spiegeleffekten. In den Außenbereichen fällt das zwar etwas ab und gerade so Sachen wie unsichtbare Begrenzungen der Spielwelt sind nicht mehr zeitgemäß, aber für so ein Spiel dieser Art passt das schon ganz gut. Der etwas comicähnlicje Look fügt sich da ganz gut ein.

Positiv zu erwähnen sei hier die Qualitätssicherung. Ich bin jetzt fast am Ende des ca. 10 bis 15 Stunden dauernden Spiels und hatte bisher keinerlei Bugs oder Abstürze.


Als Fan der filmischen Vorlage bin ich ein wenig zwiegespalten. Ein wenig Flair geht mit dem Wechsel in die heutige Zeit schon verloren, zum Glück halten sich so Sachen wie Handys aber dezent im Hintergrund und auch der Orient Express hat eine klassische Aufmachung erhalten.

Der neue Entwicklungsstrang mit der zweiten Ermittlerin fügt sich in der Geschichte recht gut ein, aber gerade den letzten Part fand ich etwas mühselig. Andererseits bringt er Kennern des Originals natürlich einen Mehrwert abseits der schon bekannten Geschichte und fügt neue Facetten mit ein.

Das es sich um ein eher leichtes Adventure handelt und einige Aufgaben eher mehr Mittel zum Zweck sind, damit kann ich leben. Poirot und seine Eigenheiten werden recht gut in Szene gesetzt, die deutsche Vertonung finde ich bis auf eine Ausnahme wirklich gelungen und stimmig.

Momentan wäre ich so im 70er Wertungsbereich. Mehr Infos zum Spiel gibt es hier (in Englisch).
 
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